Die deutsche Frauen-Nationalelf muss sich nicht wie befürchtet auf der Torwartposition neu aufstellen. Am Donnerstag gab der Verband offiziell den Verbleib Ann-Katrin Bergers in der DFB-Auswahl bekannt.
"Es ist schon eine wichtige Entscheidung, die jetzt getroffen und im Hinblick auf die WM 2027 gefällt wird", hatte Bundestrainer Christian Wück noch in dieser Woche dem kicker gesagt - und dabei betont, wie gerne er mit Berger weitermachen würde: "Wir haben uns ausgetauscht und ihr eindeutig signalisiert, dass wir die Zusammenarbeit gern fortführen würden, wenn sie sich dafür bereit fühlt. Das waren Informationen, die sie mit einem Lächeln aufgenommen hat."
Bergers Rücktritt hätte menschlich wie sportlich fraglos eine Lücke gerissen. So kommen die potenziellen Nachfolgerinnen Stina Johannes und Ena Mahmutovic noch nicht an das Niveau der 35-Jährigen heran. Ganz besonders in der Ausstrahlung ist Berger der jüngeren Garde überlegen.
2024 und 2025 wurde Berger zu Deutschlands Fußballerin des Jahres gekürt, davon beim zweiten Mal gemeinsam mit Giulia Gwinn. 2022 wurde sie ohne Einsatz Vize-Europameisterin in England, 2024 trug sie einen riesigen Anteil an der Olympischen Bronzemedaille in Frankreich. In der Nations League 2024/25 wurde die DFB-Elf mit ihr Zweiter.
Dass es bislang nur 29 Länderspiele wurden, hat Gründe. Erst mit 16 Jahren wechselte die gebürtige Göppingerin ins Tor und debütierte als Spätstarterin schließlich im Dezember 2020 in der A-Nationalmannschaft. Damals war sie schon 30 Jahre alt. Erst kurz vor den Olympischen Spielen 2024 stieg sie unter dem damaligen Bundestrainer Horst Hrubesch erstmals zur Nummer eins auf. Im Spiel um Platz drei hielt Berger in der Nachspielzeit einen Strafstoß und sicherte so den Sieg über Spanien, der die Bronzemedaille bedeutete.
Mit 40 noch im Tor? "Daraus wird vermutlich nichts"
In den Jahren 2017 und 2022 wurde bei der Torhüterin jeweils Schilddrüsenkrebs diagnostiziert, doch in beiden Fällen kehrte sie rasch zwischen die Pfosten zurück. "Ich akzeptiere den Krebs, der mir ans Leben wollte, so wie ich akzeptiere, dass da Gegnerinnen auf dem Platz stehen, die mir einen Ball ins Tor kicken sollen", schrieb Berger in ihrer im November erschienenen Biografie.
Darin sagte sie auch, sie würde gerne noch mit 40 Jahren zwischen den Pfosten stehen. "Aber daraus wird vermutlich nichts, dafür bin ich zu ehrgeizig. Wenn ich merke, dass ich nicht mehr so abliefern kann, wie ich es für angemessen halte, möchte ich niemandem den Platz wegnehmen."
Zuletzt gewann sie mit ihrem Klub NJ/NY Gotham FC das Play-off-Finale um die US-amerikanische Meisterschaft, zu der sie in den Runden zuvor einen großen Beitrag leistete. Parallel arbeitet Berger an ihrem Trainerschein, um nach der Karriere als Torwarttrainerin zu fungieren.