Am Tag nach dem schwer erkämpften Heimsieg gegen den BFC Dynamo haben sich die Spieler des FC Rot-Weiß Erfurt bereits in den Urlaub verabschiedet. "Jetzt heißt es durchschnaufen und Wunden lecken in der Winterpause", sagte Trainer Fabian Gerber nach dem 1:0 (0:0) zum Abschluss des Jahres. Beim zehnten Saisonsieg fehlten 13 Akteure wegen einer Verletzung, Stürmer Romarjo Hajrulla saß nach seiner Roten Karte im Thüringen-Derby noch seine Sperre ab.
Auch Stanislav Fehler atmete tief durch. "Man hat gesehen, wie kaputt einige Jungs sind", sagte der 22-Jährige, der gegen die Berliner in der 52. Minute das Tor des Tages erzielte. Nach einem Freistoß von Ben-Luca Moritz hatte Fehler mit einer sehenswerten Aktion den Ball verlängert und zum 1:0 getroffen. "Ich war überrascht, wie frei ich plötzlich vor dem Tor stand. Das war ein super Ball von Ben", sagte Fehler, der seinen fünften Saisontreffer erzielte.
Zwar geht Erfurt mit einem Sieg und damit einem guten Gefühl in die Spielpause. Trotzdem ist Fehler mit der Ausbeute von 37 Punkten aus 19 Spielen nicht restlos zufrieden: "Die Bilanz fällt durchwachsen aus. Gegen die Top-Klubs aus Halle und Leipzig haben wir nicht das abgerufen, was wir können."
Zu viele Unentschieden
Es blieben vorerst zwar die beiden einzigen Niederlagen. Selbst Tabellenführer Lok Leipzig hat bislang einmal mehr als Erfurt verloren. Auf der anderen Seite jedoch stehen für Rot-Weiß sieben Unentschieden. So verspielte der Regionalligist gegen Chemnitz, Meuselwitz und Eilenburg jeweils eine Führung.
Trotz vieler vergebener Punkte hat die Mannschaft eine riesige Begeisterung entfacht. So richtete Geschäftsführer Franz Gerber nach dem Schlusspfiff gegen den BFC Dynamo nicht umsonst emotionale Worte an die Fans: "Wie ihr uns durch die Halbserie getragen habt, wie wir weiter gewachsen sind als Gemeinschaft, dafür herzlichen Dank." In den ersten zehn Heimspielen kamen im Schnitt 7989 Besucher ins Steigerwaldstadion. Das sind so viele Zuschauer wie seit der Saison 2004/05 nicht mehr, als Erfurt ein Jahr in der 2. Bundesliga spielte.
Rot-Weiß-Boss Gerber plant derweil in der Winterpause aus heutiger Sicht keine Neuverpflichtung: "Das ist im Moment nicht vorgesehen, weil wir hoffen, dass einige verletzte Spieler zurückkommen und zur Vorbereitung im Januar wieder dabei sein werden. Wenn alle Spieler zur Verfügung stehen würden, dann hätten wir eine Spitzenmannschaft der Regionalliga und würden um Platz 1 mitspielen."
Man wolle auch in Zukunft solide wirtschaften, weshalb der finanzielle Rahmen enge Grenzen setze: "Dass wir keine Verstärkung planen, ist ja auch dem Geldbeutel geschuldet. Wir dürfen kein Harakiri machen. Denn man will ja nicht wie in der Vergangenheit in eine Schieflage geraten", sagte Gerber.
Er plane ohne großen Umbruch im Juli 2026 die nächste Saison, auch wenn die Verträge von Stammkräften wie Kapitän Til Linus Schwarz, Ben-Luca Moritz, Marco Wolf oder Obed Chidindu Ugondu auslaufen. Gerber nennt ein klares Ziel: "Wir wollen alle Leistungsträger halten. Das neue Spieljahr wird interessant, denn der Spitzenreiter steigt direkt auf. Und da würden wir gerne ein Wörtchen mitreden."