Die Herausforderung könnte kleiner sein. Beim Debüt von Petrik Sander, der den 1. FC Magdeburg als Interimslösung im Gespann mit Pascal Ibold vorübergehend betreut, muss das Zweitliga-Schlusslicht in Darmstadt ran. Die Lilien rangieren in der Tabelle auf Rang drei, spielen oben mit und haben bislang kein Heimspiel verloren. Eine harte Nuss also für den FCM, der nach dem Aus von Markus Fiedler die Trendwende herbeiführen will. Sander lässt das allerdings kalt. "Zeigen Sie mir in der jetzigen Situation einen dankbareren Gegner. Ich wüsste keinen", sagte er im Interview mit Sky. "Es wird eine schwere Aufgabe werden. Wir sind aber optimistisch, dass wir das Ruder rumreißen können." Zugleich betonte der Routinier: "Wir alleine werden das nicht schaffen, nur mit Hand auflegen - keine Chance. Wir müssen da schon mehrere Leute mit ins Boot holen, an erster Stelle die Mannschaft."
Womit Sander ganz ähnliche Töne anschlägt wie Sport-Geschäftsführer Otmar Schork. Der hatte die Trennung von Fiedler am Sonntag vor allem mit verlorengegangenem Vertrauen innerhalb des Teams erklärt, zugleich aber versucht, die Reihen zu schließen. Mit Sander wird Ibold zu den Profis aufrücken, das Duo hatte in den vergangenen Monaten die zweite Mannschaft der Elbestädter in die Regionalliga Nordost geführt, wo sie aktuell den achten Rang belegt. Mit Silvio Bankert gehört ein bisheriger Co-Trainer weiter zum Staff. Der FCM setzt also erstmal auf eine gemeinschaftliche Lösung.
Sander will vielleicht auch deshalb "nicht alles auf den Kopf stellen, es war auch nicht alles schlecht", betont er. "Es gibt aber bestimmt Dinge, die wir eindeutig besser machen müssen. Das heißt im Umkehrschluss, besser verteidigen und mehrere Lösungen im Kopf haben, um Tore zu erzielen." An beiden elementaren Dingen hatte es zuletzt gehapert. Mit 19 Gegentreffern ist der Europapokalsieger von 1974 die Schießbude der Liga, viermal blieb der FCM zuletzt in der Liga ohne eigenen Treffer.
Vertrauen gewinnen, Selbstvertrauen geben
Wie aber diese Wende erzwingen? Von Phrasen wie "Stellschrauben drehen", will Sander gar nicht so viel wissen. Ihm geht es vor allem darum, das Vertrauen der Mannschaft zu gewinnen und ihr umgekehrt Selbstvertrauen zu geben. Ausreichend Erfahrung, um genau das zu schaffen, bringt der gebürtige Quedlinburger, der am 9. Mai 2010 als Trainer der TuS Koblenz beim 1:1 gegen den FSV Frankfurt sein bislang letztes Zweitliga-Spiel gecoacht hatte (er ging mit Koblenz in die 3. Liga, schaffte aber nicht mehr den Wiederaufstieg), in jedem Fall mit.
Energie Cottbus führte er einst als Nachfolger von Eduard Geyer nach eineinhalb Spielzeiten zurück in die Bundesliga und hielt die Lausitzer dort eine Saison, ehe er im Spätsommer 2007 gehen musste. Fast 20 Jahre später - in der Zeit war er unter anderem in Koblenz, Jena und Bautzen tätig, folgt nun die Aushilfe bei den FCM-Profis - aus der womöglich mehr werden könnte? "Wir können nicht in die Zukunft schauen. Es geht um eine Interimslösung, um eine Kurzfristigkeit. Da sind wir ein Stück weit in Verantwortung dem Verein gegenüber", bügelte er etwaige Gedanken über ein längerfristiges Engagement ab. "Was sich daraus entwickelt - keine Ahnung."