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Hartberg ist seines Glückes Schmid

kicker

Der TSV Hartberg ist zweifelsfrei die größte Überraschung unter den Klubs in der Meistergruppe. Die Oststeirer haben in den ersten 22 Runden einmal mehr gezeigt, was in der Bundesliga mit beschränkten Möglichkeiten im Hinblick auf Budget und Infrastruktur möglich ist und beendeten den Grunddurchgang sensationell auf Rang sechs.

Wirklich zittern mussten die Oststeirer um die Meistergruppe - bis auf einen kurzen Hänger im Oktober - kaum. Nicht vergessen werden darf, dass Hartberg seine Heimspiele bis Runde 14 nicht im eigenen Stadion, sondern in der gut 100 Kilometer entfernten Südstadt austragen musste. Die Rückkehr in die eigenen vier Wände feierte Hartberg erst Ende November - mit einem 2:0-Erfolg über die SV Ried.

Schlüsselfigur: Manfred Schmid

Erst zum dritten Mal seit Einführung der Ligateilung hat es Hartberg in die Meistergruppe geschafft. Zu verdanken hat man das auch Trainer Manfred Schmid. Mit einem Punkteschnitt von 1,57 ist er der beste Hartberg-Coach seit Christian Ilzer (1,93 in der Saison 2017/18). Nach dem Erreichen des Cupfinals in der Vorsaison ist das Erreichen der Meistergruppe nun also der nächste Meilenstein.

Schmid ist ein Trainer, der für Kontinuität und eine klare Spielende steht. Mit seinem 5-3-2 lässt er außerdem ein System spielen, an dem sich auch die Großen die Zähne ausbeißen. Auch Leader RB Salzburg fand zuletzt 90 Minuten lang keine Lösung gegen die gut organisierte Defensive der Hartberger. "Du spielst gefühlt gegen 14, 15 Leute", meinte Salzburg-Keeper Alexander Schlager. Mit 24 Gegentoren stellt Hartberg die zweitbeste Defensive der Liga.

Entdeckung des Grunddurchgangs: Elias Havel

Dass Elias Havel großes Potential besitzt, ist nicht erst seit gestern klar. Dennoch konnte er die in ihn gesetzten Erwartungen lange nicht erfüllen. In der Vorsaison gelangen der LASK-Leihgabe nur drei Treffer, lange fehlte er wegen einer schweren Syndesmosebandverletzung. Vor allem im vergangenen Herbst explodierte der Stürmer förmlich. Mit zehn Treffern in der Bundesliga führt er die Torjägerliste an, zudem gelangen ihm drei Tore im ÖFB-Cup. Zurecht werden erste Stimmen laut, die eine Einberufung ins Nationalteam fordern. Zuletzt war der Hartberger Torjäger auf der Abrufliste. Es bleibt also spannend, ob ihn Teamchef Ralf Rangnick für die beiden Länderspiele Ende März ins rot-weiß-rote Aufgebot befördert.

Für Havel besitzt Hartberg eine Kaufoption. Die Summe soll im sechsstelligen Bereich liegen und damit auch für einen Klub wie Hartberg auf jeden Fall stemmbar sein. Es wäre schon eine große Überraschung, würde der Klub die Option am Ende nicht ziehen.

Underrated: Tom Ritzy Hülsmann

21 Gegentreffer in 20 Bundesliga-Spielen zeigen deutlich: Tom Ritzy Hülsmann ist nicht nur ein sicherer Rückhalt, sondern trug auch seinen Teil dazu bei, dass Hartberg in der Meistergruppe steht. Sieben Mal hielt der frühere Schüler von Manuel Neuer seinen Kasten sauber - das ist Liga-Bestwert.

Bis auf eine Rote Karte wegen einer Notbremse wusste Hülsmann mit starken Paraden zu glänzen. Der 2,05 Meter große Tormann wechselte im Sommer 2025 von Zweitligist SKN in die Oststeiermark, verpflichtet wurde er allerdings von der zweiten Mannschaft des FC Bayern. In Hartberg etablierte sich der Deutsche rasch als verlässliche Nummer eins und überzeugte mit starken Reflexen sowie großer Präsenz im Strafraum. Seine konstant guten Leistungen blieben auch andernorts nicht unbemerkt.

Transferbilanz

Hartberg gilt traditionell nicht als Transfer-"Hochburg", sondern vielmehr als Ausbildungsverein mit Fokus auf junge, österreichische Spieler. Dementsprechend landen immer wieder Spieler in Hartberg, die bei Top-Klubs kaum Aussicht auf Spielzeit haben. So kam zu Saisonbeginn leihweise Dominic Vincze von Rapid oder Maximilian Henning von Bayern II. Im Winter verstärkte sich der TSV leihweise mit Mainz-Legionär Konstantin Schopp. Besonders eingeschlagen hat überraschend der 32-jährige Lukas Spendlhofer. Dass der Innenverteidiger nach Stationen bei diversen No-Name-Klubs (Ascoli, Bnei Reina, Nieciecza) in Österreich wieder aufzeigt, war so nicht abzusehen. Mit einem kicker-Notenschnitt von 2,82 war er im Grunddurchgang der zweitbeste Bundesliga-Akteur.

Transfers wie jener von Abwehrchef Spendlhofer sind in Hartberg die absolute Ausnahme. Der Einsatz junger, heimischer Talente hat beim TSV oberste Priortiät, auch weil der Klub dadurch mit wichtigen Einnahmen aus dem Österreicher-Topf rechnen darf. Die aktuelle Abrechnungsperiode endete mit dem Grunddurchgang, womit erneut ein mittlerer sechsstelliger Betrag realistisch erscheint. Diese Einnahmen könnten etwa für das Ziehen der Kaufoption bei Havel genutzt werden.

Spruch des Grunddurchgangs

„Gemma ins Freibad und kicken dort ein bissl - da ist es wurscht, wenn wir verlieren.“ (Kapitän Jürgen Heil wütete bei "Sky" nach dem kuriosen 3:3-Remis gegen den LASK)

So erfreulich der Grunddurchgang für Hartberg auch verlief: In die eingangs beschriebene Durststrecke im Oktober fiel auch das völlig kuriose 3:3-Unentschieden auswärts beim LASK. Nach einem starken Auftritt - Hartberg führte bis Minute 89 (!) souverän mit 3:0 - gab man den Sieg noch aus der Hand und musste sich am Ende mit einem Punkt begnügen. Kapitän Jürgen Heil, der fünf Minuten vor Schluss ausgewechselt wurde, fand nach dem Spiel deutliche Worte und sprach von einem "Skandal".

Gesamtnote der kicker-Redaktion: 2,0