In der ersten DFB-Pokal-Runde bei den Sportfreunden Lotte (2:0) hatte noch Freiburgs Stammkeeper Noah Atubolu das Tor gehütet, damit er vor dem Saisonstart in der Liga die nötige Sicherheit und Spielpraxis bekommt. Inzwischen hat der Sport-Club jedoch 19 Pflichtspiele hinter sich, und da soll Ersatztorhüter Florian Müller im Achtelfinale gegen den Zweitligisten SV Darmstadt (Mittwoch, 18 Uhr, LIVE! bei kicker) seinen zweiten Saisoneinsatz bekommen. Beim Zweitrunden-Sieg in Düsseldorf (3:1) hatte er den ersten.
"Wir haben die Absprache, auch mit den Jungs, dass wir immer wieder von Runde zu Runde schauen", erklärte Trainer Julian Schuster, "Flo hat es in Düsseldorf sehr gut gemacht. Er hat bewiesen, dass er eine zuverlässige Alternative ist, nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in den Phasen, als Atu mal ausgefallen ist, dass er eine hohe Verlässlichkeit ausstrahlt." Der SC-Coach sieht es auch als Belohnung dafür, "wie er sich verhält und wie gut er trainiert".
Schuster vor "harten Entscheidungen"
Die Belastungssteuerung dürfte im Fall von Atubolu nur eine untergeordnete Rolle spielen, und auch die Feldspieler, die am Sonntag beim 4:0-Sieg gegen Mainz auf dem Platz waren, würden wohl keine Pause beanspruchen. Die Werte hätten zwar gezeigt, dass sie mit der gleichen Intensität wie sonst gespielt haben, berichtete Schuster, aber die Partie in Überzahl habe sich für sie "vom Kopf und vom Körper anders angefühlt". Es seien alle "gut durchgekommen". Deswegen müsse er mit seinem Trainerteam "wieder harte Entscheidungen treffen". Allerdings werden die zuletzt muskulär angeschlagen fehlenden Jordy Makengo und Eren Dinkci auch für das Pokalspiel noch keine Rolle spielen.
"Wir haben uns erstmal gefreut, dass es ein Heimspiel ist, weil wir schon genug Reisen hatten", sagte Maximilian Eggestein über das Los. Da der 28-Jährige in allen Spielen zur Startelf gehörte und nur im Europapokal in Pilsen nach knapp 70 Minuten ausgewechselt wurde, dürfte er auch gegen Darmstadt wieder zur Anfangsformation gehören. Er freut sich auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Coach Florian Kohfeldt, will aber "unbedingt gegen ihn gewinnen", schließlich gebe es "im Pokal die Chance, mit relativ wenigen Spielen relativ weit zu kommen - das ist unser Ziel".
Schuster lobt Darmstadt - und Gegenüber Kohfeldt
Eggestein gehörte auch zu der Mannschaft, die das erste Pokalfinale in der Geschichte des Vereins 2022 gegen Leipzig gespielt und im Elfmeterschießen verloren hat. "Wir haben genügend Jungs im Kader, die dieses große Spiel in Berlin schon spielen durften", sagte Schuster, "aber es wäre vermessen, schon drei Runden weiterzudenken", und erst recht dürfe niemand "in irgendwelche Träumereien" verfallen.
Schließlich gehört Darmstadt als Fünfter zu den Topteams der 2. Bundesliga und ist seit fünf Pflichtspielen ungeschlagen. Schuster rechnet mit einem Gegner, der mit "viel Selbstvertrauen" kommt und verteilte Komplimente an Kohfeldt („die Handschrift ist durchaus erkennbar“) und seine Mannschaft. "Es sieht nicht nur schön aus, sondern ist auch erfolgreich", sagte er. „Sie haben klare Abläufe, es ist viel einstudiert, sie können sich dem Gegner anpassen und sind sehr flexibel." Auch die "Körperlichkeit" der Lilien hob er hervor: "Da sind wirklich ein paar Wolkenkratzer in der Mannschaft, also wirklich sehr große Jungs. Darüber sind sie natürlich auch bei Standardsituationen immer wieder gefährlich."
In der vergangenen Saison sind die Freiburger im Achtelfinale bei Drittligist Bielefeld ausgeschieden und im Jahr zuvor schon in der zweiten Runde zuhause gegen Zweitligist Paderborn. "Es ist unser Anspruch weiterzukommen, wir sind aber im gleichen Zuge auch gewarnt", betonte Schuster. "Wir freuen uns auf das Abendspiel, das ist immer ein Highlight."
Für das Pokal-Heimspiel gibt es allerdings noch Tickets, bisher sind rund 30.000 von knapp 35.000 möglichen verkauft. Dafür macht der SC-Coach verschiedene Faktoren verantwortlich: das ungemütliche Wetter, der vielen Spiele und andere Verpflichtungen in der Vorweihnachtszeit. "Aber ich glaube am Sonntag hat sich der eine oder andere auch bestätigt gefühlt, dass es richtig war, ins Stadion zu kommen", sagte er über den Ligasieg gegen Mainz und rührte nochmal die Werbetrommel.