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BVB setzt auf Speicheltests

kicker

"Wir prüfen konsequent neue Ansätze, die uns helfen, das Beste aus unserer Mannschaft herauszuholen. Im Zusammenspiel mit unserer medizinischen Abteilung, der Athletik und den Sportwissenschaften hat auch Biolyz einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass wir die Steuerung unserer Spieler nachhaltig verbessern konnten und heute mit sehr viel weniger Verletzten dastehen", preist etwa Sebastian Kehl, Sportdirektor von Borussia Dortmund, die Zusammenarbeit mit der Firma Biolyz.

"Aktuelle Modelle liegen hier nur bei 60 bis 65 Prozent"

Die Neuerung: Zwei- bis fünfmal pro Woche geben Serhou Guirassy, Nico Schlotterbeck & Co. mit einem Wattestäbchen einen Speicheltest ab, der per hochauflösender Massenspektrometrie ausgewertet wird. Die Analyse soll mehr als 100 Biomarker abdecken. Was neben den etablierten monatlichen Bluttests und den Belastungsdaten etwa aus den GPS-Gurten den Profi noch ein Stückchen gläserner macht. Um Stresssymptome, sich anbahnende Infektionen und andere Probleme früh zu erkennen, letztlich natürlich aber vor allem zur Minderung des Verletzungsrisikos.

"Hier basieren aktuelle KI-Modelle vornehmlich auf GPS-Daten, Vorverletzungen und wenigen biomechanischen Kenngrößen. Die Genauigkeit dieser Modelle liegt bei 60 bis 65 Prozent. Das ist nicht viel besser als Würfeln und hat damit keinerlei Praxisrelevanz", findet Prof. Dr. Philipp Zimmer, der den Arbeitsbereich Sportmedizin an der TU Dortmund leitet und das Projekt wissenschaftlich begleitet hat. "Packen wir nun umfassende, hochfrequent gemessene und personalisierte Schwankungen der internen Belastung obendrauf, verbessern sich diese Modelle substantiell." Entscheidend sei, dass eben nicht einzelne Marker gemessen oder Einzelmessungen ein- bis zweimal pro Saison vorgenommen würden, sondern "erst ein umfassendes Screening valide Ergebnisse liefert - in diesem Fall ohne den Einsatz zahlreicher, teurer und zeitintensiver Einzeltests".

Kaderbezogene Muster können durch KI erkannt werden

BVB-Teamarzt Dr. Markus Braun jedenfalls glaubt, mit Blick auf die Vorsaison Auswirkungen auf den Sport erkannt zu haben: "Die Testungen haben uns gerade in der intensiven Rückrunde geholfen, die körperlichen Reaktionen auf die Beanspruchung unserer Spieler besser zu verstehen." Auch kaderbezogene Muster kann die Methodik nach Firmenangaben erkennen, hier spielt künstliche Intelligenz bei der Auswertung eine Rolle.

Interessant: Zuletzt hatte Christian Ilzer, Trainer der mit 0:2 unterlegenen TSG Hoffenheim, sein Gegenüber Niko Kovac dafür gelobt, dass er in einer individuell so starken Mannschaft auch die Begeisterung für die laufintensive Arbeit gegen den Ball implementiert habe. Was zumindest dafür spricht, dass Kovacs Elf trotz Mehrfach-Belastung physisch bestens dasteht.

Der Gründer will nun auch in die Premier League

Man darf nun gespannt sein, ob der aktuelle Bundesliga-Dritte weiterhin von der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen aus dem österreichischen Tulln profitiert. Denn den Borussen folgen womöglich bald andere Bundesligisten, zumindest gibt es laut Biolyz bereits weitere Anwender aus der deutschen Beletage. "Viele Vereine erkennen, dass wir mit unserer Technologie ein fehlendes Puzzleteil in der Leistungsdiagnostik liefern und so direkt zum sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg beitragen", erklärt Gründer und CEO Marlon Millard, der seine Technologie auf Sicht auch in die Premier League bringen und auf weitere Sportarten ausweiten möchte.