Neun Jahre war er weg, und beide - Hertha BSC und Leon Jensen - haben sich in der Zwischenzeit verändert. "Es ist ein bisschen mehr neu, als ich dachte", sagt Jensen über seinen alten, neuen Verein. "Die Kabinen wurden damals erst gebaut, als ich weg bin. Aber im Endeffekt ist es immer noch Hertha. Es hat sich ein bisschen was verändert, auch ligentechnisch, aber es ist immer noch derselbe Verein. Viele Personen, die ich damals kannte, sind immer noch in denselben Positionen."
Er selbst ging 2016 nach zwei Jahren in Herthas U 19, in der er an der Seite von Maximilian Mittelstädt und Jordan Torunarigha spielte, fort aus Berlin. "Die Perspektive, die mir damals aufgezeigt wurde, war nicht das, was ich mir vorgestellt habe", sagt Jensen heute. "Da muss man sich in die Augen schauen und sagen: Okay, manchmal ist es besser, man trennt sich."
Es folgten zwei Jahre in Werder Bremens zweiter Mannschaft, eine Saison beim luxemburgischen Erstligisten F91 Düdelingen, zwei Spielzeiten beim damaligen Drittligisten FSV Zwickau und vier Jahre beim Karlsruher SC - den geraden Weg zum Gipfelkreuz hat der Mittelfeldspieler nicht genommen. "Ungewöhnlich" nennt der 28-Jährige seinen eigenen Karriere-Weg: "Es ist ein relativ typisches Beispiel dafür, wie es vielen Fußballern geht - dass man erst den Sprung nicht schafft und dann über viele Umwege und Erfahrungen besser und besser wird und sich dann wie bei mir der Kreis irgendwann schließt."
Mit Düdelingen spielte er unter Toppmöller Europa League
Menschlich und sportlich hat ihm der Weg raus aus Berlin viel gebracht, vor allem "einen etwas klareren Blick auf die Welt". Heißt konkret: "Wenn man mal raus ist aus seiner Komfortzone und das auch ein bisschen länger und ein paar andere Orte sieht, gewinnt man viel an Erfahrung und lernt einen anderen Schlag Mensch kennen als nur sein Umfeld aus Berlin. Auf dem Platz hab' ich sehr viel dazugelernt, sehr viel Reife gewonnen und wichtige Erfahrungen in unterschiedlichen Ligen sammeln können."
Selbst in der Europa League war er mit Düdelingen unter dem jetzigen Frankfurter Trainer Dino Toppmöller am Ball. Eine Liga, die Bundesliga, fehlt ihm allerdings in seiner Vita noch. Sie ist für Hertha und Jensen, Sohn des Ex-Profis Martino Gatti (u.a. FC St. Pauli, Tennis Borussia Berlin, FC Homburg, BFC Dynamo), das erklärte Ziel. "Dass wir als Hertha BSC sagen, wir wollen aufsteigen, ist das einzig Richtige", findet Jensen. "Ein klares Ziel zu haben, ist für den Verein extrem wichtig." Die Qualität ist aus seiner Sicht vorhanden: "Es ist ein sehr, sehr guter Zweitliga-Kader. Die Qualität im Training ist sehr hoch, gerade in den kleinen Spielformen. Die technische Finesse, die der eine oder andere hat, hab' ich noch nicht so oft gesehen."
Leitl nennt Jensen "einen sehr intelligenten Spieler"
Der Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld ist enorm und hat durch die Verpflichtungen von Jensen und Paul Seguin nochmal an Intensität gewonnen. Jensen, der eine gute erste Trainingswoche hingelegt hat und beim ersten Testspiel (3:0 bei Oberliga-Absteiger Ludwigsfelde) bester Berliner war, ist bereit: "Meine Perspektive ist gut. Ich stell' mich der Konkurrenz, Konkurrenz ist immer gut, gerade bei uns. Wir haben große Ziele. Da sollte der Konkurrenzkampf nicht Angst machen."
Als "sehr intelligenten Spieler, der sich gut zwischen den Linien bewegt", sieht ihn Trainer Stefan Leitl. Jensen zählt zu der Sorte Spieler, die im Kampf um den Ball eine für den Gegner nervtötende Dosis Gift versprühen - und die, wenn sie den Ball dann erobert haben, damit an guten Tagen ziemlich kluge Dinge anstellen. "Ich kann ganz gut gegen den Ball, ich kann ganz gut mit dem Ball", sagt er und findet: "Ich bin ein ekliger Achter, so ein kleiner Giftzwerg (1,75 Meter, d. Red.)." Der "kleine Giftzwerg", der zurück ist in seiner Heimatstadt, hat Großes vor. Damit passt er im Sommer 2025 ziemlich gut zu Hertha.