Aus Wolfsburgs Trainingslager in Lissabon berichtet Thomas Hiete
Große Überraschungen wird es wohl nicht geben, wenn der VfL Wolfsburg am Sonntag (17.30 Uhr, LIVE! bei kicker) beim FC Bayern München in die zweite Saisonhälfte startet. Trainer Daniel Bauer hat in den vergangenen Wochen seine Stammelf gefunden, viele Veränderungen hat er nicht vorgenommen. Und auch jetzt dürften mindestens acht (Grabara, Kumbedi, Koulierakis, Arnold, Eriksen, Majer, Wimmer, Pejcinovic) von elf Positionen für die wegweisenden Spiele in den nächsten Wochen vergeben sein. Drei Duelle aber gibt es. Der kicker beleuchtet sie.
Seelt hat das Trainingslager verpasst, Jenz zieht vorbei
Moritz Jenz oder Jenson Seelt: Trotz seines unglücklichen Auftritts vor der Pause gegen Freiburg (3:4) hat Trainer Bauer großen Gefallen an Jenson Seelt gefunden, der Niederländer hat sich unter dem neuen Coach rechts in der Innenverteidigung etabliert. Jedoch: Seelt verpasste das Trainingslager in Portugal krankheitsbedingt komplett, Moritz Jenz - nach überstandener Oberschenkelblessur - ist wieder im Vollbesitz seiner Kräfte und nun Profiteur des Ausfalls des Kollegen.
Jenz dürfte deswegen auch am Sonntag in München an der Seite von Konstantinos Koulierakis starten. Der 26-Jährige betont in Lissabon: "Ich würde gern immer spielen. Am Ende entscheidet der Trainer, was er für die jeweilige Taktik braucht." Klar ist: Gegen die Bayern-Offensive um Top-Torjäger Harry Kane kommt Schwerstarbeit auf die VfL-Abwehr zu.
Maehle fällt noch länger aus, Bauer überrascht mit Fischer
Aaron Zehnter oder Kilian Fischer: Die Rolle des Linksverteidigers war in den vergangenen Wochen an Neuzugang Aaron Zehnter vergeben, eine Alternative gab es schließlich auch nicht mehr. Der Brasilianer Rogerio kommt nach diversen Knie-Operationen nicht wirklich auf die Beine, Joakim Maehle zog sich eine schwere Schulterverletzung zu und musste zuletzt noch einmal einen Eingriff über sich ergehen lassen - bis zur Rückkehr des Dänen dauert es noch.
In Portugal tauchte nun überraschend Rechtsverteidiger Kilian Fischer hinten links auf. Zunächst im Training, dann auch im Test gegen Estrela Amadora (1:1), als er in der ersten Hälfte statt Zehnter in der vermeintlichen A-Elf auflief. Welcher Gedanke steckt dahinter? "Es war noch kein Hinweis in Richtung München", sagt Trainer Bauer. "Wir wollten ein, zwei Sachen testen, wir haben mit Aaron nur einen gelernten Linksverteidiger im Kader. Da gilt es, nach Alternativen zu schauen. Da hat sich das mit Kili angeboten." Mit Blick auf Gegenspieler Michael Olise könnte Fischer aber zu ernsthaften Alternativen werden - mit 34,78 km/h ist er der drittschnellste Spieler im VfL-Kader, wenngleich Zehnter mit 33,62/km/h nicht viel langsamer ist.
Svanberg nutzt seine Bewährungschance
Yannick Gerhardt oder Mattias Svanberg: Er gehörte zu den großen Gewinnern unter Bauer, "der Trainer", sagte Yannick Gerhardt im kicker-Interview, "hat mich aus der Versenkung geholt." Nun aber deutet sich im Training an, dass Mattias Svanberg auf der Doppelsechs an der Seite von Kapitän Maximilian Arnold die Nase vorn hat. Gegen Amadora begann der Schwede und traf traumhaft zum 1:1-Ausgleich. "Yannick", klärt Bauer auf, "war über die Pause hinweg länger angeschlagen, wir haben viele gute Spieler im Kader, Mattias hat es im Training gut gemacht."
Jetzt wollte der Coach den Schweden mal an der Arnold-Seite sehen und war einverstanden mit dem, was er sah. "Ich bin mit Mattias richtig zufrieden, er kam sehr frisch und positiv aus der Pause." Und könnte in München in der Startelf stehen. Das strebt der 27-Jährige an: "Die Konkurrenzsituation hilft uns allen. Ich will spielen und muss meine Chance nutzen."