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Bono und die drei Arten der Verwirrung

kicker

Vom Afrika-Cup in Marokko berichtet Michael Postl

Eigentlich, so sagte es Walid Regragui nach dem Finaleinzug gegen Nigeria, müsse er sich entschuldigen. Eine ungewöhnliche Einstellung für einen Coach, der seine Mannschaft nur ein paar Minuten zuvor ins Endspiel des Afrika-Cups geführt hat. Per Elfmeterschießen zwar, auf eine etwas glückliche Art und Weise also, aber dennoch souverän. Und total ergebnisorientiert. Dann aber diese Bitte um Verzeihung.

"Ich habe Hamza ausgesucht, möchte mich deshalb bei ihm entschuldigen", sagte Regragui über Hamza Igamane, der den zweiten Elfmeter am Mittwochabend verschossen hatte. Der Profi von Lille OSC habe große Qualität, sei jedoch wegen seiner Verletzung Anfang Dezember nicht in Top-Form gewesen. "Hätten wir das Elfmeterschießen wegen dieses Fehlschusses verloren, wäre es meine Schuld gewesen", sagte Regragui hernach. Doch es kam anders - dank Bono.

Begonnen hatte das Elfmeterschießen positiv für beide Seiten, der erste Schütze traf jeweils. Bevor Nigerias Paul Onuachu anlief, riss Marokkos Keeper die Arme hoch, täuschte einen Absprung nach links an, nach rechts, sprang dann aber doch nach links. Eine klassische Verwirrtaktik, vor allem dann, wenn sich der Schütze während seines Antritts noch entscheidet oder unsicher ist. Der Ball zappelte aber im Netz, Bono war geschlagen. Vorerst.

Weil Igamame den zweiten Elfmeter verschoss, stieg der Druck auf den erfahrenen Keeper, der bereits im Achtelfinale 2022 in Katar zwei Schüsse von Carlos Soler und Sergio Busquets gegen Spanien hielt - und auch jetzt zum Helden avancieren sollte.

Im Duell mit Samu Chukwueze hob Bono die linke Hand, schien jedoch genau zu wissen, wohin der nigerianische Stürmer schießen würde. Ein paar kleine Hopser, sicher, doch die sind fast schon Routine. Bono hechtete nach rechts, hielt einen schwach geschossenen Ball. Es wirkte, als habe der Keeper den Schützen gelesen und ihn das spüren lassen. Ein mentales Spielchen, das keiner besonderen Verwirrtaktik bedarf, keines Selbstvertrauens, keiner Sperenzchen.

„Er ist eine Schlüsselfigur in unserer Mannschaft, einer der besten Torhüter der Welt.“ (Walid Regragui über Bono)

Der Keeper nutzte beim dritten Elfmeter durch Bruno Onyemaechi eine Taktik, die manche Torhüter höchstens im Training anwenden: Bereits während des Anlaufs in ein Eck gehen, per Sidestep, ohne sich zu hechten. Ob es nun Glück oder Überzeugung war: Der Ball kam auf seine Seite, Bono reichte es, seinen Arm auszustrecken, um ihn zu halten. Man kann dieses Verhalten überheblich nennen, im Halbfinale gegen Nigeria erwies es sich jedoch als äußerst effektiv. Und deshalb so gut? Regragui sagt: "Ich möchte ungern einzelne Spieler hervorheben, aber Bono ist eine Schlüsselfigur in unserer Mannschaft, er ist einer der besten Torhüter der Welt."

Damit hat der marokkanische Coach nicht Unrecht. Und doch wäre Bono im Nachhinein sicher kritisiert worden, hätte er sich nicht gehechtet und der Ball dann doch unplatziert in der Mitte eingeschlagen. Für ein verpasstes Finale sind das jedoch zwei Konjunktive zu viel.