Mit richtigem Mauerfußball endete diese Saison für Tottenham Hotspur. Wie passend: Denn nach einer abermals extrem enttäuschenden Premier-League-Spielzeit für den Londoner Verein (zweimal Rang 17 in Folge), der zuvor regelmäßiger Champions-League-Stammgast gewesen war, kam es auch auf nichts mehr anderes an.
Als darauf, nach der 1:0-Führung von Ex-Münchner Joao Palhinha (43. Minute) beim Duell mit dem FC Everton diesen Vorsprung mit Mann und Maus zu verteidigen. Torwart Antonin Kinsky sicherte sich Bälle, der frühere Augsburger Kevin Danso verteidigte alles weg und der für die Schlussphase gebrachte Joker Randal Kolo Muani durfte eher als Zusatzergänzung für die Defensivarbeit angesehen werden.
Van de Ven: "Das ist das Wichtigste!"
Dass nach zehn Siegen, elf Remis und 17 Niederlagen mit 41 Punkten knapp vor dem dritten Absteiger West Ham, dem selbst ein 3:0 gegen Leeds United nichts mehr genutzt hatte, der Klassenerhalt stand, war alles. Der Rest? Soll laut Verteidiger Micky van de Ven nicht verschwiegen werden - darf aber für den Moment einfach mal parallel zum erreichten Ziel stehen. Erst recht, weil die Spurs zwischenzeitlich schon unter dem Strich geparkt hatten.
"Es ist inakzeptabel, dass wir hier und heute im letzten Saisonspiel um den Abstieg gespielt haben", holte der Ex-Wolfsburger (38 Bundesliga-Spiele, ein Tor zwischen 2021 und 2023) nach Spielschluss gegenüber den britischen Medien aus. "Dieser Verein hat einige unglaubliche Spieler." Mit solch einem Kader plus Europa-League-Sieg vor einem Jahr im Gepäck war es aus van de Vens Sicht einfach nur "peinlich, dass es bis zum letzten Spieltag so weit kommen musste."
Aber: "Wir haben es geschafft, das ist das Wichtigste!"
"Viel gelitten"
Dass der Abwehrrecke mit Schlusspfiff seinen Emotionen freien Lauf gelassen hatte und mit Mitspielern, Betreuern und den heimischen Fans feierte, sei nur mit einem vom Herzen abfallenden Stein zu erklären. "Es war für mich persönlich eine harte Saison", so van de Ven. "Ich habe fast jedes Spiel bestritten (35 von 38 möglichen in der Premier League; Anm. d. Red.) und dabei viel gelitten. Die Gefühle sind deshalb von großer Freude und Erleichterung geprägt - und wir dürfen nicht zulassen, dass sich so etwas wiederholt."
Genau daran wird ab diesem Sommer Trainer Roberto de Zerbi arbeiten. Der erst Ende März als Nachfolger von Igor Tudor, der bei seiner Spurs-Stippvisite eine komplette Bruchlandung hingelegt hatte, installierte Coach war als absoluter Wunschkandidat verpflichtet und direkt mit einem Vertrag bis 2031 versehen worden.
„Ich habe Spieler mit großer Persönlichkeit, die heute das bislang beste Spiel absolviert haben.“ (Spurs-Trainer Roberto de Zerbi)
Der ehemalige Coach von Olympique Marseille oder Brighton & Hove Albion hat ab sofort den Auftrag, das Team wieder unter den Kreis der Großen zu hieven. Der schwierigen Aufgabe ist sich de Zerbi nach dem gerade noch auf der auf der Zielgeraden vertriebenen Abstiegsgespenst bewusst, wie er gegenüber Sky Sports ausgeführt hat. "Ich darf mich glücklich schätzen", holte der Trainer nach seinem erst siebten Spiel in der Verantwortung an der Spurs-Seitenlinie aus. "Ich habe Spieler mit großer Persönlichkeit, die heute das bislang beste Spiel absolviert haben. Sie haben sich die Rettung verdient." Nun aber gehe es weiter mit harter Arbeit "ab morgen, ab nächster Woche, in den nächsten Monaten. Mein Leben ist aber schön genau so", denn Druck gehöre dazu. Druck, Tottenham nach zwei Jahren endlich wieder vom Premier-League-Keller zu lösen.