Es dauerte nur ein paar Sätze, bis der Held des Tages vergleichsweise hart mit sich ins Gericht ging. "Seit ich meinen Vertrag hier unterzeichnet habe, war es mein Traum, ein Tor vor der Ostkurve zu schießen. Das war ein besonderes Gefühl", sagte Sebastian Grönning, dessen Doppelpack Hertha BSC gegen Preußen Münster (2:1) am Samstag den Weg zum ersten Heimsieg der Saison geebnet hatte. Dass Grönning wie etliche seiner Kollegen weitere Chancen ausgelassen hatte, nagte indes sicht- und hörbar an ihm. "Ich bin nicht hundertprozentig zufrieden", gestand der Däne. "Ich habe große Erwartungen an mich selbst. Ich kann natürlich nicht alle Chancen machen, aber ich muss drei oder vier Tore schießen."
Leistner: "Er hat sehr an seinem Körper gearbeitet"
Dass der Matchwinner nach der besten Teamleistung der Saison mit seiner eigenen Bilanz haderte, darf man als gutes Zeichen werten - für Hertha insgesamt und für Grönning im Speziellen. Mit dem 28-Jährigen, den Hertha schon im Januar wollte und im Sommer ablösefrei vom Drittligisten FC Ingolstadt holte, hat der Hauptstadtklub einen Fleiß-Arbeiter in seinen Kader gelotst. Der Stürmer speist Elemente ein, die Hertha gut tun: Wucht, Willen, Mentalität und Torinstinkt. "Er macht's im Training extrem gut", lobte Abwehrchef Toni Leistner. "Er hat sehr an seinem Körper gearbeitet und Extraschichten geschoben. Harte Arbeit zahlt sich im Fußball immer aus."
Die Umstellung von der 3. auf die 2. Liga war eine Herausforderung. Grönning erlebte seit dem ersten Tag der Vorbereitung eine andere "Qualität und Intensität", als er bis dahin kannte, aber er hat sich reingebissen. "Er hat ein bisschen gebraucht, sich an die neue Liga anzupassen, natürlich auch an die Art und Weise, wie wir spielen", sagte Trainer Stefan Leitl. "Aber er kommt immer besser rein." Grönning selbst hatte in Berlin "von Anfang an ein gutes Gefühl". Er versucht, "jeden Tag zu lernen, was das Trainerteam will" - und betonte nach dem Münster-Spiel: "Ich bin fit, ich habe kein Training verpasst. Ich habe das Gefühl, ich bin in meinem besten Fußball-Alter."
Reese: "Nächstes Mal macht er den Viererpack"
Für Hertha war Grönnings Performance sechs Tage nach der schweren Verletzung von Dawid Kownacki (Sprunggelenk), der erst in der Rückrunde wieder eingreifen kann, eine ausgesprochen gute Nachricht. "Wenn deine Neun Monate ausfällt und der Nächste kommt und zwei Tore macht, ist das natürlich überragend", erklärte Leitl. Für Grönning war im Sommer eigentlich die Herausforderer-Rolle vorgesehen. Jetzt ist er zumindest bis zum Winter Stürmer Nummer 1. Er steht bereits bei drei Saisontoren. Weitere, da sind sich alle im Verein sicher, werden folgen. "Für uns als Mannschaft", sagte Kapitän Fabian Reese, "ist es wichtig, einen zu haben, der trifft. Nächstes Mal macht er den Viererpack."