Beim Gegner feiert der neue Trainer Uwe Rösler seine Premiere, und das macht für Hertha BSC und Stefan Leitl die Vorbereitung auf das Spiel beim VfL Bochum durchaus speziell. "Du kommst aus der Länderspielpause und hast nicht viele Anhaltspunkte", sagt der Berliner Trainer mit Blick auf mögliche personelle und taktische Neuorientierungen beim VfL. "Uwe wird versuchen, mit all seiner Erfahrung und Energie dort den Turnaround hinzubekommen." Mit Rösler spielte er in der Rückrunde der Saison 2001/02 gemeinsam für den Zweitligisten SpVgg Unterhaching, als Zweitliga-Trainer kreuzten sich ihre Wege bereits zu Röslers Düsseldorfer Zeit.
Herthas Trainer erwartet "viele Zweikämpfe" und "viel Emotion"
Worum es für die Berliner, die den dritten Sieg in Serie landen wollen, gehen wird, steht für Leitl fest: "Was erwartet dich 20.30 Uhr in Bochum? Viele Zweikämpfe, viel Emotion. Da müssen wir dagegenhalten, und dann sind die Taktik und die Grundordnung eher zweitrangig. Es ist ein sehr, sehr schweres Auswärtsspiel für uns. Wichtig ist, bei uns zu bleiben und zu punkten, am liebsten dreifach." Drei knifflige Fragen stellen sich Leitl im Vorfeld. Da ist die Frage...
... nach dem Linksverteidiger: Nach dem Ausfall von Stammkraft Deyovaisio Zeefuik hat der Coach in Linus Gechter und Michal Karbownik zwei Optionen. Gechter, gelernter Innenverteidiger, überzeugte zuletzt auf der rechten Abwehrseite und zeigte nach Zeefuiks Auswechslung gegen Preußen Münster (2:1), dass er es auch links hinten kann. Karbownik ist ein Allrounder. Er hat links hinten mehr Erfahrung als Gechter, in dieser Saison aber auch wegen einer Sprunggelenkverletzung noch keinen Rhythmus. Die Trainingseindrücke seien "bei beiden gut", erklärt Leitl. "Wir werden das gut überdenken, auch die Trainingseindrücke morgen einfließen lassen und uns dann entscheiden."
... nach dem Zehner: Der Isländer Jon Dagur Thorsteinsson hat zuletzt dort gespielt und seinen Job fleißig und mit großer taktischer Disziplin verrichtet. Sein offensiver Output war allerdings überschaubar. In den beiden WM-Qualifikationsspielen des jüngsten Länderspielfensters kam er kumuliert auf etwa 100 Einsatzminuten: knappe 70 am vergangenen Freitag beim 3:5-Spektakel gegen die Ukraine, etwa 30 als Joker beim 2:2-Achtungserfolg am Montag gegen Frankreich in seinem 50. Länderspiel für Island. Thorsteinssons Herausforderer ist Bayern-Leihgabe Maurice Krattenmacher, der sich seit der Systemumstellung auf ein 4-2-3-1 schwertut. Für die deutsche U20 stand er in den beiden jüngsten Länderspielen in Portugal (1:2, 0:1) jeweils 90 Minuten auf dem Platz. Er hat ein anderes Profil als Thorsteinsson, ist eher der kreative Freigeist mit Tempo und einem starken Eins-gegen-eins. Leitl hat die Qual der Wahl.
... nach den Einsatzzeiten für die prominenten Rückkehrer: Paul Seguin (noch ohne Pflichtspieleinsatz für Hertha) und Diego Demme (erst ein Saisonspiel) sind nach ihren Verletzungen wieder fit und erweitern Leitls Spielraum im zentralen Mittelfeld enorm. Beide gaben vor acht Tagen im Testspiel beim VfL Wolfsburg (2:0) ihr Comeback. Die Routiniers sind potenzielle Leistungsträger, brauchen aber nach ihren Absenzen noch Geduld. "Die Ausfallzeit war sehr lange, speziell bei Paul", sagt Leitl. "Wir kriegen gutes Feedback von den Jungs. Beide sind definitiv eine Option für den Kader in Bochum." Die Tendenz geht dahin, dass beide im Ruhrstadion zunächst auf der Bank sitzen. Klar ist aber auch: Seguin und Demme wollen über kurz oder lang in die Startelf.