Im Halbkreis versammelten sich die Spieler des 1. FC Magdeburg nach dem Spiel bei Arminia Bielefeld nahe des Auswärtsblocks und traten in den Austausch mit einigen mitgereisten Anhängern, die über den Zaun nach unten geklettert waren. "Motivierende Worte" seien in dem direkten Gespräch gefallen, versicherte Torhüter Dominik Reimann auf Nachfrage am Sky-Mikrofon. "Wir wissen, dass wir in einer schwierigen Phase gerade sind."
Spätestens seit dem 0:2 auf der Bielefelder Alm befindet sich der FCM jetzt endgültig im Krisenmodus, schließlich stehen schon vier Niederlagen nach den ersten fünf Saisonspielen bereits zu Buche - ein mehr als dürftiger Start für Neu-Coach Markus Fiedler.
So verwunderte es nicht, dass sich der 39-Jährige nach der Niederlage mit entsprechend schlechter Laune präsentierte: "Wenn es scheiße läuft, dann läuft es scheiße, anders kann man es nicht zusammenfassen", startete Fiedler, der im Sommer vom VfB Stuttgart II an die Elbe kam und das Amt vom nach Hannover abgewanderten Christian Titz übernahm, seine Analyse.
Dabei hatte er von seiner Elf in der ersten Hälfte, "die wir fußballerisch dominiert haben und in der wir immer wieder unsere Qualitäten haben aufblitzen lassen", einen alles andere als schlechten Auftritt geboten bekommen. Einzig die letzte Durchschlagskraft fehlte den Gästen vor dem gegnerischen Tor. Doch eine mehrminütige Unterbrechung kurz nach dem Seitenwechsel brachte Magdeburg dann aus dem Konzept, die Arminia nutzte den folgenden Freistoß eiskalt zum Führungstreffer.
"Wir haben uns vor dem Spiel fest vorgenommen, dass wir aufmerksam sind, dass wir insbesondere bei den Standardsituationen und in Umschaltmomenten hellwach sein wollen." Dementsprechend könne es "natürlich nicht sein, dass einer dieser Momente nach der Pause" zum Rückstand führe, gab Fiedler sichtlich angefressen zu Protokoll.
Joel Grodowski bediente Mael Corboz per Flanke, der sich gegen mehrere Verteidiger durchsetzte und den Ball per Kopf über die Linie drückte. Wenig später trat der Vorlagengeber erneut in Erscheinung, nach einem tollen Solo vollendete er zum 2:0. "Ich glaube, das sind keine Situationen, die die Spieler nicht verteidigen können", auch weil sie es in der Vergangenheit schon "zuhauf" getan hätten, so Fiedler.
Dennoch passe es im Moment laut dem verärgerten Coach "in vielen Details" einfach nicht bei den Magdeburgern. "Dieses zweite Gegentor steht exemplarisch für die gesamte Entwicklung, für die gesamte Spielzeit" bislang, erklärte Fiedler und bemängelte, wie einfach Grodowski an mehreren FCM-Akteuren vorbei und dann zum Abschluss kam. "Am Ende ist natürlich diese Situation der Killer."
Arminia-Weg mit Kniat als Vorbild?
Weil seine Truppe sich davon nicht mehr erholte, stand unter dem Strich die dritte Pleite in Folge, was dazu führen könnte, dass Magdeburg als Tabellenschlusslicht in das kommende Duell mit Schalke geht, sofern die Konkurrenz im Tabellenkeller diesen Spieltag noch entsprechend punktet. "Dass es im Augenblick eine Scheiß-Situation ist, in der keiner von uns glücklich ist, ist offensichtlich".
Trotzdem sei es "ruhig" im Verein, "weil wir alle überzeugt sind von dem Weg und wissen, dass die Umwälzungen, inklusive dem neuen Trainer, einfach Zeit brauchen", so Fiedler - der als Beispiel für den Weg aus der Krise ausgerechnet die Arminia und deren Erfolgscoach Mitch Kniat sieht.
"Mein Kollege hier ist das beste Beispiel. Wenn man sich noch an seine erste Drittligasaison erinnert, da haben sich viele eine Entlassung gewünscht. Und heute ist jeder froh, dass er noch da ist, weil er einen herausragenden Job macht und mit der Zeit mit der Mannschaft an sportlicher Stabilität gewonnen hat", erklärte Fiedler. "Das kann auch unser Weg sein, das wissen wir alle" - auch wenn dieser natürlich nicht zwingend bis ins Pokalfinale führen muss.