Das Ende hat für ihn gepasst. "Es war sehr schön, dass ich nochmal vor den Fans spielen konnte, vor heimischer Kulisse", sagt Jeremy Dudziak. "Meine Frau war da, meine Mutter war da - am Muttertag war das etwas ganz Besonderes." Nach 89 Minuten durfte der 30-Jährige gegen seinen Ex-Klub Fürth beim 2:1-Heimsieg von Hertha BSC aufs Feld. Es war eine Geste des Respekts, die Trainer Stefan Leitl Dudziak erwies - als Schlussakt eines Karriere-Kapitels in der Hauptstadt, das für den spielintelligenten Allrounder mit Rückschlägen gespickt war.
In der Rückrunde wurde Dudziak nochmal zum Faktor
In seiner ersten Hertha-Saison 2023/24 bremsten ihn ein Mittelfußbruch und ein Allergieschock aus, im zweiten Berliner Jahr eine Gehirnerschütterung und eine im Dezember 2024 vorgenommene Operation am Hüftgelenk, der monatelange muskuläre Beschwerden im Adduktorenbereich vorausgegangen waren. Eine lange Reha folgte, vor einem Jahr war Dudziaks Perspektive als Profi-Fußballer ungewiss. Er hielt sich im Sommer 2025 als vertragsloser Spieler bei Hertha fit, unterschrieb Anfang Oktober für ein eher moderates Salär einen Einjahresvertrag - und fand tatsächlich zurück zu Rhythmus und Form.
Zehn Spiele in der 2. Liga, eins im DFB-Pokal, vier in der Regionalliga Nordost für die U 23 - "für mich", erklärt Dudziak, "war das Jahr sehr wichtig. In der Rückrunde habe ich viele Spiele gemacht. Der Trainer hat zu mir gesagt, dass er nicht damit gerechnet hätte, dass ich so fit und gut zurückkomme". Ballsicherheit, Spielverständnis, Cleverness: Der Mann, der einst bei Borussia Dortmund ausgebildet wurde und von der U 15 bis zur U 21 alle deutschen U-Nationalmannschaften durchlief, war im Frühjahr ein Gewinn und wurde nochmal zum Faktor.
Für Hertha wird das Thema Verfügbarkeit wichtiger
Für ein neues Arbeitspapier hat es trotzdem nicht gereicht, Hertha will den Kader verjüngen und künftig das Thema Verfügbarkeit höher gewichten. Anders als bei den vor dem Fürth-Spiel ebenfalls verabschiedeten Routiniers Diego Demme und Toni Leistner, deren Karriere-Fortsetzung noch offen ist, ist bei Dudziak sicher, dass er weiterspielen will und wird. "Wenn Jerry fit ist", sagte Leitl vor einem Jahr, "ist er einer der besten Mittelfeldspieler der Liga."
Interesse aus der 2. Liga soll es geben, wie schon im Winter gilt auch jetzt der FC Tokyo als potenzielle neue Destination. Wo es für ihn weitergeht, "wird man sehen", sagt Dudziak. Deutlich verbindlicher klingt er bei der Antwort auf die Frage, was er Hertha BSC - demnächst sein Ex-Klub - in der nächsten Saison zutraut: "Den Aufstieg."