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Drescher: "Wir haben ein funktionierendes System"

kicker

Aus Herthas Trainingslager in Kitzbühel berichtet Steffen Rohr

Es sind Wochen der Veränderung bei Hertha BSC. Mit Thomas E. Herrich ging im Mai der Geschäftsführer, mit Andreas "Zecke" Neuendorf im April der Direktor Akademie und Lizenzspielerbereich, mit Timon Pauls am Saisonende der Kaderplaner. Die Suche nach dem neuen Geschäftsführer, der künftig gemeinsam mit Ralf Huschen die Operative des Klubs lenken soll, dauert an. Aktuell hat der Ex-Hoffenheimer Dr. Peter Görlich die besten Karten. In der Akademie sind die Leitungs- und Koordinatorenposten ausgeschrieben worden und vakant. Auch das Thema Anleihe ist noch nicht final abgeräumt. Im Teamhotel in Kitzbühel sprachen Präsident Fabian Drescher und Geschäftsführer Huschen am Montagnachmittag über die brennendsten Themen.

Drescher über ...

... die Geschäftsführer-Suche: "Ich werde weiterhin keine Namen kommentieren - nicht jetzt, nicht heute. Wenn’s was zu vermelden gibt, was die Personalie weiterer Geschäftsführer angeht, werdet ihr es rechtzeitig erfahren."

... das gesuchte Profil: "Wir haben ein ganz klares Profil festgelegt gehabt, und das hat sich auch nicht geändert. Wir hatten vor dem Prozess ein Anforderungsprofil erstellt. Tom Herrich hat viele Bereiche abgedeckt, die jetzt ein Stück weit vakant sind und die nicht nur auf eine Schulter zu verteilen sind. Wenn wir jemanden gesucht hätten, der allein den Sport abdeckt, würden zu viele Anforderungsbereiche übrig bleiben, die Ralf allein gar nicht würde stemmen können."

... den Zeitkorridor der seit Monaten laufenden Suche: "Das passt. Wir haben gesagt, der Geschäftsführer muss zu Hertha BSC passen - genau wie Hertha zu ihm. Wir lassen uns nicht treiben, wir sind in unserem Korridor. Die ganze Saisonplanung läuft unabhängig von der Geschäftsführer-Suche. Ralf Huschen ist in einem sehr engen Austausch mit Benny Weber (Sportdirektor, d. Red.). Es ist nichts, was unsere Planungen jetzt beeinträchtigt."

... die Sportkompetenz, die der neue Geschäftsführer mitbringen soll: "Er soll schon ein erhebliches Maß an Sportkompetenz mitbringen, aber vor allem im strukturellen Bereich - dass wir die Möglichkeit haben, eine Struktur zu entwickeln, die nachhaltig und vorausschauend ist, so dass Hertha BSC mal auf Strecke planen kann und nicht nur auf Sicht. Das wäre unser Wunsch - Strukturen schaffen, die eine Zeitlang überdauern und nicht personenabhängig sind. Es ist relativ bekannt, welche Bereiche Tom Herrich verantwortet hat. Und da wär‘s schon gut, wenn derjenige, der kommt, neben dem sportlichen Überblick auch den Blick aufs Gesamte hat und genau diese Bereiche zum Teil mit abdeckt. Zum Teil wird es auch Bereiche geben, die dann vielleicht gemeinsam verantwortet werden von den Geschäftsführern. Letztlich haben die Geschäftsführer dann sowieso die Gesamtverantwortung über alles. Die einzelnen Aufgabenbereiche werden je nach Schwerpunkten und Stärken aufgeteilt oder gemeinsam verantwortet."

... den Zustand des Klubs: "Wir haben ein funktionierendes System. Wir haben ein gutes Team - sowohl auf der Geschäftsstelle als auch im Staff. Das funktioniert schon. Verbesserungsbedarf wird’s immer geben, aber nicht so, dass wir mit der Erwartungshaltung rangehen: Wir suchen einen Geschäftsführer, der soundsoviel Personen gleich mitbringt."

... Anteilseigner A-Cap, der als Hauptgläubiger von 777 Partners jetzt die Hertha-Anteile hält: "Wir stehen im Austausch mit A-Cap. Es gibt Kontaktaufnahmen zueinander. Aber was einen weiteren Verkauf der Anteile seitens von A-Cap angeht, ist der Stand unverändert. Der Austausch hat sich wieder ein bisschen intensiviert und ist jetzt etwa auf dem Niveau, wie wir es mit 777 Partners in der Mitte der Laufzeit hatten."

Huschen über ...

... seine Arbeitsbelastung als alleiniger Geschäftsführer: "Es ist schon stemmbar, aber ich wünsche mir schon einen Sparringspartner an meiner Seite. Teilweise Themen nur mit sich selbst auszumachen, ist schon ein bisschen schwieriger. Die Komplexität eines 100-Millionen-Euro-Unternehmens auf mehrere Schultern zu verteilen, ist angebracht."

... die vakanten Akademie-Stellen: "Wir sind aktuell im Selektionsprozess. Wir bewegen uns auf die Top-5-Kandidaten zu. Wir werden uns da nicht treiben lassen. Ich kann nicht abschätzen, wann ein neuer Geschäftsführer kommen wird - und wir können diese Stellen nicht ewig vakant halten. Das heißt, wir wollen im Prozess diese Personen finden, und die können wir unabhängig vom neuen Geschäftsführer finden. Wir sind relativ weit im Prozess, aber noch nicht final."

... die angestrebten Veränderungen in der Akademie: "Entscheidend ist, klare Verantwortungsstrukturen und klare Ansprechpartner zu haben. Das bilden wir im neuen Organigramm ab, in dem wir einen sportlichen Leiter haben, einen administrativen Leiter und darunter eine Koordinatoren-Ebene. Wir haben uns in der Liga angeschaut, wo’s am besten läuft. Und entsprechend haben wir die Strukturen gebaut."

... die Finanzierung eines neuen Stürmers: "Wir müssen das Sportliche und das Wirtschaftliche im Rahmen halten. Den Rahmen kennt Benny Weber, und in dem Rahmen muss er agieren. In den Details hat er gewisse Freiheiten, und den wirtschaftlichen Rahmen setzen wir. Und ja, wir müssen auch noch Spieler abgeben - das weiß er."

... Herthas finanzielle Lage: "Wir sind auf dem Weg der Gesundung. Das ganz große Tal hat der Verein 2023 durchschritten. Wir haben nach wie vor immer noch das Thema, dass wir in der Saison 2024/25 hohe Abschreibungen auf die Vergangenheit bilden mussten. Dadurch haben wir ein hohes negatives Eigenkapital. Wir haben in der Saison 24/25 zum ersten Mal wieder ein positives EBITDA gemacht und haben nach wie vor vor, in dieser Saison ein positives net income zu machen. Das hängt dann natürlich auch mit dem wirtschaftlichen und sportlichen Rahmen zusammen. Das muss beides in Einklang gebracht werden. Sportlicher Erfolg und wirtschaftlicher Erfolg schließen sich nicht aus. Wir sind auf dem Weg der Besserung. Wir wollen Gewinne machen. Wir können uns an unserem eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen - das muss das Ziel sein."

... die 40-Millionen-Euro-Anleihe: "Wir haben zwei Optionen, eigentlich sogar drei. Plan A ist, die Anleihe zurückzuführen. Dafür sind noch vier Monate Zeit. Wir haben einen Refinanzierungsplan dafür. Wenn nichts dazwischenkommt - Weltwirtschaftskrise, Zollstreit -, werden wir die Anleihe zurückführen. Es sei denn, es kommt etwas dazwischen. Dann hätten wir die Option der Verlängerung der Anleihe (die dritte Option wäre nach kicker-Informationen ein Mischmodell aus Rückzahlung und Verlängerung, d. Red.).“