Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Tagen tritt die TSG Hoffenheim am Millerntor an. Nach dem jüngsten und letztlich klaren 3:0-Erfolg in der Liga geht es nun im Pokal beim FC St. Pauli im K.-o.-Duell um alles oder nichts (Dienstag, 20.45 Uhr, LIVE! bei kicker). In diesem Wettbewerb hat Hoffenheim noch keine Bäume ausgerissen, das Viertelfinale war bislang das Höchste der Pokalgefühle, allerdings ist es auch schon zehn Jahre her, dass die TSG letztmalig die Runde der letzten Acht erreichte.
Ilzer gewann zweimal den Pokal in Österreich
Womöglich kann ja der in seiner Heimat auch in diesem Format sehr erfolgreiche Trainer Christian Ilzer mehr herauskitzeln aus seiner neuformierten Mannschaft. Zumindest geht der 48-Jährige den Wettbewerb mit einem anderen Selbstverständnis an. "Du musst das einfach als Chance sehen, einen Titel zu holen", erklärt der Österreicher, der mit Sturm Graz 2023 und 2024 Pokalsieger in seiner Heimat wurde, "der Weg sind sechs Stufen, das wirkt auf den ersten Blick als Möglichkeit, die durchaus greifbar ist, und trotzdem ist es ein extrem langer Weg, wir sind jetzt erst auf der zweiten Stufe."
Das Fernziel aber sollte fest im Hinterkopf verankert sein. "Jeder soll inspiriert sein von diesem Ziel", doziert Ilzer und kann mit dem Pokalhit aus deutschen Stadien nicht viel anfangen. "Wir fahren nach Berlin, ist für mich ein Blödsinn. Nicht nach Berlin zu kommen, sondern in Berlin zu gewinnen, das muss der inspirierende Gedanke sein, du kannst in diesem Wettbewerb Titel holen." Es ist von jeher Ilzers Ansatz, groß zu denken, darüber plaudert im aktuellen kicker-Interview auch sein Wegbegleiter und TSG-Sportgeschäftsführer Andreas Schicker aus dem Nähkästchen.
"Du brauchst brutale Energie und Bereitschaft"
Dennoch sieht Ilzer seine Truppe trotz des Sieges neulich an gleicher Stelle nicht als Favorit. "Es hat natürlich was Spezielles, wenn du innerhalb von zehn Tagen zweimal gegen denselben Gegner antrittst, und es war ein enges Spiel, auch wenn am Ende das Ergebnis ein klares war", erinnert der TSG-Coach, "das Spiel war lange Zeit offen, und der Verlierer wird Energie aus der Niederlage ziehen, ich erwarte ein 50-50-Spiel."
Natürlich werde er Schlüsse ziehen aus der Ligapartie, "aber da brauchst du nicht nur die klugen taktischen Anpassungen und zu antizipieren, was möglicherweise dein Gegner taktisch macht, sondern da brauchst du einfach eine brutale Energie, eine brutale Bereitschaft, so einen Cup-Pokal-Fight anzunehmen", versichert Ilzer aus Erfahrung, "das ist der einzige Weg, um als Sieger vom Platz zu gehen. Wenn du nicht auf den Punkt da bist, dann kommt diese Chance nicht wieder, und du bist nicht mehr Teil dieses Wettbewerbes."
Einige Alternativen für die Startelf
Ob die TSG drei Tage nach dem 3:1 gegen Heidenheim Rotationen benötigt, ließ Ilzer offen. Erst nach dem heutigen Abschlussstraining "kennen wir die Frische der Spieler und werden dann entscheiden, wer von Beginn an auf dem Platz stehen wird". Grundsätzlich bieten sich etwa die zuletzt weniger belasteten Grischa Prömel, Max Moerstedt, Alexander Prass, Muhammed Damar oder Ihlas Bebou mit frischen Beinen an. Auch Umut Tohumcu, der am Sonntag eine Halbzeit Spielpraxis in der Drittligamannschaft sammelte und gleich ein Tor erzielte beim 1:1 gegen Aue. Ob auch Ozan Kabak wieder startelftauglich ist, bleibt fraglich.
Klar sei aber auch, dass nur bei entsprechender Notwendigkeit rotiert werde, betont Ilzer: "Der Wettbewerb ist mir zu wichtig, um einfach Geschenke zu verteilen. Am Ende müssen wir auf alles vorbereitet sein, es kann ja auch ein sehr langer Abend werden."