Das Jahr ist fast zu Ende. Und auch die Teams der Oberliga Niedersachsen begeben sich nach und nach in die Winterpause. Während am Tabellenende Lupo Martini und Holthausen Biene scheinbar aussichtslos dem Abstieg entgegensehen, stehen gleich mehrere Teams aussichtsreich im Kampf um den Aufstieg in die Regionalliga da.
"Es ist sehr eng, das hätte ich so nicht gedacht", bemerkt Andy Steinmann, Trainer des TuS Bersenbrück. Sein Team galt vor der Saison bei einer ligainternen Umfrage als einer der großen Favoriten auf Platz 1 oder 2. Und tatsächlich sind die Bersenbrücker seit dem 21. September, als es eine 2:4-Niederlage bei Spelle-Venhaus setzte, seit neun Spielen ohne Niederlage und mittendrin im Aufstiegsrennen.
„Die Tabelle sieht jetzt so aus, wie wir uns das vorgestellt haben.“ (Thorsten Marunde-Wehmann)
Sechs Siege, drei Remis - eine erstaunliche Bilanz. Im Reporterjargon spricht man bei solchen Zahlen gerne von der "Mannschaft der Stunde". Wobei "Mannschaft der letzten Monate" passender wäre. "Die Tabelle sieht jetzt so aus, wie wir uns das vorgestellt haben. Das war unser Ziel, das wir von Anfang an hatten, dass wir oben mitspielen. Es war eine kleine Aufholjagd. Das haben wir geschafft." Wer das sagt, ist Thorsten Marunde-Wehmann, der Sportliche Leiter beim TuS Bersenbrück. Die "Aufholjagd", von der er spricht, ist tatsächlich bemerkenswert.
Alles hinterfragt
Denn Anfang der Saison sah es in der Kleinstadt an der Hase im Landkreis Osnabrück nicht danach aus, als würde der heimische TuS seinen Ansprüchen gerecht werden. "Da hätte es in beide Richtungen gehen können", erinnert sich Marunde-Wehmann nur allzu gut.
Nach dem 3. Spieltag stand der erklärte Aufstiegsfavorit mit nur einem Punkt auf Platz 13 der Tabelle. Im Verein und im Umfeld hatten einige Puls. Unruhe herrschte. Die regionale Presse geizte auch in Richtung Trainer Steinmann nicht mit Prügel. "Weil ich für die mittelfristige und langfristige Planung verantwortlich bin, musste ich in meiner Funktion alles hinterfragen - auch den Trainer", gesteht der Sportchef, der seit bald acht Jahren im Verein ist und auch schon selbst die Trainerfunktion innehatte. "Da hat der Verein eine Vorgabe. Es gab viele Gespräche sowohl mit dem Trainerteam als auch mit den Spielern. Denn es waren nicht nur die Ergebnisse, die nicht stimmten, sondern auch die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind. Das war sehr bedenklich. Das waren Auftritte, kampflos, wir haben einen orientierungslosen Eindruck hinterlassen. Da läuten dann bei Leuten im Verein immer die Alarmglocken."
Mit seinem Trainer steht Marunde-Wehmann im täglichen Austausch. "Andy ist im letzten Winter zu uns gekommen. Er hat das immer nach bestem Wissen gemacht, aber den Turnaround konnte er lange auch nicht reinbringen." Probleme zwischen Trainer und Team habe es nie gegeben. Nur "du kannst noch so viel Qualität im Kader haben, wenn nicht die hundertprozentige Bereitschaft da ist."
Dem Umbruch geschuldet?
Man habe sich gefragt, "wie kann das sein?" Steinmann verweist darauf, dass es zwölf Neuzugänge zu integrieren gegeben habe. Auch die Co-Trainer Marcel Abeling und David Buchholz seien neu gewesen. Die Umstellung habe Zeit gebraucht. "Das musste sich alles erst finden."
Offenbar hat es noch rechtzeitig Klick gemacht. "Und dann hat sich die Mannschaft selbst gesteigert. Sie hat den Kampf angenommen, ohne spielerisch zu glänzen und mit diesem Kampf und der individuellen Qualität die Spiele gezogen", beschreibt Marunde-Wehmann den Wendepunkt.
„Die Mannschaft hat an Kampfbereitschaft und Intensität deutlich zugelegt. Das war der Garant für die letzten Wochen.“ (Thorsten Marunde-Wehmann)
Die Mannschaft habe gemerkt, "wenn wir uns reinhängen, dann geht auch was." In der Psychologie spricht man von intrinsischer Motivation. Hinzu kam das nötige Spielglück. "Wir müssen auch demütig und ehrlich sein, wir hatten viele 50:50-Spiele, die wir alle hätten verlieren können. Deswegen müssen wir weiter dranbleiben. Letztendlich hat die Mannschaft an Kampfbereitschaft und Intensität deutlich zugelegt. Das war der Garant für die letzten Wochen."
Enger Titelkampf
Und so soll es nach Ansicht der Beteiligten weitergehen. Die Konkurrenz um die Aufstiegsplätze war lange nicht so groß wie dieses Jahr in der Oberliga Niedersachsen. Trainer Steinmann hat die anfängliche Kritik und die Krise hinter sich gelassen. "Ich glaube, es wird bis zum Ende um die fünf, sechs Mannschaften geben, die um den Aufstieg mitspielen können. Wir brauchen den Spirit, dass jeder das Tor verteidigen will, dass jeder mit seiner Rolle klarkommt. Im Moment habe ich ein sehr gutes Gefühl, dass wir oben dranbleiben und am Ende auch aufsteigen können."