Ein Unglück kommt selten allein. Nach der Ankündigung des Zwangsabstiegs sprang auch noch Hauptsponsor "die Bayerische" ab, das Versicherungs-Unternehmen machte von seinem Sonderkündigungsrecht bei Abstieg Gebrauch. Für die Löwen geht es nun mehr denn je darum, eine drohende Insolvenz abzuwenden.
Schließlich braucht der Verein auch für die Regionalliga Bayern frisches Kapital, durch den Rückzug des Hauptsponsors wohl insgesamt um die 2,7 Millionen - also dieselbe Summe, die auch für die Drittliga-Lizenz benötigt wurde. Investor Ismaik wird für diese Summe jedoch nicht aufkommen, wie er der Süddeutschen Zeitung bestätigte. "Ich glaube, mittlerweile ist allen klar, dass es keine Lösung sein kann, Jahr für Jahr einfach nur neues Geld zur Verfügung zu stellen", schreibe er auf SZ-Anfrage. Die Frage sei "heute nicht, ob eine Person einer anderen einen weiteren Kredit gewährt", so Ismaik weiter: "Die eigentliche Frage ist, wie der Verein eine stabile Zukunft aufbauen will, die nicht jede Saison von Notfallfinanzierungen abhängig ist."
Nur ein weiteres Problem für Geschäftsführer Manfred Paula. Die Mannschaft um Kevin Volland, Florian Niederlechner oder Sigurd Haugen dürfte durch den Abstieg auseinanderfallen, gerade mal acht Spieler besitzen Regionalliga-Verträge. Dass Trainer Markus Kauczinski den Weg in die Viertklassigkeit mitgeht, ist eher unwahrscheinlich. Als Favorit auf die Nachfolge gilt U-21-Meistertrainer Alper Kayabunar.
Und welche Konsequenzen erwarten die Münchner bei einer Insolvenz? Weiter heißt es in dem SZ-Bericht, dass die Löwen selbst dann noch ihren Regionalliga-Startplatz sicher hätten - ähnlich wie Türkgücü München, das nach der Drittliga-Insolvenz im Jahr 2022 in der Folgesaison in der Regionalliga Bayern starten durfte.
Aufgrund eines möglichen Viertliga-Verbleibs der Würzburger Kickers, die sich letztlich aber in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga gegen Lok Leipzig (1:0, 2:1) durchsetzten, habe der BFV ohnehin einen Rahmenterminkalender für 19 teilnehmende Mannschaften in der Regionalliga Bayern ausgearbeitet. Die Löwen würden also einfach den Platz des FWK einnehmen. Auch an der Tabelle würde ein Insolvenzverfahren nichts ändern - sofern der Antrag vor dem 30. Juni gestellt wurde. "Die Aberkennung der gewonnenen Punkte entfällt, sofern der Verein in eine tiefere Spielklasse abgestiegen ist", heißt es in der Spielordnung.
Ismaik will seine Anteile weiterhin verkaufen
Und was ist mit Ismaiks Zukunft? "Natürlich wünsche ich dem TSV 1860 München nichts Böses. Im Gegenteil, ich hoffe aufrichtig, dass der Verein diese schwierige Zeit übersteht und einen nachhaltigen Weg in die Zukunft findet." Die Frage nach der Vermeidung einer Insolvenz lasse sich aber nicht "von einer Person allein beantworten. Es hängt von den Entscheidungen ab, die die Verantwortlichen des Vereins in der kommenden Zeit treffen werden." Seine Haltung bezüglich seiner Anteile bleibe "unverändert", Ismaik will also weiterhin verkaufen.