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Der Jubeltaumel vergangener Tage: Österreichs Sommermärchen 2017

kicker

Wer geht lachend in ein Elfmeterschießen? Zinsberger. Schiechtl. Wenninger. Schnaderbeck. Aschauer. Kirchberger. Pinther. Prohaska. Puntigam. Feiersinger. Burger.

Nach 120 torlosen Minuten gegen die klaren Favoritinnen aus Spanien entscheidet sich das Viertelfinale der Europameisterschaft 2017 in den Niederlanden im Penalty-Shootout. Ein bis nach Österreich zu spürender Teamspirit, taktische Variabilität und Disziplin sowie eine unfassbare Lauf- und Pressingbereitschaft haben den rot-weiß-roten Endrunden-Debütantinnen unter Dominik Thalhammer bis dahin einen Turnierverlauf ermöglicht, der sämtliche Erwartungen übertroffen hat. Und vor der Entscheidung gegen die Ibererinnen rennt der Schmäh.

"Das ist nicht üblich. Aber das, was wir hier gerade erleben und abrufen, ist auch nicht üblich. Wir sind einfach etwas ganz Besonderes", fasst Kapitänin Viktoria Schnaderbeck nach der makellosen Vorstellung ihres Teams vom Punkt zusammen. Alle österreichischen Schützinnen behalten die Nerven, Manuela Zinsberger pariert zusätzlich den Versuch von Silvia Meseguer - das vierte Kapitel in Österreichs Sommermärchen ist geschrieben. Ein skizzenhafter Rückblick.

Kapitel eins: Premieren gegen die Schweiz

Nach 14 Minuten und 11 Sekunden zittern die Maschen im Stadion De Adelaarshorst in Deventer. Schiechtl gewinnt im Gegenpressing auf der rechten Seite den Ball, die Österreicherinnen schwärmen aus. Makas' Pass links raus zu Billa gerät aber zu lang, die Schweizer Innenverteidigerin Kiwic gibt zurück zu Torfrau Thalmann - und verlangt das Kunstleder eigentlich wieder zurück. Thalmann hat jedoch andere Ideen. Ihr Abschlag rutscht zu Zadrazil durch, die den Doppelpass mit Feiersinger sucht und dann zu Burger durchsteckt. Österreichs Rekordtorschützin schraubt ihr Trefferkonto hoch und überrascht Thalmann mit einem Abschluss ins kurze Eck: Die Entstehungsgeschichte des ersten rot-weiß-roten Treffers bei einer Europameisterschaft, der ersten Punkte, des ersten Sieges.

Kapitel zwei: Courage gegen Frankreich

Nach 26 Minuten und 19 Sekunden zittern die Maschen im Stadion Galgenwaard in Utrecht. Ein Einwurf von der linken Seite wird zu Makas verlängert, die mit ihrem schwächeren rechten Fuß abschließt - doch von Schwäche nichts zu sehen, der Underdog geht wuchtig in Führung. Der erste Gegentreffer für Les Bleues nach 837 Minuten. Ein aufopferungsvoller Fight gegen die Weltranglistendritten wird mit einem Punkt belohnt, weil Zinsberger ihr falsch getimtes Herauslaufen beim Ausgleich nach einem Eckball mit mehreren Glanzparaden wieder wettmacht. Der erste Zähler Österreichs gegen Frankreich überhaupt.

Kapitel drei: Ein dreifaches "Huh" gegen Island

Nach 35 Minuten und 53 Sekunden zittern die Maschen im Stadion Het Kasteel in Rotterdam. Zadrazil steht nach einem Fehler von Keeperin Gunnarsdottir goldrichtig und schließt aus kurzer Distanz zur Führung ab. Nach 43 Minuten und 38 Sekunden zittern die Maschen im Stadion Het Kasteel in Rotterdam. Auf einen Eckball von rechts folgt die Konfusion. Zadrazil berührt die Kugel in jedem Fall, Burger vermutlich, sie jubeln gemeinsam über den Treffer. "Ich gebe ihn gerne Sarah", so die offizielle Torschützin Burger. Nach 88 Minuten und 56 Sekunden zittern die Maschen im Stadion Het Kasteel in Rotterdam. Feiersinger flankt von der rechten Seite Richtung zweite Stange, wo Prohaska noch an Gunnarsdottir scheitert, Enzinger den Abpraller aber verwerten kann. Der erste Gruppensieg.

Kapitel fünf: Schlusswort gegen Dänemark

Im Semifinale scheint das Glück der Tüchtigen vorerst aufgebraucht. In Minute 13 tritt die gegen Spanien so nervenstarke Puntigam zum Handelfmeter an. Der Ball rutscht über den Schuh und fliegt in die Ränge. "Schlecht geschossen halt", gibt die Schützin im Interview nach dem Spiel zu. Kurz kommt es noch einmal zurück, das Glück, und sagt "Servus". Weil die Skandinavierinnen Chance um Chance vergeben, unter anderem durch Hader nach 119 Minuten und 56 Sekunden. Österreich muss wieder ins Elfmeterschießen. Dort wird es zum Vogerl, das Glück, und singt auf einmal dänisch. Feiersinger setzt ihren Versuch drüber, Pinther und Aschauer scheitern an Torfrau Lykke Petersen.

Die Maschen zittern nicht für Österreich im Rat Verlegh Stadion in Breda, über 7200 Sekunden nicht. Das erste Ausscheiden.

Aber nach einem Turnier, in dem ein Neuling nur einen Treffer kassiert und in der regulären Spielzeit keine Partie verloren hat, war die Begeisterung bei Millionen entfacht. Nach einem Turnier, in dem Österreich beim ersten Antreten unter die besten vier Europas vorgedrungen ist, empfangen die Menschen das Nationalteam gebührend auf dem Wiener Rathausplatz.

Die Qualifikation zur EM wurde in Trikots ohne Namen auf dem Rücken bestritten. Nach der EURO 2017 kennt das Land endlich seine neuen Heldinnen. Zinsberger. Pfeiler. Größinger. Schiechtl. Georgieva. Wenninger. Maierhofer. Naschenweng. Schnaderbeck. Aschauer. Kirchberger. Dunst. Pinther. Eder. Klein. Prohaska. Puntigam. Feiersinger. Zadrazil. Makas. Enzinger. Billa. Burger.