Nahezu neun Jahre ist es her, dass Serge Gnabry in Serravalle im WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino ein fulminantes Debüt in der Nationalmannschaft gelang. Gleich drei Treffer steuerte der damals noch für Werder Bremen auflaufende Offensiv-Allrounder an jenem 11. November 2016 zum 8:0-Erfolg bei und schürte damit die Hoffnung, dass da ein vielversprechender Angreifer heranwächst.
Aus der damaligen Startelf zählt allein Joshua Kimmich zum aktuellen Kader. Und die Tatsache, dass der Kapitän bereits die 100-Länderspiel-Marke geknackt hat, während Gnabry auf lediglich 51 Einsätze kommt, belegt: Die großen Erwartungen konnte der inzwischen 30-jährige Gnabry im Nationaltrikot selten erfüllen, vielmehr blieb er bislang eher ein unerfülltes Versprechen.
Immer wieder ausgebremst
Immer wieder waren es Verletzungen, die ihn ausbremsten und hauptverantwortlich dafür waren, dass er auf lediglich zwei Turnierteilnahmen zurückblicken kann: Bei der EM 2021 blieb er bei seinen vier Einsätzen bis zum Achtelfinal-Aus gegen England torlos, es folgte ein Jahr später das WM-Desaster in Katar.
Wohl auch vor diesem Hintergrund blickt Gnabry besonders erwartungsfroh der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada entgegen. Auch deshalb, weil er gerade beim FC Bayern seinen x-ten Frühling erlebt - mit zwei Toren und einem Assist in den ersten beiden Ligaspielen gegen Leipzig (6:0) und Augsburg (3:2).
Vermutlich hat er damit die Berufung in den Länderspiel-Kader gerettet, nachdem er im Juni beim Final Four in der Nations League gegen Portugal (1:2) und Frankreich (0:2) zwei ganz schwache Joker-Einsätze abgeliefert hatte.
Gnabry fühlt sich gut und "die Ergebnisse stimmen auch"
"Natürlich helfen gute Aktionen wie Tore und Vorlagen, dass das Selbstbewusstsein wieder steigt. Es läuft gerade sehr gut", sagt Gnabry vor dem WM-Qualifikationsspiel am Donnerstag in Bratislava gegen die Slowakei: "Körperlich fühle ich mich gerade sehr gut, ohne Beschwerden. Das ist ein großer Faktor für die Performance. Ich komme gut in die Spiele rein, bin zufrieden mit meiner Leistung, und die Ergebnisse stimmen auch."
Das liegt einerseits an der körperlichen Verfassung des etatmäßigen Flügelstürmers, andererseits auch an der neuen Rolle, die Vincent Kompany nach dem Ausfall von Jamal Musiala für ihn als Zehner im 4-2-3-1 ausgesucht hat.
Wobei wirklich neu ist die Rolle für Gnabry nicht, wie er betont. "Im Zentrum habe ich in meiner Jugend oft gespielt, vor ein paar Jahren auch in der Nationalmannschaft, auch manchmal bei Bayern, wenn jemand ausgefallen ist", sagt er und schätzt die Vorzüge seiner neuen Rolle: "Es gibt mehr Freiraum, wenn du nicht an der Linie spielst, sondern im Zentrum und dich überall hinbewegen kannst."
Nagelsmann hält sich bedeckt
Aktuell sieht vieles danach aus, dass Gnabry auch unter Julian Nagelsmann in der Nationalmannschaft eine zentralere Rolle einnehmen darf - auch wenn der Angesprochene selbst das nicht bestätigen wollte. Der Bundestrainer habe noch nicht mit ihm über seine Positionierung gesprochen, erwidert Gnabry - und nein, auch im Training habe er nicht herausfinden können, wie Nagelsmann mit ihm plane.
Das muss man nicht glauben. Es entspricht aber der vom Bundestrainer ausgegebenen Doktrin, nichts von der eigenen Strategie nach außen zu tragen, um gegen den Auftaktgegner der WM-Qualifikation das Überraschungs-Moment auf der eigenen Seite zu haben.