Sebastian Kehl erging es wie den meisten Fans von Borussia Dortmund. "Ich bin davon ausgegangen, dass wir eine Runde weiterkommen", erklärte der Sportdirektor nach dem unerwarteten Schock in Bergamo. Trotz eines 2:0-Sieges aus dem Hinspiel im Rücken schied der BVB mit einem verdienten 1:4 bei Atalanta am Mittwochabend noch vor dem Achtelfinale aus der Champions League aus.
Das ist sportlich schmerzhaft, weil nach dem DFB-Pokal-Aus gegen Bayer 04 Leverkusen im Dezember in den restlichen Saison-Monaten plötzlich nur noch die Bundesliga übrig ist, in der am Samstag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) das Topspiel gegen den auf acht Punkte enteilten Spitzenreiter FC Bayern ansteht. Aber auch finanziell hat das Ende der Champions-League-Saison Folgen.
BVB-Prämien fast halbiert
Die elf Millionen Euro, die die UEFA für den Achtelfinaleinzug ausschüttet, kassiert Atalanta, nicht der BVB. "Die Einnahmen hatten wir eingeplant", räumte Kehl ein. Stattdessen bleiben die Borussen bei Prämien von 32,82 Millionen Euro stehen. Zum Vergleich: In der Vorsaison, in der sie erst im Viertelfinale vom FC Barcelona (0:4/3:1) gestoppt worden waren, hatten sie noch 62,56 Millionen Euro verdient, also fast das Doppelte.
Damals waren sie aber nicht nur zwei Runden weitergekommen, sondern hatten die Ligaphase auch mit mehr Siegen und als Zehnter sieben Ränge weiter oben abgeschlossen. In der laufenden Saison setzen sich die Prämien aus der Antrittsgage (18,62 Millionen Euro), drei Siegen (3x 2,1 Millionen Euro), zwei Remis (2x 0,7 Millionen Euro), der Abschlussplatzierung in der Ligaphase (5,5 Millionen Euro) und dem Einzug in die Play-offs (eine Million Euro) zusammen.
Wie viel geringer fällt die Wertprämie aus?
Offen ist noch, wie hoch die sogenannte Wertprämie in dieser Saison ausfällt, die auf dem UEFA-Koeffizienten der Klubs und dem jeweiligen TV-Markt des Landes basiert. Klar ist aber: Die 39,6 Millionen Euro aus der Vorsaison wird der BVB nicht erneut erreichen, auch wenn diese Säule weniger mit dem aktuellen als dem früheren Europapokal-Abschneiden zusammenhängt. Alle Prämien zusammengerechnet hatten die Dortmunder 2024/25 102,162 Millionen Euro in der Königsklasse verdient.
Ganz nebenbei verliert der BVB durch das Aus in Bergamo auch noch die Ticketeinnahmen für mindestens ein weiteres Heimspiel. Immerhin hat Niko Kovac mit seiner Mannschaft schon die Weichen gestellt, um auch im kommenden Jahr wieder Teil der lukrativen Königsklasse zu sein. "Wir werden unseren Weg weitergehen und daraus unsere Schlüsse ziehen", versprach Kehl noch am Mittwochabend.
BVB passt Ergebnisprognose an
Der börsennotierte Verein reagierte am Donnerstag indes mit einer Anpassung seiner Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr von bislang minus fünf bis plus fünf Millionen Euro auf minus zwölf bis minus 22 Millionen Euro.
"Diese neue Prognose steht unter dem Vorbehalt werterhellender Tatsachen bis zum Abschluss der Aufstellung des Jahresabschlusses sowie der im Zuge der Prüfung des Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2025/2026 etwaig nach dem Bilanzstichtag gewonnenen Erkenntnisse", heißt es in der Ad-Hoc-Mitteilung zudem.
An der Börse fand das frühe Scheitern in der Königsklasse am Donnerstag sogleich in deutlichen Kursverlusten Ausdruck.