Nach den Turbulenzen rund um den Jahreswechsel mit der Freistellung von Cheftrainer Sebastian Tyrala (37), der Verpflichtung seines Nachfolgers Mike Wunderlich (39/zuletzt beim Rheinlandliga-Spitzenreiter Ahrweiler BC tätig) und dem Rücktritt von Sportvorstand Thomas Richter (63) hat der Wuppertaler SV, der in der Regionalliga West auf einem Abstiegsplatz überwintert, aktuell mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Die winterliche Witterung sorgt nicht zuletzt auch im Bergischen Land für äußerst schwierige Trainingsbedingungen.
Bereits mehrfach wich Wunderlich, zu dessen Einstand der Gewinn der Wuppertaler Hallenstadtmeisterschaft gelang, mit seinem Team in eine Soccerhalle aus. Außerdem nutzte der Rekordspieler des FC Viktoria Köln seine guten Beziehungen zum Drittligisten, bei dem Vater Franz nach wie vor als Sportvorstand fungiert, um in der Domstadt auf einem freigeräumten Kunstrasenplatz trainieren zu können. "Wir sind der Viktoria und Franz Wunderlich für diese Unterstützung sehr dankbar", sagt WSV-Sportdirektor Gaetano Manno (43), der wegen der enttäuschenden Hinserie besonders bei den Fans ebenfalls stark in der Kritik stand, dem die Vereinsführung jedoch nach dem Trainerwechsel das uneingeschränkte Vertrauen aussprach.
Wechsel mit Ungereimtheiten
Dass die beschlossene Trennung von Tyrala durch eine "undichte Stelle" an die Öffentlichkeit gelangte, bevor der Ex-Trainer persönlich über seine Freistellung informiert werden konnte, und dass Wunderlichs bisheriger Verein dessen Wechsel nach Wuppertal ebenfalls verkündete, bevor er überhaupt seinen Vertrag beim WSV unterschrieben hatte, bedauert Manno ausdrücklich. Während jedoch Tyrala seine Enttäuschung in einem Instagram-Statement nicht verhehlte ("Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir unsere gemeinsamen sportlichen Ziele hätten erreichen können."), war genau diese Überzeugung bei der sportlichen Leitung nach den Ergebnissen im Spätherbst nicht mehr vorhanden.
Nur drei Punkte aus den zurückliegenden sieben Ligaspielen ohne Sieg sowie das bittere Aus im Niederrheinpokal-Viertelfinale beim Oberligisten FC Büderich (0:1) ließen bei Manno den Entschluss reifen, einen "neuen Impuls setzen zu müssen, damit wir so schnell wie möglich die Wende einleiten und unser Saisonziel Klassenverbleib erreichen". Das soll nun Wunderlich schaffen und dabei auch als Typ vorangehen.
Wichtige Tests für Wunderlichs Idee
Manno hofft, dass die für Samstag (10. Januar) geplante Partie beim Westfalen-Oberligisten SpVgg Vreden trotz Schnee und Eis stattfinden kann, damit sich der neue Trainer schon vor dem Abflug ins Türkei-Trainingslager unter Wettkampfbedingungen einen ersten Eindruck von seiner Mannschaft machen kann. Am Montag wird der WSV-Tross dann zumindest für eine Woche dem strengen Winter entfliehen und sich in Lara auf den Ligastart am 24. Januar gegen den Nachbarn und Tabellenletzten SSVg Velbert vorbereiten. Vor Ort sind Testspiele gegen die beiden Nordost-Regionalligisten FSV Zwickau (14. Januar) und Chemnitzer FC (17. Januar) vorgesehen. "Das sind zwei sehr gute Tests gegen starke Gegner, bei denen unser neuer Trainer seine Spielidee erstmals umsetzen kann", meint Manno.
Dass der finanziell nicht auf Rosen gebettete Klub überhaupt ein Winter-Trainingslager im Süden aufschlagen kann, hat er einigen externen Gönnern zu verdanken, die dem Team eine optimale Vorbereitung ermöglichen wollen. An der Finanzierung der Flüge beteiligen sich aber auch die Spieler, der Staff und die mitreisenden Funktionäre aus eigener Tasche.
Trotz der Abstiegsgefahr wird sich der Kader bis zum Transferschluss nicht mehr allzu sehr verändern. Trotz der Vertragsauflösung von Linksverteidiger Lennard Wagemann (21), der zu seinem Remscheider Heimatverein SG Hackenberg zurückkehrt und damit künftig nur noch in der Bezirksliga kickt, ist das Personalbudget nach wie vor nahezu ausgereizt. Nur weitere Abgänge - die aktuell nicht in Sicht sind - würden wir zusätzlichen Spielraum sorgen.
Immerhin sind bis auf die beiden Offensivspieler Semir Saric (28/Entzündung im Knie) und Muhammed Bejdic (20/Kreuzbandriss) alle bislang verletzten Spieler wieder voll in das Training eingestiegen. Und auch bei Routinier Saric, der ein Aufbauprogramm absolviert, ist Besserung in Sicht. Er wird bereits mit in die Türkei fliegen.