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Die neue Erkenntnis der Bayern

kicker

Aus Paris berichtet Mario Krischel

Ein grandioser Spruch von Gary Lineker ist leider ein bisschen in Vergessenheit geraten, weil er lange nicht mit Leben gefüllt wurde. "Fußball ist ein einfaches Spiel", sagte der englische Ex-Fußballer 1990 nach dem Halbfinal-Aus Englands gegen Deutschland und fügte die sehr witzige und durchaus richtige Erklärung an: "22 Männer jagen 90 Minuten einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen."

Die Deutschen haben nun schon eine ganze Weile nichts mehr gewonnen (was bekanntlich die Schuld von Marc Cucurella ist), aber wenigstens ist ein deutsches Team gerade dabei, Linekers Spruch etwas neu zu definieren.

Ob es überdominante Auftritte wie gegen Leverkusen sind, zittrige Angelegenheiten wie gegen Dortmund oder eine letztlich leidenschaftliche Abwehrschlacht wie in Paris: Am Ende gewinnen gerade immer die Bayern.

Man darf und muss nach 16 Siegen aus 16 Spielen anmerken, dass es erst November ist und im November keine Titel vergeben werden. Das merken die Bayern übrigens selbst sehr oft an. "Ab morgen geht es wieder zurück auf null", sagt Vincent Kompany sogar. "Wir müssen das nächste Spiel vorbereiten."

Dabei ist der Trainer das Paradebeispiel der Weiterentwicklung dieses Vereins und dieser Mannschaft. Der anfangs noch hochprofessionelle und besonnene Belgier tritt zwar immer noch nicht als Vulkan auf, entfacht aber nicht nur in seiner Mannschaft, sondern auch an der Seitenlinie immer mehr Feuer. Weil seine Idee unverkennbar ankommt, alle miteinander immer sicherer werden und übrigens auch immer besser.

Wie Kompany nach dem Schlusspfiff aufs Spielfeld rannte und als Erstes seine Spieler umarmte, war instinktiv und emotional. Und trotzdem erinnerte er später auf der Pressekonferenz als Erstes an die sogenannte Bodenhaftung: "Ich sage den Spielern oft: 'Wenn der Hype kommt, glaubt ihn bitte nicht. So gut seid ihr nicht. Wenn das Drama kommt, glaubt nicht, dass ihr so schlecht seid. So schlecht seid ihr nicht.'"

„Es geht weiter. Wir wollen mehr.“ (Max Eberl)

Ein bisschen Hype darf man durchaus zulassen aktuell, auch wenn es erst November ist. Es ist ja trotzdem nicht verboten, jedes Spiel zu gewinnen und schon mal eine Ausgangssituation zu schaffen, von der man dann im berüchtigten März oder April (Max Eberl spricht da gerne von der "Crunchtime") profitiert. "16 Siege am Stück sind erstmal Ausdruck von Qualität", sagt der Sportvorstand und verweist nur allzu gerne auf die Erfolge gegen den amtierenden Klubweltmeister (Chelsea) und den amtierenden Champions-League-Sieger (Paris). "Und trotzdem werden wir nicht müde zu sagen: Es geht weiter. Wir wollen mehr."

Was unweigerlich die Frage aufwirft, wie viel mehr noch geht. Die Art und Weise, mit der die Bayern Paris am Dienstag dominiert, gestört und gestresst haben, kam der Perfektion schon sehr nah. Selbst die PSG-Profis wirkten während der ersten 45 Minuten überfordert und vor allem überrascht, weil sie es nicht gewohnt waren, derart erdrückt zu werden.

Abschnitt zwei war nach dem Platzverweis für Luis Diaz auf eine andere Art und Weise herausragend, weil Kompanys Mannschaft trotz all der spielerischen Extraklasse bewiesen hat, dass sie beißen und kämpfen kann. Und dass das nicht immer schön aussehen muss. "Fußball spielen können wir, laufen können wir, aber wenn wir mal verteidigen müssen ... Box verteidigen, verschieben, abgleichen, nach außen drängen ... Das können wir auch", sagt Eberl stolz. "Deswegen ist der Sieg heute nicht nur schön, sondern auch richtig viel wert."

Er bedeutet vorerst Platz eins in der Champions League, Platz eins in der Bundesliga, das Achtelfinale im DFB-Pokal. Und das alles im November, auch wenn es sich am Dienstag schon nach Halbfinale oder Finale angefühlt hat.