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Ernst: "Es fühlt sich scheiße an"

kicker

"Unfassbar gute erste 30 Minuten" hatte Fabian Reese - und nicht nur er - gesehen: "Super-Pressing, schnell in Führung gegangen, verdient das 2:0 gemacht, dann mehrere Chancen fürs 3:0, um das Spiel zuzumachen. Gelingt uns nicht. Und dann laden wir mit einer individuellen Geschichte den Gegner ein." Und so ging es dahin mit der Herrlichkeit von Hertha BSC - mal wieder.

Das 2:2 gegen Darmstadt offenbarte am Sonntagnachmittag ziemlich genau jene Muster, die die Berliner Bemühungen um tabellarische Fortschritte seit Wochen torpedieren. Hertha zeigt phasenweise sehr guten, dominanten Fußball - und schießt sich dann verlässlich selbst ins Knie. "Zur Halbzeit", bilanzierte Keeper Tjark Ernst, "muss es eigentlich 3:0 oder 4:0 stehen, aber es steht 2:1." Und am Ende 2:2. Ernst brachte die Berliner Stimmungslage auf den Punkt: "Es fühlt sich auf jeden Fall scheiße an."

Leitl: "Wenn wir 3:0 führen, ist das Ding erledigt"

Hertha hatte mit und gegen den Ball knapp 40 Minuten die passenden Mittel - und Darmstadt am Haken. Doch nach den Toren von Reese (2.) und dem erfrischend stark aufspielenden Julian Eitschberger (15.) verpasste Michael Cuisance den vermutlich finalen Knockout für die Gäste: Nach Eitschbergers Balleroberung und der scharfen Hereingabe von Reese, die Darmstadts Torwart Marcel Schuhen nach vorn abwehrte, setzte der Franzose den Ball neben den Pfosten (29.). "Ich glaube, wenn Cuisance das 3:0 macht, kommen wir heute nicht mehr zurück", sagte Lilien-Coach Florian Kohfeldt und lag damit in der Bewertung auf einer Linie mit seinem Berliner Pendant Stefan Leitl, der ebenso nüchtern wie treffend konstatierte: "Wenn wir 3:0 führen, ist das Ding erledigt.“

Dinge - ergo: Spiele - zu erledigen, gelingt dem Hauptstadtklub allerdings schon länger nicht mehr. Das fünfte Unentschieden in Serie war der nächste schwere Dämpfer für die Aufstiegsambitionen der Berliner, in jedem dieser fünf Spiele hatten sie mindestens eine Hand zeitweise am Sieg. "Wir haben das Spiel nicht gekillt", sagte Sportdirektor Benjamin Weber, "das müssen wir uns ankreiden." Durch Pascal Klemens' plumpes Foul an Luca Marseiler am Strafraumeck und das folgenden Anschlusstor vom Punkt durch Fraser Hornby (39.) fanden die bis dahin harmlosen Gäste überhaupt erst den Eingang ins Spiel.

Ballverluste und Passivität: Das war Herthas zweites Gesicht

Nach der Pause entwickelte sich eine Partie mit komplett veränderten Vorzeichen. Hertha zeigte in den ersten 20 Minuten des zweiten Durchgangs sein zweites Gesicht, verlor den Faden und zu viele Bälle und war irritierend passiv. Darmstadts Spiel hatte jetzt deutlich mehr Wucht und Struktur. "Wir haben das Spiel aus der ersten Hälfte nicht in die zweite mitgenommen und uns durch unnötige Ballverluste das Leben selbst schwer gemacht", monierte Ernst. "Darmstadt wurde präsenter. Wir kamen nicht mehr richtig in die Zweikämpfe, und dann fiel der Ausgleich." Hornbys zweiter Treffer war die logische Folge der neuen Statik des Spiels (62.).

Die Rote Karte für Dawid Kownacki, der dem konternden Marseiler (70.) von hinten in die Beine getreten hatte, verdarb Hertha endgültig die Laune. "Für mich ist die Rote Karte auf dem Feld auf den ersten Blick kein Platzverweis gewesen", sagte Ernst. "Aber die zwei Punkte haben wir nicht aufgrund des Platzverweises liegengelassen, das haben wir uns selbst zuzuschreiben." 14 Spieltage bleiben noch, der Keeper klang bei aller Enttäuschung kämpferisch: "Es ist nach diesem Spiel nicht leichter geworden, aber es ist auch noch nichts verloren." Sie müssten halt mal wieder gewinnen, sehr dringend sogar.