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Hjulmand hat "keine Erklärung" für Bayers Rückfall: Nur eine Frage der Basics?

kicker

Es geschah ohne Ankündigung. Ohne jedes Alarmsignal im Vorfeld. "Wir haben sehr gut trainiert", sagte Spielgestalter Alejandro Grimaldo nach der 1:4-Niederlage, die Bayer 04 nach einer vor allem vor der Pause indiskutablen Vorstellung gegen den VfB Stuttgart kassiert hatte, um dann aber anzufügen: "Wir haben ohne Leidenschaft gespielt." Ohne Leidenschaft in einer Partie gegen eine Mannschaft wie den VfB? Wie ist so etwas möglich?

Eine Frage, auf die selbst Kasper Hjulmand nach dem Spiel keinerlei passende Antwort fand. "Ich habe keine große Erklärung, was passiert ist", räumte der Trainer ein. "Unserer ersten 30 Minuten war zu schlecht", sagte der 53-Jährige, "wir sind natürlich enttäuscht." Im wahrsten Sinne des Wortes. Hatte der Däne doch noch am Tag vor dem Spiel mit ungewohnter Euphorie von seinem Team geschwärmt, das in der ersten Trainingswoche so gut aus der kurzen Weihnachtspause gekommen sei. Seine Mannschaft sei bereit für das nächste Topspiel, glaubte Hjulmand. Doch am Ende war es sie dann nicht ansatzweise.

„In den ersten fünf Minuten können wir schon drei Tore bekommen. Das ist ein Zeichen, dass wir nicht die Wettkampfschärfe hatten.“ (Simon Rolfes)

Das galt sowohl im spielerischen Bereich als auch in Sachen Zweikampfführung und konsequenter Abwehrarbeit. "In den ersten fünf Minuten können wir schon fast drei Tore bekommen. Das ist dann ein Zeichen, dass wir nicht bereit waren, dass wir nicht die Wettkampfschärfe hatten und die Tore dann danach an sich folgerichtig waren", analysierte Geschäftsführer Simon Rolfes ehrlich, "wir haben insgesamt, wenn man die Tore nimmt, nicht gut verteidigt, auch vor der Halbzeit Tor drei und vier viel zu einfach bekommen. Die erste Hälfte war einfach schwach."

Schon vor dem 0:1, bei dem Stuttgarts sich oft zurückfallen lassender Mittelstürmer Deniz Undav unbedrängt Torschütze Jamie Leweling einsetzen konnte, hätte es im Leverkusener Kasten klingeln können oder bei Vagnomans hundertprozentiger Kopfballchance in der 2. Minute sogar müssen. Doch die Warnschüsse zeigten keine Wirkung. "Wir haben noch mehr Zeit bekommen aufzuwachen", stellte Robert Andrich fest, "haben wir nicht geschafft."

Hoeneß' Kniff provozierte Bayers Probleme in der Spieleröffnung

So durfte sich der VfB an dem Spiel gegen einen nur teilaktiven Gegner erfreuen. Abwehrchef Andrich, der sich entweder von Undav ins Mittelfeld locken ließ oder in letzter Linie zu spät kam, stellte treffend fest: "Es gab viele Duelle, die wir nicht angenommen, die wir verweigert haben." Der Kapitän, der sich selbstkritisch zeigte, betonte: "Wir haben heute in puncto Zweikampfverhalten, in puncto Aggressivität einfach das Spiel über 90 Minuten verloren. Die erste Halbzeit setzt dem Ganzen mit unfassbar einfachen Gegentoren die Krone auf - und die haben mit der ganzen Mannschaft zu tun."

Diese erwischte laut Simon Rolfes "durch die Bank" einen rabenschwarzen Tag. "Wir haben zu träge, nicht intensiv genug verteidigt. Du musst schärfer anlaufen", bemängelte der Geschäftsführer, der aber auch die spielerischen Probleme nicht verschwieg und urteilte, "dass wir es nicht clever aufgebaut haben." Vor der Pause spielte Bayer bei der Eröffnung gegen das hohe Stuttgarter Pressing immer wieder in die vom VfB gewünschten Zonen, um dort den Ball frühzeitig zu verlieren. Was auch daran lag, dass die für eine gelungenes Aufbauspiel nötige Struktur fehlte.

Stuttgarts Matchplan überraschte nicht - trotzdem fehlten die Antworten

Bayers Offensivkräfte setzten kaum zu Tiefenläufen an, für den ersten Pass fehlten oft die Anspielstationen, so dass die beiden Sechser, Ezequiel Fernandez und Aleix Garcia, dem Leverkusener Spiel keinen Rhythmus geben konnten. Wobei Letzterer ständig von einem Stuttgarter eng bewachte wurde und so nicht als Spielgestalter aus der Tiefe wirken konnte. Ein taktischer Kniff, auf den Bayer keine Antwort fand.

Dies war aber auch das einzige ansatzweise überraschende Moment im Stuttgarter Matchplan. Durfte Bayer den VfB doch genau so erwarten, wie dieser auftrat. Weshalb sich die Frage stellt, warum das Hjulmand-Team keine Lösungen in der Spieleröffnung fand. Auch hier fehlte Grundlegendes. "Insgesamt musst du mehr Aktivität zeigen, du musst mehr intensive Läufe haben, schnellere Bewegungen haben, um deinen Mitspielern Optionen zu geben und mehr Angebote zu machen", monierte Rolfes.

„Bevor es um Strukturen und taktische Dinge geht, geht es auch darum Zweikämpfe zu führen. Da war Stuttgart viel besser.“ (Kasper Hjulmand)

Nachdem schon der FC Augsburg Anfang Dezember bei Bayers 0:2-Niederlage mit einem ähnlichen aggressiven Ansatz und schnellem Spiel in die Tiefe erfolgreich war, muss die Werkself am Dienstag beim HSV und vor allem am Samstag bei der TSG Hoffenheim zeigen, dass das Stuttgarter und Augsburger Muster nicht als Blaupause für die künftigen Gegner taugt.

Hjulmand fokussierte seine Analyse nach dem 1:4 allerdings auf das Zweikampfverhalten. Auch wenn Bayer wie gesagt schon in der Spieleröffnung gewaltige Probleme offenbarte. "Wir müssen natürlich unser Struktur analysieren, aber bevor es um Strukturen und taktische Dinge geht, geht es auch darum Zweikämpfe zu führen. Wenn wir so viel Eins-gegen-Eins-Situation über den ganzen Platz haben, ist das natürlich wichtig. Und da war Stuttgart viel besser."

Restverteidigung und defensives Umschaltspiele sind wieder das Thema

So ist nicht nur das Thema Restverteidigung und defensives Umschaltspiel, das Hjulmand seit seiner Ankunft in Leverkusen beharrlich und erfolgreich bearbeitet hat, auf Wiedervorlage gekommen. "Es ist sehr, sehr wichtig, nach Ballverlust sehr schnell zu reagieren und die Zweikämpfe zu gewinnen. Das haben wir nicht gut gemacht", analysierte der Trainer.

Dieser möchte in erster Linie keine Diskussion bezüglich gegen den VfB fehlender Spieler wie den Afrika-Cup-Teilnehmern Edmond Tapsoba, Ibrahim Maza, Christian Kofane und Eliesse Ben Seghir oder muskulär angeschlagener Akteure wie Torjäger Patrik Schick und Verteidiger-Talent Axel Tape führen. Vielmehr sieht er Aspekte, die abseits der individuellen Klasse beheimatet sind, im Vordergrund. Dinge, die man auch in kürzester Zeit beheben kann. Die allerdings am Samstag nicht Bayers einziges Problem darstellten.