Die Hinrunde ist beim BSC Young Boys nicht nach Wunsch verlaufen. Rang sechs und elf Punkte hinter dem Leader aus Thun sind für YB zu wenig. Giorgio Contini wurde nicht ohne Grund entlassen. Mit Gerardo Seoane an der Seitenlinie soll alles besser werden. Ein Aufwärtstrend hat sich in den ersten beiden Monaten vor der Rückrunde noch nicht eingestellt. Vor dem Rückrundenstart hat der neue Cheftrainer den Eindruck einer willigen Mannschaft, wie er an einer Pressekonferenz vor dem Rückrundenstart ausgeführt hat: "Ich nehme die Mannschaft sehr energievoll wahr - mit einer grossen Lust auf die Rückrunde." Rückblickend meint Seoane: "Die Hinrunde hat die Mannschaft im Stolz getroffen."
Diesen Eindruck bestätigen beim YB-Medientermin auch die Führungsspieler selbst: "Wir hatten eine sehr positive Vorbereitung und die Vorfreude ist riesig", so Torhüter Marvin Keller, der neu zum Spielerrat gehört. Trotz der schlechten Ausgangslage bleibt die Nummer eins im Tor der Berner ambitioniert, was die Saisonziele betrifft: "Ja, natürlich ist der Meistertitel das Ziel, aber es wäre falsch, nur davon zu sprechen. Das Wichtigste ist es, eine gewisse Konstanz hereinzubringen. Wir müssen mehr liefern und weniger reden."
Fokus auf der Defensive und dem Mentalen
Der Hauptfokus in der Vorbereitung lag laut Keller auf der Abwehrarbeit. Einige Dinge seien angepasst worden. Angesichts der vielen Gegentore in der Hinrunde waren Anpassungen in der Defensive aber auch bitter notwendig. YB stellt bislang nach Winterthur die zweitschlechteste Abwehr der Super League.
Diese Abwehr soll auch dank Gregory Wüthrich stabilisiert werden. Der Innenverteidiger ist in der Hinrunde lange verletzt ausgefallen und spricht davon, dass es für ihn persönlich wichtig gewesen sei, im Trainingslager intensiv arbeiten zu können. Seine persönlichen Ziele definiert der 31-Jährige wie folgt: "Ich möchte konstante Leistungen zeigen und der Abwehr Sicherheit bringen. Wir sollen weniger Gegentore kassieren und ich möchte als Leader vorangehen - nicht nur mit Worten, sondern auch mit den Leistungen auf dem Platz."
In der Hinrunde ist dem BSC die Resilienz phasenweise abhanden gekommen, daran haben die Berner im Winter ebenfalls angesetzt, wie Wüthrich erklärt: "Wir haben in den Trainings gesehen, was für eine Qualität wir als Mannschaft haben. Jetzt ist es auch darum gegangen, im mentalen Bereich viel aufzuarbeiten." Dabei geht es laut Wüthrich auch um Momente, in denen es nicht wunschgemäss läuft. Da habe sich YB in der Hinrunde teilweise gehen lassen.
Durch viele Gespräche auch nach den Trainings hat sich laut Wüthrich zudem die Mannschaftschemie verbessert: "Wir sind als Mannschaft näher zusammengerückt." Diesen Eindruck teilt auch Christian Fassnacht, der sich hinsichtlich des Rückrundenstarts optimistisch zeigt: "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir ein anderes Gesicht zeigen werden." Man habe das Verständnis geschärft, nicht permanent im Ballbesitz sein zu müssen, bilanziert Fassnacht, der in der Liga bei elf Toren und fünf Assists steht.
Die allgemeine Haltung in der Hinrunde kritisierte auch Cheftrainer Gerardo Seaone: "Wir haben in der Hinrunde einige Rückschläge nicht gut weggesteckt. Es ist wichtig, dass wir intern so gefestigt sind, damit wir auch während der Spiele einen Rückschlag schnell wegstecken können."
Eine andere Statik im Berner Spiel
Im Vergleich zu seiner ersten Amtszeit bei den Young Boys möchte Gerardo Seoane taktisch einen etwas anderen Fussball spielen lassen. Während er früher mit zwei Stürmern, die unterschiedliche Profile aufgewiesen haben, spielen liess, hat YB nun mit Sergio Cordova und Chris Bedia zwei ähnliche Stürmer im Kader. Dafür habe er auf der Zehnerposition einige interessante Spieler zur Verfügung. An der Pressekonferenz erklärt Seoane auch, dass einige Aufstellungen in der Hinrunde der Personalnot geschuldet waren. So werden gegen Lausanne, nicht wie in seinem ersten Amtsspiel, Christian Fassnacht und Dominik Pech auf der Doppelsechs auflaufen, führte Seoane schmunzelnd aus.
Dominanter Powerfussball sei gefordert, meint Christian Fassnacht, denn es liege an ihnen, mit Konstanz die Punkte zu sammeln, um auch die Konkurrenz zu Fehlern zu zwingen. Davon, dass die Testspiele mit 0:2 gegen Dinamo Bukarest und 0:3 gegen den Linzer ASK verloren gegangen sind, lässt sich bei den Bernern niemand aus dem Konzept bringen. Trotz der guten Vorbereitung mahnt Fassnacht aber, es sei nicht einfach, alles immer auf Knopfdruck umsetzen zu können. Seoane habe aber seine Philosophie ihnen eintrichtern können, meint Fassnacht. "Theorie und Praxis ist aber nochmals etwas anderes", schiebt er nach.
Für die weiterhin hochgesteckten Ziele - YB strebt den Meistertitel und die K.-o.-Runde der Europa League an - werden die ersten Spiele nach der Winterpause eminent wichtig. Zunächst geht es für die Gelb-Schwarzen gegen Lausanne, im ersten Aufeinandertreffen hat es gegen die Waadtländer eine 0:5-Klatsche abgesetzt, und dann geht es auswärts zum Leader - dem FC Thun. Direkt vor und nach dem Spiel gegen den Leader folgen die letzten Partien in der Ligaphase der Europa League auswärts bei Olympique Lyon und das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Die neue Berner Dynamik wird gleich schon auf eine intensive Probe gestellt.