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"Draufzahlgeschäft" und doch warmer Geldregen: Illertissen zwischen Highlight und Liga-Alltag

kicker

Für die bayerischen Schwaben war das Kräftemessen mit dem Tabellenletzten aus der 2. Bundesliga trotzdem das größte Spiel der bisherigen Vereinsgeschichte. "Es sei ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben" - hatte man sich zuvor noch in den sozialen Medien selbst Mut gemacht. Vor der Zweitrundenpartie im DFB-Pokal wurde ein Song mit dem Titel "Illertissen spielt international" abgespielt, der Stadionsprecher benötigte keinen Rechenschieber, um festzustellen, dass bis dahin noch fünf Siege notwendig seien.

Mehr als 4.000 Zuschauer, darunter sage und schreibe 1.800 Fans aus Magdeburg, sahen dann eine weitgehend einseitige Angelegenheit. Einer, der an der Iller ausgebildet wurde, war maßgeblich an der Pleite der Schwaben involviert. Alexander Nollenberger, er stammt aus der Nachwuchsschmiede des FVI, leitete das frühe 1:0 der Sachsen-Anhalter ein, war mit seiner Flanke an der Entstehung des zweiten Treffers beteiligt und traf nach einer Stunde Spielzeit selbst nur den Pfosten.

Man habe sich natürlich schon mehr erhofft, gab Holger Bachthaler nach dem Spiel zu. "Die waren wohl von unserem Erfolg gegen Nürnberg gewarnt", so Illertissens Trainer. Obwohl die Magdeburger spielerisch für ihn zu den Top 5 der 2. Liga gehören, ärgerte er sich über die Entstehung der einzelnen Tore. "Da ist schon ein Unterschied in der Dynamik und der Zweikampfführung." In so einem Spiel müsse dann schon alles passen, fügte Jochen Schmitt hinzu. Für den neuen FVI-Sportdirektor war es das erste große Event in seiner Aufgabe.

Magdeburger Lob für Illertissen

Magdeburgs Interimstrainerduo Petrik Sander und Pascal Ibold gab hingegen mit dem Aufrücken ins Pokal-Achtelfinale eine ernsthafte Bewerbung auf den Chefposten in Sachsen-Anhalt ab. Drei Spiele in Folge ohne Gegentor und somit natürlich ohne Niederlage sorgen für neuen Mut beim FCM. "Wir haben die Mannschaft so eingestellt, dass sie seriösen und erwachsenen Fußball zeigt", das habe sie gut gemacht. Sander lobte nicht nur seine Kicker, sondern auch die Verantwortlichen des FV Illertissen. "Was hier auf die Beine gestellt wurde, ist nicht selbstverständlich."

Der FVI wollte nicht ins nahe Ulmer Donaustadion ausweichen, sondern unbedingt im heimischen Vöhlinstadion bleiben. Das LED-Flutlicht dort wurde zwar erst in jüngster Zeit komplett erneuert, für den Pokalabend am Mittwoch war es dennoch nicht ausreichend. Folglich musste eine Lösung her, und die wurde auf der britischen Insel gefunden. Zusätzliche Lampen wurden aus England herangeschafft und sorgten an einem Kran hängend für die vom DFB geforderte Ausleuchtung des Platzes. "Das Spiel an sich ist ein Draufzahlgeschäft", erklärt Aufsichtsrat Karl-Heinz Bachthaler zu den ganzen Unkosten. Man müsse sich auch die Eintrittsgelder mit den Magdeburgern teilen.

Werbung für die Region

Immerhin bedeuten die Prämien aus den beiden DFB-Pokalspielen einen warmen Geldregen für den Tabellenfünften der Regionalliga Bayern. "Wir sind zufrieden" - trotz einer neu formierten Mannschaft sei man im oberen Drittel der Tabelle und in die zweite Pokalrunde gekommen. "Ingolstadt, Unterhaching, 1860 München, Nürnberg und nun Magdeburg - fünf Topspiele in fünf Monaten sind schließlich auch eine gute Werbung für die Region", zählt Bachthaler Senior auf und vergisst den Hinweis auf die hervorragende Arbeit seines Sohnes nicht.

Wenn die Zuschauer schon nicht in Scharen im Liga-Alltag des FVI strömen, ziehen die Pokalspiele im bayerischen Totopokal und im DFB-Pokal scheinbar doch. Vielleicht bewirkt auch die intensive Werbung des Stadionsprechers für die nächsten Heimspiele etwas. Bereits am kommenden Sonntag (14 Uhr) steht im Vöhlinstadion erneut ein Duell mit einem Tabellenletzten an. "Dann wieder eine gute Leistung bringen", so die Hoffnung von Coach Holger Bachthaler, wenn das niederbayrische Regionalliga-Schlusslicht SpVgg Hankofen-Hailing zur letzten Hausaufgabe der Vorrunde in Schwaben auftaucht.