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Die etwas lautere Halbzeitansprache beim FC Bayern

kicker

Eine erste Schlagzeile für den Auftritt des FC Bayern in Köln (4:1) hatte Max Eberl am Mittwochabend schon gegen kurz nach 21 Uhr im Kopf. "Harry Kane in der Krise", schrieb der Sportvorstand in sein imaginäres Notizheftchen, weil dieser Harry Kane völlig untypisch zweimal nur aufs Tor und nicht ins Tor geköpft hatte. Und "weil er gegen Gladbach auch schon nicht getroffen hat", wie Eberl ergänzte.

Warum es für den Bayern-Verantwortlichen nur zu einem Vorstandsposten gereicht hat und nicht zu einer Reporter-Karriere, untermauerte Kane etwa eine Viertelstunde später, als er sich im Rücken von Eric Martel davonschlich, den Ball vor Ron-Robert Zieler erwischte und aus der Drehung mit dem vermeintlich schwachen linken Fuß traf. "Eines meiner Lieblingstore", erklärte Kane hinterher bei ESPN. "Ein Mix aus gutem Abschluss, Technik, Instinkt."

Binnen drei Minuten hatten Kane und die Bayern sich von einer "chaotischen ersten halben Stunde" erholt und "vor der Halbzeit wieder die Kontrolle übernommen", wie Kane es formulierte. Nötig war die schnelle Reaktion allemal, bis dahin hatte der punktverlustfreie Tabellenführer gewaltig gewackelt - besonders und ausgerechnet nach Standardsituationen.

Aus einer Ecke von Jakub Kaminski war in der elften Minute die erste Topchance für Isak Johanesson entstanden, aus einer Ecke von Johanesson die zweite für Ragnar Ache. Und aus einer weiteren Hereingabe von Johanesson letztlich das 1:0 von Ache, den Dayot Upamecano nicht zu packen bekam. Den Münchnern, für gewöhnlich herausragend bei Standards, flog der eigene Trumpf um die Ohren.

Weshalb Co-Trainer Aaron Danks nach den ersten 45 Minuten deutlich wurde: "Er hat in der Halbzeit gesprochen", verriet Kane über seinen Landsmann, der beim FC Bayern für die Standardsituationen verantwortlich ist. "He kind of gave us a bit of an English talking to”, erzählte Kane grinsend, was frei übersetzt so viel heißt wie: Es wurde laut. Weil es "ein bisschen viel Durcheinander" im eigenen Strafraum gewesen war. "Wir waren nicht wirklich auf den richtigen Positionen, waren nicht klar mit den Anweisungen."

Herauskam das erste Ecken-Gegentor in dieser Saison und überhaupt erst der dritte Treffer, den die Münchner nach einer Standardsituation hinnehmen mussten. Beim Supercup in Stuttgart (2:1) hatte Jamie Leweling in der Nachspielzeit einen verlängerten Einwurf eingeköpft, beim 4:1-Erfolg in Sinsheim Vladimir Coufal einen von Joshua Kimmich abgefälschten Freistoß versenkt.

Die Bayern dürften es als Lehrstunde betrachten, besonders im Hinblick auf die nun anstehenden Aufgaben gegen Bayer Leverkusen und in Paris, wo kleinste Fehler ganz sicher sofort bestraft werden. Immerhin hat es auf der anderen Seite in Hälfte zwei auch wieder hervorragend funktioniert, als Kane eine Kimmich-Ecke - ähnlich wie beim 1:0 gegen Dortmund - aus wenigen Metern einköpfte.

Fürs Erste stehen nach 14 Pflichtspielen 14 Siege. Und Max Eberl muss sich auch keine Gedanken mehr über eine Kane-Krise machen.