Nein, wirklich überraschend kam der missglückte Start in die Rückrunde der Regionalliga West für den Wuppertaler SV nicht. Zum Jahresabschluss hatte der abstiegsbedrohte Traditionsklub dem Herbstmeister Fortuna Köln nichts entgegenzusetzen und wartet nach dem 0:3 im Südstadion seit sieben Spielen auf einen Sieg. Lediglich gegen die U 21 des VfL Bochum (2:2), beim ambitionierten FC Gütersloh (0:0) und beim Bonner SC (1:1) konnte der ehemalige Bundesligist in dieser schwierigen Phase Punkte für sich verbuchen.
Die Folge: Die Bergischen überwintern mit 17 Zählern aus 18 Partien auf Abstiegsplatz 15. Nur wenn am Saisonende kein West-Klub aus der 3. Liga absteigt, würde dieser Rang zum Klassenverbleib genügen. Darauf kann und will sich dem WSV aber niemand verlassen.
„Den Gegnern reichte zuletzt wenig, um gegen uns erfolgreich zu sein.“ (Sebastian Tyrala)
"Den Gegnern reichte zuletzt wenig, um gegen uns erfolgreich zu sein", beklagt Trainer Sebastian Tyrala die aktuelle sportliche Situation. "Wir haben in Eins-zu-Eins-Situationen nicht das Durchsetzungsvermögen, um gefährlich zu sein. Im Gegenzug werden wir häufig eiskalt für unsere Fehler bestraft."
Gegen den Ligaprimus hatte sich der Chefcoach erstmals für einen Wechsel auf der Torhüterposition entschieden, setzte Kapitän Michael Luyambula auf die Bank und verhalf Fotios Adamidis so zu seinem Regionalliga-Debüt. Der 1,96 Meter große Keeper wurde in der Nachwuchsabteilung des MSV Duisburg ausgebildet und "hatte sich aufgrund starker Trainingsleistungen diesen Einsatz verdient", betonte Tyrala. "Fotios war bei den Gegentoren machtlos, hat uns mit starken Paraden vor einem größeren Schaden bewahrt", so der Trainer, der den Konkurrenzkampf auf der Torhüterposition anheizen will.
Spruchbanner gegen die sportliche Führung
Für die WSV-Fans sind die Schuldigen für die sportliche Talfahrt schnell ausgemacht. "Manno-raus-Rufen" wurde nicht nur der Sportliche Leiter und Ex-Profi Gaetano Manno (43) im Kölner Südstadion lautstark angegangen. Auch die gesamte WSV-Führungsetage blieb nicht verschont. Auf einem großen Transparent machten die Fans ihre Verärgerung sichtbar und forderten: "Der Fisch stinkt vom Kopf an. Sportliche Führung überdenken".
„Alles muss jetzt auf den Prüfstand, jeder Stein wird umgedreht.“ (Gaetano Manno)
"Wir wollten 20 Punkte in der Hinrunde holen, haben durch das Aus beim Oberligisten FC Büderich den Einzug in das Halbfinale des Niederrheinpokals verschenkt und damit unsere Ziele definitiv nicht erreicht", räumt Gaetano Manno ehrlich ein. "Alles muss jetzt auf den Prüfstand, jeder Stein wird umgedreht", kündigte der gebürtige Hagener, der sich mit Haut und Haaren mit dem Klub identifiziert, eine schonungslose Analyse an.
Könnte diese auch Trainer Tyrala betreffen? "Es geht weder um mich noch um unseren Trainer. Wir müssen schauen, was das Beste für den Verein ist", so Manno, der dem Vorstand möglichst schnell ein schlüssiges Konzept vorlegen will.
Kein Geld für Wintertransfers
Klar ist: Auf dem Transfermarkt kann der WSV im Winter nicht mehr tätig werden. "Unser finanzielles Budget ist ausgereizt", setzt der Sportliche Leiter auf das vorhandene Personal. Spätestens im Trainingslager vom 12. bis 18. Januar im türkischen Lara will Gaetano Manno alle Spieler auf eine harte Restrunde einschwören. "Wir haben im neuen Jahr noch neun Heimspiele, müssen in unserem Wohnzimmer am Zoo die Punkte für den Klassenverbleib holen", fordert der Sport-Chef. "Während der Hinrunde haben wir mit nur einem Heimsieg jede Menge Kredit bei unseren Fans verspielt."
Hoffnung auf Besserung macht die Aussicht, dass sich das "Lazarett" bis zum Trainingsauftakt am 2. Januar lichten wird. Offensivspieler Dildar Atmaca (23/Muskelfaserriss), Mittelfeldspieler Alwin Weber (22/Meniskusriss), Mittelfeldspieler Semir Saric (28/Knieverletzung), Angreifer Vincent Schaub (26/Knieprobleme) und Innenverteidiger Aldin Dervisevic (23/Fleischwunde) werden beim ersten Aufgalopp zurückerwartet. Die beiden Mittelfeldspieler Dominic Duncan (27) und Jeff-Denis Fehr (31) haben ihre Sperren abgesessen, stehen zum wichtigen Restrundenauftakt gegen Tabellenschlusslicht SSVg Velbert 02 am Samstag, den 24. Januar, ebenfalls wieder zur Verfügung.
"Wir fokussieren uns komplett auf den Kampf um den Klassenverbleib, wollen uns zum Restrundenauftakt als Einheit präsentieren", verspricht Manno. "Umso mehr ist die Mannschaft gefordert, eine Reaktion zu zeigen und durch gute Leistungen das Vertrauen unserer Fans zurückzugewinnen."