"Ich möchte es mit der Mannschaft zum Hallenmasters in Kiel schaffen." Als Danny Cornelius vor gut einem Jahr bei seiner Vorstellung als neuer Trainer des abstiegsbedrohten Oberligisten VfR Neumünster in einem Interview diese Antwort auf die Frage nach seinen Zielen von sich gab, hätte ihm manch einer im Lager der Lila-Weißen am liebsten gleich wieder den Laufpass gegeben. Denn von Größenwahn hatten die Realisten an der Geerdtsstraße längst genug. Über diesen waren die Rasensportler nämlich in den Jahren zuvor gleich reihenweise gestolpert.
Doch der Ex-Profi ließ markigen Worten knackige Taten folgen. Erst schaffte Cornelius mit dem Traditionsklub den am seidenen Faden hängenden Klassenerhalt, dann führte er die Rasensportler dank einer starken Oberliga-Hinrunde tatsächlich zum prestigeträchtigen Lotto-Masters. Dort sind sie aber alles andere als ein Newcomer, sondern tatsächlich ein Dinosaurier. Zum 20. Mal wird der VfR bei diesem Mega-Event starten. Der bislang letzte Auftritt jedoch liegt lange zurück, datiert aus dem Jahr 2018.
Deutschlands Vorzeige-Hallenturnier
Die Vorfreude auf das Comeback ist riesengroß. Denn Deutschlands Vorzeige-Hallenturnier ist auch im Vorwege der 26. Auflage längst ausverkauft, mehr als 8.500 Zuschauer garantieren am Samstag, 10. Januar, für eine abermals großartige Stimmung in der Kieler Wunderino Arena, wo um 17 Uhr mit einer Lasershow das Spektakel beginnen wird. Rund fünf Stunden später wird feststehen, wer den mit 5.000 Euro dotierten Siegerscheck in Empfang nehmen darf.
Am Start sind die acht besten Teams des nördlichsten Bundeslandes, wobei der Masters-Rekordsieger Holstein Kiel (sechs Titel) einmal mehr durch seine auf Tabellenplatz zwei in der Oberliga postierte U 23 vertreten wird. Die Zweitligamannschaft der "Störche" befindet sich zum Masters-Zeitpunkt noch im spanischen Algorfa, wo sie sich im Trainingslager auf den rauen Alltag in der Meisterschaft vorbereitet.
Masters-Titelverteidiger ist der SV Todesfelde, der nach seinem Abstieg aus der Regionalliga eine Klasse tiefer nur von einem Kollaps auf der Autobahn zu stoppen war und aktuell die Oberliga anführt. In 17 Spielen gab es 15 Siege, die einzige Niederlage setzte es am grünen Tisch. Todesfelde schaffte es wegen eines Staus auf der A 7 nicht pünktlich zum Spiel bei Nordmark Satrup, das sich über einen 5:0-Erfolg freuen durfte, ohne einen Tropfen Schweiß vergossen zu haben.
Lübecker Duell
Für das Überraschungsteam aus Neumünster indes dürfte es in Kiel von Beginn an ungleich anstrengender werden. Denn im Masters-Eröffnungsspiel gegen Phönix Lübeck geht die Schere so weit auseinander wie bei keiner anderen Paarung dieser 26. Auflage. Oberliga-Sechster gegen Regionalliga-Fünfter, so lautet die Konstellation. Die Hansestädter sind neben ihrem Lokalrivalen VfB und dem SC Weiche Flensburg 08 einer von drei Viertligisten im Feld und in puncto Papierform nicht zu toppen. Dass sich die beiden Lübecker Teams bereits in der Vorrunde gegenüberstehen, birgt ebenso viel Brisanz wie Spannung.
Und dann ist ja noch der Heider SV. Der Oberliga-Vierte hat bei bislang neun Masters-Teilnahmen genauso viele Punkte geholt wie der Sensationssieger von 2015, TuS Hartenholm, bei nur einem einzigen Start - nämlich zehn. Vielleicht sollten es die Dithmarscher auch einmal mit Größenwahn versuchen. Der hat schon ganz anderen geholfen. In Neumünster haben sie damit gute Erfahrungen gemacht. Zumindest einmal.
Gruppe A: 1. FC Phönix Lübeck, VfB Lübeck (beide Regionalliga), Heider SV, VfR Neumünster (beide Oberliga).
Gruppe B: SC Weiche Flensburg 08 (Regionalliga), SV Todesfelde, Holstein Kiel U23, SV Eichede (alle Oberliga).