Der offizielle Rückrundenauftakt am Samstagnachmittag brachte für den Aufsteiger das exakt gleiche Ergebnis wie die erste Bundesligapartie nach über sieben Jahren im vergangenen Sommer, und doch weisen beide Nullnummern einen deutlichen Unterschied auf: Im August war es für den seinerzeit noch nicht ganz neuformierten HSV am Niederrhein allein darum gegangen, irgendwie den Kopf über Wasser zu halten. Im Rückspiel demonstrierten sie, dass sie sich sportlich grundsätzlich freigeschwommen haben - der erste Durchgang war hinsichtlich der Kontrolle und Dominanz der vielleicht beste dieser Bundesliga-Spielzeit.
Downs einmal mit Pech und einmal ohne Überzeugung
"So dominant, druckvoll und gut", sagt Nicolai Remberg, "waren wir in dieser Saison nur gegen Wolfsburg." Mit diesem Quervergleich drückt der Mittelfeldmann, längst viel mehr als ein "Rambo", sondern mehr und mehr ein Statiker im Hamburger Spiel, gleichzeitig das große Dilemma aus. Denn: Wie in besagter Partie gegen Wolfsburg (0:1) blieben die Hanseaten auch gegen die Borussen trotz großer Spielanteile und noch größerer Chancen tor- und sieglos. Und die Vergangenheit lehrt: Wenn aus derartiger Überlegenheit keine Tore und Siege entspringen, geraten zwangsläufig die Ziele in Gefahr.
Merlin Polzin verriet auf der Pressekonferenz nach der Partie, dass er seine Mannschaft unmittelbar im Anschluss an das Geschehen in der Kabine an die Nullnummer aus dem Sommer erinnert habe. "Ich habe den Jungs gesagt, dass man, wenn wir die Leistung inhaltlich betrachten, deutlich gesehen hat, dass wir uns seit Saisonbeginn stetig entwickelt haben. Was Kontrolle, Griffigkeit und unser Spiel mit dem Ball anbelangt, war die erste Hälfte beeindruckend." Der Trainer weiß aber auch: "Es geht am Ende um das Ergebnis."
Das Ergebnis stimmte nicht, weil das Kardinalproblem des ersten Halbjahres noch nicht beseitigt ist. Neuling Damion Downs hatte nach seiner schwachen Premiere beim 1:2 in Freiburg (kicker-Note 5) gegen die Borussen vorzeigbare Situationen als Einfädler, bediente einmal Nicolas Capaldo vor dessen Großchance (19.), blieb aber bei aussichtsreichen Torszenen ohne Überzeugung: Als er nach einem Schuss von Ransford Königsdörffer den Abpraller nur einschieben brauchte, rutschte er aus (4.), und nach einer mustergültigen Flanke von Jean-Luc Dompé köpfte er freistehend aus Nahdistanz kläglich in die Arme von Borussen-Keeper Moritz Nicolas (58.).
Zwei Partien sind fraglos zu früh für ein klares Urteil, und doch weckt Downs noch nicht die Fantasie, dass er derjenige sein könnte, der die Stürmer-Not lindern kann. Für den dieses Mal rechts neben ihm aufgebotenen Königsdörffer gilt dies weiterhin ebenso. Der Aufstiegs-Held war in veränderter Rolle viel unterwegs, spielte aber zum wiederholten Mal ohne Klarheit und ist aktuell keine Waffe.
Was bleibt, ist die Harmlosigkeit im Angriff
Konkurrenzfähig, das belegte der erste Heimauftritt in 2026, ist der HSV gerade im Quervergleich zum ersten Duell mit Mönchengladbach längst: Er verteidigt stabil, ist in der Lage, sich im Mittelfeld auch dann eine spielerische Überlegenheit zu erarbeiten, wenn, wie am Samstag, Albert Sambi Lokonga (Schlag auf die Wade) fehlt - weil Fabio Vieira zumindest eine Stunde lang eindrucksvoll nachwies, dass er in zentraler Rolle ein absoluter Gewinn für diese Mannschaft ist. Was bleibt, ist die Harmlosigkeit im Angriff. Alle drei Mittelstürmer der Hinserie, Königsdörffer, Robert Glatzel und Yussuf Poulsen, erzielten jeweils ein Tor, Nachverpflichtung Downs noch keine große Durchschlagskraft.
"Wir müssen ein Tor machen aus der Überlegenheit", sagt Remberg. Sie haben es aber nicht gemacht. Das vermehrt die Anzeichen, dass diese erste Bundesliga-Saison nach sieben Jahren für den HSV zur ganz engen Zitterpartie wird - obwohl im Vergleich zum ersten Kräftemessen mit Mönchengladbach nur das Ergebnis identisch war.