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Finnentrops Shaqiri: 18 Monate Kampf für die Rückkehr ins Tor

kicker

Am 14. April 2024 schien zunächst alles wie immer: die letzten Aufwärmübungen vor dem Oberliga-Spiel gegen Eintracht Rheine. Torwart Armend Shaqiri von der SG Finnentrop-Bamenohl geht ins Eins-gegen-Eins, wirft sich in den Ball - doch sein Standbein bleibt im Rasen hängen. Das Knie verdreht sich, der Körper knickt ein. Ein Knacken. Sekunden später sitzt Shaqiri wie versteinert am Boden. Dass Finnentrop die Partie später 5:2 gewinnt, gerät zur Nebensache. Alle Blicke gelten dem Torhüter.

"Ich hatte noch nie so eine Verletzung. Zuerst dachte ich, ich kann gar nicht mehr laufen", erinnert sich Shaqiri. Sein Trainer Jonas Ermes eilt herbei, erkennt sofort den Ernst der Situation. Sein Vertreter Alex Taach geht kurzfristig ins Tor - für Shaqiri beginnt ein Weg, der sich über fast zwei Jahre ziehen wird.

„Du wachst morgens auf und wartest darauf, ob der Schmerz zurück ist. Diese Unklarheit ist das Härteste.“ (Jonas Ermes kämpfte in seiner Karriere ebenfalls mit Knorpelschäden)

Zunächst wirkte die Diagnose harmlos: ein angerissener Innenbandstrang, sechs bis acht Wochen Pause. Doch der 29-jährige Kosovare spürte schnell, dass etwas nicht stimmt. "Ich bin am nächsten Morgen aufgestanden und konnte kaum gehen", erzählt er. Es folgte ein Jahr geprägt von Unsicherheit: acht MRTs, Physiotherapie, Stoßwellenbehandlung, Eigenbluttherapie. Neue Ärzte, neue Meinungen - aber kein klarer Plan. "Es gab nie eine Prognose. Niemand sagte: In vier Wochen bist du wieder da", blickt Shaqiri zurück.

Coach Ermes kennt diese Zermürbung. In seiner eigenen Karriere, als Torwart beim VfL Bochum, kämpfte er über Jahre mit Knorpelschäden. "Du wachst morgens auf und wartest darauf, ob der Schmerz zurück ist. Diese Unklarheit ist das Härteste", sagt er.

Arthroskopie bringt Gewissheit

Erst eine Arthroskopie bei einer Bochumer Praxis brachte Gewissheit: Ein zuvor unerkannter Knorpelschaden war die Ursache. Weitere Untersuchungen in Bergisch Gladbach bestätigten zusätzliche Probleme - ein verkürzter Oberschenkelmuskel aufgrund der langen Pause, eine entzündete Patellasehne und ein leicht angeschlagenes, aber stabiles Kreuzband. "Der Arzt sagte: Ohne konsequenten Muskel- und Kraftaufbau geht gar nichts."

„Ich hatte oft Momente, in denen ich gesagt habe: Ich höre auf!“ (Armend Shaqiri)

Shaqiri begann erneut bei null. Reha, Krafttraining, Stabilitätsübungen - Monate ohne Spiele, ohne Applaus. "Ich hatte oft Momente, in denen ich gesagt habe: Ich höre auf", gibt er offen zu. "Ich hatte oft keinen Bock mehr. Zwei Tage konnte ich ein bisschen laufen oder Übungen machen, am dritten wurde es schlimmer - dann bin ich nach Hause gekommen und habe gesagt: Ich höre auf!"

Halt fand er bei seinem Team, seinem Trainer und besonders bei seiner Familie. Shaqiri ist verheiratet, Vater, kürzlich kam sein zweites Kind zur Welt. "Meine Frau hat mich immer aufgebaut. Wenn ich nach Hause kam und sagte 'Ich höre auf', hat sie gesagt: 'Es wird besser, du wirst wieder auf dem Platz stehen.'" Seit 2018 gehört er zur SG, gilt als Identifikationsfigur beim aktuellen Tabellen-14.. "Er hält die Kabine zusammen. Dieses Element hat extrem gefehlt", betont Ermes.

Comeback im Kreispokal

Der Weg zurück begann vorsichtig: Zunächst sammelte Shaqiri Minuten bei der zweiten Mannschaft und im Kreispokal. "Es war wieder schön, das Trikot anzuhaben und auf dem Platz zu stehen. Die Jungs auch wieder mal kennenzulernen, die Jungen, die gekommen sind." Seit rund drei Monaten absolviert er wieder das komplette Torwart- und Mannschaftstraining. Die Beschwerden spürt er noch - doch sie werden stetig geringer.

Für die Zeit seines Ausfalls musste der Klub reagieren. Zunächst sprang Alex Taach ein, der seinen Vertrag allerdings immer nur halbjährlich verlängerte. Anfang Oktober trennten sich die Wege, Taach fokussierte sich stärker auf die Icon League. Die SG stellte sich daraufhin neu auf: Christian Bölker, 37, ehemaliger Regionalliga-Keeper des 1. FC Kaan-Marienborn, wurde reaktiviert, zusätzlich kam Igmar Klose vom SV Attendorn. Bölker, der gehörlos ist, überzeugte trotz der kurzfristigen Rückkehr sofort. "Christian hat alle Spiele super gemacht", lobt Shaqiri.

„Wenn ich weiter trainiere, verschwinden die Schmerzen komplett.“ (Armend Shaqiri)

Auch die Unterstützung der Mannschaft half ihm in der schwierigen Phase: "Unsere Mannschaft ist wie eine Familie. Die Jungs haben immer gesagt: Du musst dran glauben." Das gab ihm Kraft und Motivation, weiterzumachen. Dass er sich momentan noch gedulden muss, bis er wieder in der Liga aufläuft, sei für ihn kein Problem. "Das Wichtigste ist, dass ich wieder auf dem Platz stehe. Wenn ich weiter trainiere, verschwinden die Schmerzen komplett."

Obwohl sich das Team im Abstiegskampf befindet, ist sein Blick optimistisch: "Ab der Wintervorbereitung will ich voll angreifen und noch einige Jahre in der Oberliga spielen." Ermes bestätigt: "Wenn er gesund bleibt und so weiterarbeitet, wird er wieder voll konkurrenzfähig sein."