Auf jeden Fall hätte der Coach eine solche Prognose dankend unterschrieben, hatte sein Team im September doch gerade mal acht Punkte auf dem Konto und stand auf Tabellenplatz 17 - immerhin zwei Punkte vor dem FC St. Pauli II. Beide Teams hatten je elf Tore erzielt.
Am Samstag trafen die beiden Lokalrivalen direkt aufeinander, und nach dem souveränen 4:1-Erfolg hat der HSV mittlerweile 17 Punkte und zwölf Tabellenplätze Vorsprung auf die Braun-Weißen, die sich allerdings mit haarsträubenden individuellen Fehlern früh selbst aus dem Spiel nahmen.
So durfte nach dem Schlusspfiff in gewohnter Form im Kreis lautstark gefeiert werden: "Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!" Es war der siebte Triumph im direkten Duell hintereinander, insgesamt wartet St. Pauli inzwischen seit 13 Partien bzw. seit Oktober 2018 auf einen Erfolg. Der Mann des Tages war Maurice Boakye, der durch seine drei Treffer - davon zwei per Elfmeter - inzwischen auf Rang 3 der Torschützenliste sprang.
Der 21-Jährige spielte schon in der Jugend beim HSV, ehe er sich auf eine spannende Rundreise begab: 2022 ging es zum Eimsbütteler TV, mit dem er direkt den Aufstieg in die Regionalliga schaffte. Dort wurde er früh entdeckt und unterschrieb einen Vertrag beim VfB Stuttgart. Verletzungen und Heimweh führten dazu, dass Boakye nur auf vier Drittliga-Einsätze mit 139 Minuten kam und bereits nach einem halben Jahr wieder in der Hansestadt auflief. Der HSV gab ihm noch einmal eine Chance.
Dort ist inzwischen Jasper Hölscher sein Assistenztrainer, mit dem er noch beim ETV zusammen gespielt hat. Und zu Loic Favé, dem Profi-Co-Trainer und Nachwuchschef, hat Boakye aus ETV-Jugendtagen eine besonders enge Verbindung. Fürsprecher hat die Sturmspitze also einige, und im Training und Testspielen war er auch im Bundesliga-Team dabei. Aber ob es noch einmal zu einem Profivertrag reicht?
Wachsende Kluft
Mit dem Aufschwung in der zweiten Hälfte der Hinrunde - der HSV holte in der Zeit genauso viele Punkte wie der aktuelle Spitzenreiter SV Meppen - haben sich weitere Leistungsträger in Profi-Nähe gespielt. Allerdings ist durch den Bundesliga-Aufstieg die Kluft nach oben im eigenen Verein sehr groß geworden, sodass sich ambitionierte Kandidaten wie Lukas Bornschein, Raif Adam oder Keeper Hannes Hermann wohl demnächst trotz der emotionalen Vereinsbindung woanders umschauen müssen. Dies gilt womöglich sogar für U-17-Weltmeister Bilal Yalcinkaya, der nach der Winterpause nach seinem Knöchelbruch wohl wieder durchstarten kann.
Aber der vorletzte Platz aus dem September ist längst vergessen und die Aussichten sind rosig, zumal aus der A-Jugend weitere Talente nachrücken können: Das Team blieb in der ersten Runde der Bundesliga ungeschlagen und qualifizierte sich mit elf Siegen für die Hauptrunde A.