Als nach gut 95 Minuten der Schlusspfiff im Dietmar-Hopp-Stadion ertönte, wurde dieser nur von Uwe Koschinats Jubelschrei übertönt. Nach dem hart erkämpften 4:2-Erfolg seiner Essener gegen die U 23 der TSG Hoffenheim überkamen den Coach die Emotionen. "Jeder, der nah an uns dran war, weiß: Das war eine unfassbar schwierige Woche", gab ein wesentlich gefassterer Koschinat im Interview bei MagentaSport Einblicke in seine Gefühlswelt.
Gefühlschaos trotz Turnaround
Nach zwei herben Rückschlägen mit Niederlagen gegen die Konkurrenz aus Osnabrück (0:3) und Rostock (2:3) war sein Team in der Englischen Woche zum Punkten verdammt, um im Aufstiegsrennen Schritt zu halten. Nicht nur mussten die Essener in dieser Saison erstmals zwei Pleiten in Folge hinnehmen, gerade das Rostock-Spiel erforderte eine "Aufarbeitung, die sehr, sehr intensiv war". Sportlich gelang am Dienstagabend gegen Waldhof Mannheim beim knappen 1:0-Erfolg der Turnaround. Doch das Erfolgsgefühl wurde von den Sorgen um RWE-Keeper Felix Wienand überschattet. Dieser erlitt durch einen Böller aus dem Gästeblock ein Knalltrauma, wodurch er nach Klub-Angaben vorerst "nicht spielfähig" ist. Für rund 40 Minuten war die Partie unterbrochen - auch ein Abbruch stand zwischenzeitlich im Raum.
"Das waren schon Strapazen, die wir diese Woche alle gemeinsam überbrücken mussten", blickte der Coach auf die turbulenten Tage zurück. Beim Jubeln in der Kurve waren die Gedanken im Lager von RWE auch schnell wieder beim Keeper. Die Mannschaft hielt das gelbe Torwarttrikot mit der Nummer 35 in Richtung der gut 800 mitgereisten Gäste-Anhänger aus dem Ruhrgebiet. Diese antworteten mit "Felix-Wienand"-Sprechchören.
Strapazen machten sich bemerkbar
Dass die Essener sich als vorübergehender Tabellendritter von der Kurve feiern lassen durften, hatte sich in den 90 Minuten zuvor allerdings nicht durchweg angebahnt. Die Nachwehen habe man "uns in der ersten Halbzeit schon angemerkt", sagte Koschinat. So musste Wienand-Vertreter und die etatmäßige Nummer drei Tino Casali bei seinem Startelf-Debüt gleich nach dem ersten Schuss auf sein Tor hinter sich greifen, unbeeindruckt davon machte er seine Sache im Anschluss - wie schon gegen Mannheim - jedoch ordentlich. Den Rückstand konnten die Essener quasi mit dem Halbzeitpfiff durch Marek Janssen noch glücklich egalisieren. Das Resümee des Trainers: "Es war nicht desaströs, aber auch nicht die Intensität, mit der du eine zweite Mannschaft bespielen musst."
Die vermisste Intensität wurde im zweiten Durchgang von der Bank nachgereicht. Lucas Brumme, der schon zur Pause für den blassen Marvin Obuz kam, sowie später auch Dickson Abiama und Torben Müsel belebten das Essener Offensivspiel sichtbar. Nach Janssens Doppelpack ließ sich RWE auch nicht vom zwischenzeitlichen Ausgleich per Elfmeter aus der Ruhe bringen und schlug selbst vom Punkt zurück. Auch der Coach habe "eine ganz andere Truppe gesehen, die unheimlich intensiv unterwegs war".
Sieg "tut natürlich unheimlich gut"
Selbst in einer turbulenten Szene in der Nachspielzeit im eigenen Strafraum vermieden die Essener mit vereinten Kräften das 3:3, das einem "unglaublich harten Schlag" (Koschinat) gleichgekommen wäre, um im Gegenzug durch Müsel den Deckel draufzumachen. Das Glück des Tüchtigen war an diesem Nachmittag auf Seiten der Westfalen. "Das tut natürlich unheimlich gut", war dem 54-Jährigen die Erleichterung von den Lippen zu lesen. So wurden die Turbulenzen überwunden und die "unfassbar schwierige Woche" mit sechs Punkten doch noch zu einem Happy End verwandelt.
Auch der Blick auf die kommenden Partien dürfte für Optimismus sorgen: Zunächst ist mit Erzgebirge Aue die schwächste Rückrundenmannschaft der 3. Liga im Stadion an der Hafenstraße zu Gast, ehe RWE bei Viktoria Köln eine weitere machbare Aufgabe vor der Brust hat.