Aus Schalkes Trainingslager in Neustift im Stubaital berichtet Toni Lieto
Schalkes Finanzchefin Christina Rühl-Hamers beschäftigt das Thema Eigenkapitalauflage ständig. Sie muss sehr genau aufpassen, dass der Verein die Vorgabe der DFL erfüllt, ansonsten wird das mit dem Abzug von drei Punkten bestraft. Zur kommenden Saison konnten die Königsblauen einen solchen "Minus-Start" unter großen Anstrengungen abwenden, nächstes Jahr droht das Szenario aufs Neue.
Mehr finanzieller Spielraum für Kaderplaner?
Auf Schalke kommt aktuell aber eine Diskussion auf. Warum sollte der Verein die Auflage nicht bewusst brechen? Somit würde er sich einen finanziellen Spielraum "erkaufen" - mit dem Vorteil, dass nicht zuletzt die Kaderplaner ihre Fesseln ablegen, zumindest aber lockern könnten. Derzeit gibt es bei Schalke den Transferstopp auch deshalb, weil kein Geld für weitere Einkäufe freigegeben ist.
Zumindest der Vorstand des FC Schalke 04 denkt trotz angespannter finanzieller Lage nicht daran, die Eigenkapitalauflagen der DFL bewusst zu brechen. Das hat Sportvorstand Frank Baumann am Donnerstag im Trainingslager in Neustift ausdrücklich betont.
Baumann hat Punktabzug-Erfahrung
"Ich habe selbst erlebt, wie belastend ein Punktabzug sein kann", sagte der Ex-Nationalspieler. Das war zu seiner aktiven Profizeit beim 1. FC Nürnberg. "Damals mussten wir bei der Zwei-Punkte-Regelung erst sechs Zähler aufholen, nur um auf null zu kommen. Das war von Anfang an eine enorme Hypothek."
Mit Blick auf die aktuelle Situation bei Schalke betonte Baumann die Klarheit im Vorstand. "Wir sind uns sehr einig, dass wir bewusst diese Eigenkapitalauflage nicht brechen wollen."
Transferüberschuss als Gegenmittel
Stattdessen wolle man den finanziellen Herausforderungen mit Disziplin und gezielten Maßnahmen begegnen. Ein zentrales Element sei dabei das Erzielen von Transferüberschüssen im laufenden Sommer. Schalke 04 hofft auf eine zweistellige Millionensumme durch die - sportlich fragwürdigen, aber finanziell notwendigen - Verkäufe von Stürmer Moussa Sylla und Abwehrtalent Taylan Bulut.
Dass Transferüberschüsse kein Selbstläufer sind, ist Baumann bewusst: "Das war im vergangenen Jahr schon schwierig. Aber es ist uns gelungen, am Ende einen Gewinn auszuweisen - und genau das ist auch in diesem Jahr unser Ziel." Er zeigte sich optimistisch, dass der Spagat zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sportlicher Wettbewerbsfähigkeit erneut gelingen könne.