Auch wenn der FC Gütersloh zum Abschluss des ungewöhnlich erfolgreichen Fußballjahres 2025 den erhofften Heimsieg verpasste, gab es für Trainer Julian Hesse (36) nach dem 0:0 im Verfolgerduell gegen den direkten Konkurrenten Rot-Weiß Oberhausen keinen Grund, Trübsal zu blasen. Im Gegenteil: "Wir können sehr stolz darauf sein, was wir in diesem Jahr geleistet haben", so Hesse.
Schließlich überwintern die Ostwestfalen bei vier Punkten Rückstand auf Ligaprimus Fortuna Köln in Schlagdistanz zur Spitze. Außerdem steht der FCG seit dem knappen Erfolg vor wenigen Tagen beim Oberliga-Tabellenführer SG Wattenscheid 09 (4:3 nach Elfmeterschießen) im Halbfinale des Westfalenpokals und darf damit weiter von der erneuten Qualifikation für den DFB-Pokal träumen.
Neben Gütersloh erreichten der benachbarte Drittligist SC Verl, der sich auch über die Meisterschaft für den "großen Lostopf" qualifizieren könnte, und der Oberligist Türkspor Dortmund ebenfalls die Runde der verbliebenen vier Teams. Den letzten Teilnehmer am Halbfinale, das erst im nächsten Jahr ausgelost wird, ermitteln der Westfalenligist SC Peckeloh und die Sportfreunde Lotte am 18. Februar, ab 19 Uhr. Sollte der FCG den Westfalenpokalsieg von 2023 wiederholen, wäre das Team zum dritten Mal innerhalb von nur vier Jahren im DFB-Pokal dabei.
„Es ist Wahnsinn, was die Mannschaft geleistet hat.“ (Vizekapitän David Winke)
In der Jahrestabelle der Regionalliga West belegt der ehemalige Zweitligist, der die Vorsaison dank einer überragenden Rückrunde als überraschender Vizemeister hinter dem MSV Duisburg abgeschlossen hatte, ohnehin mit großem Vorsprung vor Fortuna Köln, der U 23 des FC Schalke 04 und Rot-Weiß Oberhausen den ersten Platz.
Einschließlich der ersten Runde im DFB-Pokal (0:5 gegen den Bundesligisten 1. FC Union Berlin) gingen im gesamten Jahr 2025 lediglich fünf von 40 Pflichtspielen verloren. "Es ist Wahnsinn, was die Mannschaft geleistet hat", meinte auch Innenverteidiger und Vizekapitän David Winke (25), der seit dem langfristigen Ausfall von Mittelfeldspieler und "Leitwolf" Björn Rother (29/Achillessehnenriss) die Spielführerbinde trägt.
Dieses Lob war ausdrücklich auch auf die "Nullnummer" zum Abschluss gegen RWO gemünzt. "Es war ein echtes Topspiel. Beide Mannschaften haben alles reingeworfen und gezeigt, dass sie zu Recht so weit oben stehen", so Winke. "Ich denke, beide Vereine können mit dem Unentschieden gut leben."
Neun Spiele ungeschlagen
Diese Meinung vertrat auch sein Trainer. "Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung, die das Team zum Ende einer intensiven Englischen Woche abgerufen hat", betonte Hesse. Dabei erarbeitete sich seine Mannschaft ein Chancenplus und hatte vor allem in der ersten Halbzeit einige gute Möglichkeiten, um in Führung zu gehen. Kurz vor dem Abpfiff bot sich allerdings Oberhausens Luca Schlax (25) noch die große Chance zum "Lucky Punch" für die Gäste aus dem Ruhrgebiet. So aber blieben beide Titelaspiranten zum neunten Mal nacheinander ohne Niederlage.
Hesse gibt sich zwar beim Blick auf die Aufstiegsambitionen weiterhin betont zurückhaltend ("Wir gehören mit unseren Möglichkeiten ganz sicher nicht zu den Favoriten."), lässt aber durchblicken, dass der Klub im Gegensatz zum Vorjahr zumindest einen Zulassungsantrag für die 3. Liga beim DFB stellen wird, um gegebenenfalls die Voraussetzungen zu schaffen.
„Alles andere würde mich sehr überraschen.“ (Julian Hesse)
"Alles andere würde mich sehr überraschen", sagt der FCG-Trainer - und erläutert: "Vor einem Jahr waren wir nach der Hinrunde Neunter und 17 Punkte von Platz 1 entfernt. Damals konnte niemand ahnen, dass wir noch einmal in die Nähe der Spitze kommen könnten. In dieser Saison haben wir dagegen von Beginn an konstant gepunktet und uns im oberen Tabellendrittel etabliert." In der Tat war der FC Gütersloh in der laufenden Spielzeit noch nicht schlechter als auf Rang fünf platziert.
Wintertransfers: Ein Sechser und ein Flügelspieler
Damit das auch so bleibt, könnte sich im Winter auf dem Transfermarkt durchaus etwas tun. Auf Hesses Wunschliste stehen ein defensiver Mittelfeldspieler als Ersatz für Kapitän Björn Rother, der in dieser Saison nicht mehr zurückkommen wird, und ein offensiver Flügelspieler.
"Wenn ich etwas ergibt, das in unseren finanziellen Rahmen passt, würden wir gerne tätig werden", erklärt der Trainer, der für diese Woche noch einige Einheiten angesetzt hat, ehe sich das Team bis zum 3. Januar in den Weihnachtsurlaub verabschiedet. Während der kurzen Vorbereitung werden Testspiele gegen die Oberligisten 1. FC Gievenbeck (10. Januar) und ASC 09 Dortmund (13. Januar) sowie gegen den Nord-Regionalligisten SSV Jeddeloh (17. Januar) ausgetragen, ehe am 24. Januar mit dem Auswärtsspiel beim 1. FC Bocholt die Restrunde in der Regionalliga West beginnt.