Ihre gute Laune haben Lukas Kling, Trainer der SpVgg Bayreuth, und seine Mitstreiter noch nicht verloren. Noch nicht. Trotz aller Widrigkeiten. Das hat seine Gründe: Nach acht sieglosen Spielen am Stück bewies sein verbliebenes Häuflein auf dem Feld, dass man mehr als nur konkurrenzfähig ist. Den Würzburger Kickers trotzte man dank einer leidenschaftlichen Defensivleistung ein torloses Remis ab, bei der SpVgg Unterhaching setzten die Altstädter Kicker auch spielerische Akzente und verdienten sich das 1:1-Remis redlich.
Für beste Laune sorgte der 2:0-Sieg über die Bundesligareserve des FC Augsburg, bei dem man hinten erneut äußerst stabil stand und offensiv zu überzeugen wusste. Auch bei der 0:2-Niederlage in Nürnberg zuletzt präsentierte sich die Kling-Elf streckenweise sehr ordentlich, eine zehnminütige Unordnung nach der Pause zog die beiden Gegentreffer nach sich.
Abwehrkonstante Seidel verletzt
Die Unordnung hatte eine klar zu definierende Ursache: Manndecker Alexander Seidel, bislang eine absolute Bank in der Innenverteidigung musste mit einer Knieverletzung vom Feld. Da der dienstälteste Altstädter, Innenverteidigerkollege Tobias Weber krankheitsbedingt passen musste, kam U-19-Akteur Felix Schäffner zu einem ersten längeren Einsatz - auch wenn er an den Toren keine Schuld hatte, merkte man die neuerliche Umstellung auf dem Feld und die fehlende Kontinuität in den Abläufen.
Seidel reiht sich ein in eine schier nicht enden wollende Liste an verletzten Spieler. Immerhin scheint aber so zu sein, dass es sich nicht um eine längerfristige Geschichte handelt - die genaue MRT-Diagnose steht noch aus, ein Einsatz beim Heimspiel gegen Aubstadt ist allerdings eher unwahrscheinlich. "Felix hat seine Sache gut gemacht", lobt Kling den Youngster, der weiterhin mit der Regionalligamannschaft trainieren wird.
Er, der körperlich beste Voraussetzungen hat, gilt als einer, der langfristig in die Fußstapfen von Co-Trainer Edwin Schwarz und Tobias Weber als zentraler Defensivmann schlüpfen kann. "Er ist einer für die Zukunft", so sein Coach, "wie bei allen jungen Spielern ist es halt so, dass er Zeit braucht, sich zu akklimatisieren und in die Rolle zu schlüpfen."
„Dass das so schnell geht und er diese Qualitäten abruft, hätte ich nicht gedacht.“ (Lukas Kling über Tino Lennerth)
Das hat ein anderer Youngster bereits vorgemacht: Tino Lennerth, von den Stuttgarter Kickers gekommen und dort in der U 17 unter seinem heutigen Coach als Kapitän auflaufend, hat sich heimlich still und leise zu einer unverzichtbaren Größe im Mittelfeld gemausert.
"Ich wusste natürlich, was er kann", so Kling über seinen Zögling, "er nimmt das Tempo und die Körperlichkeit gut an." In die Rolle des Stammspielers rutschte er aufgrund der vielen Ausfälle im Team schneller als gedacht. "Dass das so schnell geht und er diese Qualitäten abruft, hätte ich nicht gedacht", ist Kling ehrlich, "er war eher angedacht als derjenige, der als erster Wechselspieler Minuten und Erfahrungen sammelt."
Umso besser für ihn, dass Lennerth zündete und zusammen mit Offensivmann Levi Kraus, dem vom FC Ismaning gekommenen Außenverteidiger Leon Bucher und Rückkehrer Jakub Mintal eine stabile Basis junger Kicker bildet.
Hoffnung auf Besserung
Auch wenn die Liste der Ausfälle lang ist, es herrscht Hoffnung auf Besserung. Zumindest wieder auf der Ersatzbank Platz genommen hat Lukas Zahaczewski nach einem in der Vorsaison erlittenen Bruch im Sprunggelenk. An der Seite von Henry Höcker bildet er das aktuelle Torhüter-Duo, da Linus Kasten (Abriss des Hüftbeugers) und Maurice Dehler (Mittelfußbruch) noch länger passen müssen.
Das kickende Personal ist derweil nicht besser dran. Mit Marco Zietsch (Abriss am Knochen) steht immerhin einer vor einem Comeback. Die beiden Außenverteidiger Ben Fischer (Muskelabriss im Oberschenkel) und der zumindest wieder erste Gehversuche unternehmende Julian Bell (Fersenentzündung) fehlen im defensiven Verbund, Lukas Quirin (Kreuzbandriss), Felix Heim (Wadenbeinbruch), Youngster Fabian Dachsbacher (knöcherne Verletzung am Sprunggelenk) und Thomas Winklbauer (Muskelabriss im Oberschenkel) stehen Kling weiterhin nicht zur Verfügung.
„Normalerweise hänge ich das mit den Verletzungen ja nicht so hoch, aber mittlerweile muss ich schon fragen, was wir verbrochen haben, dass wir so hart bestraft werden.“ (Lukas Kling)
Da zuletzt immer wieder der ein oder andere gelbgesperrt (Seidel) oder krankheitsbedingt (Andermatt, Weber) ausfiel und man Ergänzungsspieler Philip Udogu freigestellt hat, stellte sich die Mannschaft quasi mehr oder minder von selbst auf. "Es sind ja bis auf die Muskelabrisse nur Traumata-Verletzungen", so Kling über das unbändige Pech, das seine Truppe verfolgt.
"Normalerweise hänge ich das mit den Verletzungen ja nicht so hoch, aber mittlerweile muss ich schon fragen, was wir verbrochen haben, dass wir so hart bestraft werden", sagte Kling gegenüber dem Nordbayerischen Kurier schon vor einigen Wochen. Da standen ihm Bell, Winklbauer, Seidel und Dachsbacher noch zur Verfügung.
Das Ziel der Altstädter ist aufgrund der Umstände klar umrissen. "Wir wollen bis zur Winterpause möglichst viele Punkte hamstern und über dem Strich landen", blickt Kling voraus. Ein erster Schritt soll dabei gegen den TSV Aubstadt getan werden. "Eine Wundertüte", sagt er über die Kicker aus dem Rhön-Grabfeld-Kreis, "die bewiesen hat, dass sie gegen Spitzenteams gut mithalten kann. Sie sind erheblich stärker als noch letzte Saison."
Nichtsdestotrotz würde er gerne einen zweiten Heimsieg in Folge einfahren - der wäre nach vier Spielen und 442 torlosen Minuten Balsam auf die geschundene Seele. "Und wir hätten uns etwas Luft nach unter verschafft", so Kling. Das würde die gute Laune im Trainerteam und dem Umfeld des Klubs noch etwas verbessern.