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Der "Rucksack" wird immer schwerer: Die Bayern-Amateure in der Sinnkrise

kicker

So wie das aktuell läuft, stellt sich zwangsläufig die Sinnfrage. Zweifelsohne hat der FC Bayern in den vergangenen Jahren in puncto Nachwuchsförderung einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht. Von Josip Stanisic über Jamal Musiala, Angelo Stiller, Aleksandar Pavlovic bis hin zu Lennart Karl oder Wisdom Mike. Der Ertrag an hochkarätigen Talenten ließ zuletzt keineswegs zu wünschen übrig.

Was aber möchte der deutsche Rekordmeister mit seiner zweiten Mannschaft erreichen? Die besten Spieler jedes Jahrgangs werden konsequenterweise ausgeliehen, in dieser Saison etwa Arijon Ibrahimovic an Heidenheim oder Maurice Krattenmacher an Hertha BSC. So richtig und für alle Parteien sinnvoll das in jedem Einzelfall auch sein mag: Die Reserve leidet darunter. Was natürlich völlig unproblematisch ist, sofern man sich mit der Viertklassigkeit zufriedengibt. Dann stellt sich jedoch die Frage, warum im Sommer mit Abwehrspieler Benno Schmitz (30) und Angreifer Anton Heinz (27) noch zwei weitere Routiniers neben Abwehrchef Steve Breitkreuz (33) verpflichtet wurden?

Zwei "total unterschiedliche" Halbzeiten gegen Fürth II

Nach dem mageren 1:1 am Dienstagabend im Nachholspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth II rangieren die Bayern-Amateure auf Platz 10, im Niemandsland der Tabelle. Drei Auftaktsiegen folgten lediglich neun Punkte aus den zehn Spielen danach.

Von "einer Ergebniskrise" spricht mittlerweile selbst Trainer Holger Seitz. Als Erklärung führt er vor allem die angespannte Personallage sowie einen gewissen Substanzverlust nach etlichen englischen Wochen an. Dazu gesellt sich nach den zahlreichen Negativerlebnissen der letzten Wochen inzwischen auch "ein Rucksack", wie Seitz bekennt.

Insbesondere nach dem Seitenwechsel habe es seinem Team im Gegensatz zu den Gästen "an Leichtigkeit und Frische" gemangelt. So konnte Joshua Okpalaike den Münchner Führungstreffer durch Robert Deziel (25.) ebenfalls im Anschluss an einen Eckstoß egalisieren (86.).

"Verdient", wie auch Seitz einräumte, seine Elf habe es im guten ersten Abschnitt verpasst, "das Spiel zu entscheiden". Im zweiten Durchgang habe seine Mannschaft "immer mehr Probleme bekommen", sodass "der Gegentreffer in der Luft lag". Nach "zwei total unterschiedlichen Halbzeiten" bilanzierte er somit "ein gerechtes Unentschieden".

Selbst Optimist Seitz ist unzufrieden

Auch insgesamt sei "klar, dass wir nicht zufrieden sind", so der 51-jährige Bayern-Coach, zu oft sei seine Mannschaft im bisherigen Saisonverlauf nicht in der Lage gewesen, "nach einer Führung den Sack zuzumachen", zudem mache sie schlichtweg "zu viele Fehler". Was wiederum damit zusammenhängt, dass mit Schmitz, Breitkreuz und dem Österreicher David Heindl (21) die gesamte Defensivachse mit Erfahrung derzeit verletzungsbedingt nicht zur Verfügung steht und es dadurch laut Seitz "an Stabilität fehlt".

Und doch müssen sich auch die Verantwortlichen in der aktuellen Situation die Frage stellen, ob denn überhaupt Spieler über 20 für die kleinen Bayern Sinn ergeben. Denn im Tabellenmittelfeld der bayerischen Regionalliga sollte sich der FC Bayern seinem eigenen Anspruch gemäß auch mit der U 19 aufhalten können, ohne in Abstiegsgefahr zu geraten. Enttäuschend ist das bisherige Abschneiden in dieser Spielzeit vor allem deshalb, da sowohl die Sommertransfers als auch der gelungene Start auf eine bessere Saison hoffen ließen als zuletzt.

„Wenn wir aus dieser Situation herauskommen - und das werden wir - dann haben die Spieler extrem wertvolle Erfahrungen für ihre weitere Karriere gesammelt.“ (Holger Seitz)

Von Meisterschaft oder Wiederaufstieg in die 3. Liga war zwar tatsächlich nie die Rede, eine bessere Rolle als in der Vorsaison, als man am Ende 13 Zähler hinter Meister Schweinfurt einlief, wollte der FCB-Nachwuchs aber allemal spielen. Derzeit allerdings ist Seitz, unter dem 2019 der Aufstieg in die 3. Liga gelungen war, gezwungen, die Grundtugenden einzufordern.

Kampfspiel in Eichstätt

Ein Gesamtpaket an Problemen führe dazu, "dass die Mannschaft nicht stabil ist", am Sonntag in Eichstätt gehe es vor allem "um Bereitschaft" und darum, "sich in das Spiel, das wahrscheinlich wieder ein Kampfspiel wird, rein zu fighten".

Was Erfahrung wert ist, zeigt sich derzeit beim FC Bayern II insbesondere am Trainer. Seitz verfällt weder in Panik noch in Aktionismus, sondern er strahlt Zuversicht aus: "Es ist ein harter Kampf und sicher nicht schön für alle Beteiligten. Aber wenn wir aus dieser Situation herauskommen - und das werden wir - dann haben die Spieler extrem wertvolle Erfahrungen für ihre weitere Karriere gesammelt."

Immerhin bleibt die zweite Mannschaft des Rekordmeisters dafür nach wie vor absolut sinnvoll. Gleichzeitig wird es allmählich Zeit, dass die kleinen Bayern endlich "aus dieser Situation herauskommen".