Bei Hertha BSC läuft es momentan alles andere als rund. Sportlich rangiert die Mannschaft in der 2. Liga nach vier Spieltagen und einer desolaten Leistung am vergangenen Freitag gegen die SV Elversberg (0:2) auf dem vorletzten Tabellenplatz. Und auch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Peter Görlich verlief nicht reibungslos. Kaum hatten die bei der Pressekonferenz anwesenden Protagonisten - Görlich, Herthas Finanz-Geschäftsführer Ralf Huschen sowie Klub-Präsident Fabian Drescher ihre Eingangs-Statements hinter sich gebracht, gaben die beleuchtete Werbewand hinter dem Podium sowie die Mikrofone auf selbigem den Geist auf.
Nach einer mehrminütigen Unterbrechung ging es dann weiter und ans Inhaltliche. An diesem Montag hat Görlich seinen Dienst bei Hertha angetreten, der 58 Jahre alte, ehemalige Geschäftsführer Sport, Innovation und Internationalisierung bei der TSG Hoffenheim ist laut Drescher die Wunschlösung der Berliner für den Posten gewesen, den Thomas E. Herrich mit seiner Demission im Mai frei gemacht hatte.
Der neue Mann, studierter Sportwissenschaftler und Master of Business Administration, hat seinerseits "eine Überzeugungentscheidung pro Hertha getroffen, will zunächst mal viel "zuhören", aber auch alsbald seine Spuren hinterlassen. Den Austausch mit der Mannschaft, Trainer Stefan Leitl sowie Sportdirektor Benjamin Weber hat Görlich schon gesucht. Und er hat natürlich auch registriert, dass Herthas Auftakt in die neue Saison "angenehmer sein könnte. Aber ich gehe total positiv hinein. Wir können die Ergebnisse nicht mehr ändern, wir können nur die Zukunft gestalten", sagt der 58-Jährige.
"Durchlässigkeit erhöhen"
Die wiederum soll nach den Vorstellungen des neuen Geschäftsführers möglichst erfolgreich ausfallen - ohne indes den Berliner Weg zu verlassen. Görlich will daran arbeiten, aus der Akademie "die Durchlässigkeit zu den Profis weiter zu erhöhen", und er will den Klub "so positionieren, dass wir über den Berliner Weg nicht nur lesen, sondern ihn auch erleben und fühlen im Stadion."
Erfolgreich soll der eingeschlagene Weg auch in der Ära Görlich sein. Der neue Geschäftsführer, der einen (internen oder externen) Technischen Direktor noch installieren will, nennt "ein klares Bekenntnis zum Spitzensport" einen Teil seiner Philosophie und sagt: "Spitzensport hat auch mit Spitzenleistung zu tun." Die Bundesliga hat Görlich, bei allem Bewusstsein, dass sich Hertha finanziell weiter konsolidieren muss, dabei klar im Blick. "Der Bundesliga-Aufstieg ist von mir ein Ziel", betont Görlich. Eine Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs sei "ein willkommener Beschleuniger" für die weitere finanzielle Gesundung.
Bislang hat sich Hertha in dieser Saison aber noch nicht als Aufstiegsfavorit gezeigt. Im Gegenteil. Den Glauben, das Ziel noch erreichen zu können, haben die führenden Köpfe bei Hertha aber noch. "Ganz ehrlich, mir ist so ein etwas holprigerer Saisonstart, um nicht zu sagen ein Scheiß-Saisonstart, im Zweifel lieber, als wenn wir auf der Zielgeraden straucheln würden", stellt Präsident Drescher klar. Natürlich, so der Klubchef weiter, "haben wir uns mehr erhofft als die bisherige Punkteausbeute". Aber man müsse nach vier Spieltagen "mal die Kirche im Dorf lassen". Ihm sei "nicht bange, dass wir mit allen zusammen, Trainer, der sportlichen Leitung und der Geschäftsführung, die richtigen Schlüsse ziehen, um unsere Saisonziele nicht aus den Augen zu verlieren".