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Das wohl grösste YB-Problem muss an der Wurzel gepackt werden

kicker

Es gibt die berühmte Fussballweisheit, wonach die Offensive zwar Spiele gewinnt, die Defensive aber letztlich entscheidend dafür ist, ob auch Trophäen erobert werden können. Im Falle der Berner trifft dies derzeit absolut zu, gehört YB mit den bisher 21 Ligatoren zu den gefährlichsten Offensiven der Super League, während man aber defensiv extrem anfällig ist, bereits 22 Gegentore haben die Berner hinnehmen müssen.

Dank der starken Offensive konnten die Young Boys schon einzelne Spiele für sich entscheiden, aufgrund der schwachen Abwehr liegt man bereits neun Zähler hinter Leader Thun. Die Berner Oberländer ihrerseits haben den besten Sturm (25 Tore) sowie die zweitbeste Defensive (14 Gegentore).

Damit YB ein Wort um den Titel mitreden kann, muss Gerardo Seoane die Defensive in den Griff kriegen. Gegen den FC Basel hat dies beim 0:0 schon einmal nicht schlecht funktioniert, trotzdem sind die Sorgenfalten im Abwehrbereich sogar noch etwas grösser geworden.

Verletzungsanfälligkeit in der Defensive begleitet YB schon länger

Beim Warm-up für das Spiel gegen die Bebbi zwickte es Loris Benito bei dessen allerletzten Sprints in der Wade. Aus diesem Grund musste der Abwehrchef und Captain für das Topspiel gegen den amtierenden Schweizer Meister Forfait geben. Ob und wie lange der 33-Jährige nun ausfällt, ist noch nicht bekannt.

Als dessen Ersatz wurde Edimilson Fernandes in die Innenverteidigung beordert, doch auch sein Arbeitstag dauerte deutlich kürzer als erhofft. Nach rund 20 Spielminuten ging es für ihn nicht weiter und er musste ausgewechselt werden. Er selbst befürchtete einen Muskelriss, was eine mehrwöchige Pause zur Folge gehab hätte. Die Wahrheit ist jedoch noch bitterer, hat er sich eine schwere Muskel- und Sehnenverletzung zugezogen, die ihn sogar für mehrere Monate ausser Gefecht setzt und die ohnehin angespannte Personallage im Berner Defensivverbund noch mehr verschärft.

Der als Abwehrstammkraft verpflichtete Gregory Wüthrich fehlt YB schon seit längerer Zeit, wobei bei ihm die Hoffnung gegeben ist, dass er nach der November-Länderspielpause wieder einsatzbereit sein könnte. Dazu mussten Saidy Janko sowie Tanguy Zoukrou aufgrund von Sperren passen. Ersterer darf im nächsten schwierigen Super-League-Duell in St.Gallen immerhin wieder mittun.

Gegen die Bebbi bildeten letztlich Allzweckwaffe Sandro Lauper sowie der eigentliche Mittelfeldspieler Rayan Raveloson die Innenverteidigung der Berner und dabei verrichteten sie ihren Job angesichts der Umstände überdurchschnittlich gut. Klar ist aber, dass dieses Innenverteidiger-Duo nur aus der Not geboren ist und kaum eine langfristige Perspektive haben dürfte.

Es ist aus YB-Sicht wie verhext, die Verletzungssorgen in der Abwehr sind kein neues Phänomen. Bereits in der letzten Spielzeit begleiteten die Berner grosse Verletzungsprobleme, vornehmlich in der Defensive. Man denke hierbei nur an Leihverteidiger Patric Pfeiffer, dessen Leihe sogar vorzeitig abgebrochen wurde, weil er quasi dauerverletzt gewesen ist. Der Deutsche bestritt in einem halben Jahr nur gerade 65 Pflichtspielminuten für die YB-Profis.

Auch Mohamed Ali Camara, Abdu Conté, Tanguy Zoukrou und der leider ebenfalls von Verletzungen gebeutelte Loris Benito fielen jeweils über mehrere Wochen hinweg aus. Diese ständigen Ausfälle trugen sicherlich ihren Teil dazu bei, dass YB in der Tabelle zwölf Punkte Rückstand auf den Meister aus Basel aufwies.

Weshalb trifft es immer wieder die Berner?

Verletzungen sind in erster Linie immer mit viel Pech verbunden, weswegen auch vom Verletzungspech die Rede ist. Am Beispiel vom bereits weiter oben erwähnten Patric Pfeiffer kann man dies ziemlich gut illustrieren. Während der deutsche Innenverteidiger im YB-Dress von einer Verletzung in die nächste rutschte, hat er in dieser Saison bei Darmstadt noch keine einzige Sekunde in der 2. Bundesliga verpasst. Pfeiffer stand in allen bisherigen elf Saisonspielen über die volle Distanz auf dem Rasen. Anhand dieser Tatsache kann man schon behaupten, dass er in Bern einfach ganz viel Pech gehabt hat.

Das Problem bei YB ist jedoch, dass die Verletzungssorgen in der Abwehr in einer Häufigkeit auftreten, bei der man eigentlich nicht mehr von Pech sprechen kann. Vielmehr handelt es sich um einen negativen Trend, für welchen es irgendeine Ursache geben muss.

Nicht wenige führen die Verletzungssorgen von YB auf den Kunstrasen zurück, wobei dies als einziger Erklärungsansatz zu einfach wäre. Schliesslich verfügen auch andere Profiteams über einen Kunstrasen, beispielsweise auch der FC Thun oder der FC Lausanne-Sport. Diese beiden Teams haben bei weitem nicht über die gleichen Verletzungssorgen wie die Berner.

Die vielen Spiele und Englischen Woche in Kombination mit dem Kunstrasen dürften definitiv mit ein Grund sein, wird doch durch die höhere Belastung die Verletzungsgefahr deutlich grösser. Dies in erster Linie darum, weil die Erholungszeit kürzer wird, wenn man alle drei Tage spielen muss.

Dies ist jedoch eine Herausforderung, mit welcher alle Teams, die europäisch unterwegs sind, umgehen müssen. Gibt es einmal die ersten Verletzten, kommt es zu einem Teufelskreis, weil plötzlich die fitten Spieler noch mehr spielen müssen, da dem Trainer weniger Optionen zur Rotation bleiben. Dies erhöht dann die Verletzungsgefahr noch weiter, was die Young Boys zuletzt vor allem in der Abwehr zu spüren bekommen haben.

Seoane muss dieses Problem in den Griff bekommen

Für den neuen YB-Coach Gerry Seoane ist es in erster Linie wichtig, das Abwehrproblem in den Griff zu kommen. Mit dem torlosen Unentschieden gegen Basel ist ein erster Schritt in die richtige Richtung gelungen, gelang es doch Marvin Keller erst zum zweiten Mal in dieser Super-League-Saison, seinen Kasten rein zu halten.

Nun geht es für die Berner darum, Konstanz in die Abwehrleistung zu bringen und dafür wäre es mehr als förderlich, wenn der YB-Coach aufgrund von erneuten Verletzungen nicht ständig seine Abwehrreihe neu aufstellen müsste. Das Abwehrproblem der Young Boys sollte zwingend an der Wurzel gepackt werden, um diese Häufigkeit an Blessuren eindämmen zu können. Wurde falsch trainiert? Liegt es an einer schlechten Regeneration? Hat unter Umständen sogar das medizinische Personal Fehler begangen? Hat es doch irgendwas mit dem Kunstrasen zu tun?

Das sind alles Fragen, welche dringend beantwortet werden müssen. Ansonsten wird die Verletzungshexe auch in Zukunft ein treuer YB-Begleiter bleiben.