60 Gegentore hatte Schalke in der Saison 2023/24 kassiert, gar 62 in der vergangenen Spielzeit. Weder Karel Geraerts noch Kees van Wonderen haben dieses gravierende Problem, das die Königsblauen zweimal fast den Klassenerhalt in der 2. Liga gekostet hätte, in den Griff bekommen. Erst unter Miron Muslic wurde nun schnell alles anders.
Neue Spieler plus neues System gleich neue Stabilität
Der neue Trainer hat es in beeindruckend schnellem Tempo geschafft, aus dem instabilen Gebilde ein Bollwerk zu formen - und das, obwohl mit der Verpflichtung von Timo Becker, Nikola Katic und Hasan Kurucay nicht nur die personelle Besetzung der Abwehr komplett auf links gedreht, sondern auch noch die Grundformation verändert wurde (Dreier- statt Viererkette).
Nicht ohne Stolz in der Stimme sagt Muslic: "Wir haben in kürzester Zeit etwas sehr Fragiles stabilisiert. Das war nicht einfach, aber wir haben es geschafft. Wenn wir uns in dem Tempo der bisherigen drei Monate weiterentwickeln, brauchen wir keine Angst vor der Zukunft zu haben."
Und die Entwicklung muss weitergehen. Offensiv hat Schalke 04 bislang deutlich weniger überzeugt. Zu viele lange Bälle, zu wenige Chancen gepaart mit einer zu großen Ineffizienz - das kann die Verantwortlichen nicht zufriedenstellen. Tut es auch nicht.
Nach der Gegentor-Flut der vergangenen beiden Jahre "mussten wir Prioritäten setzen", betont Muslic. Die Schwerpunkte in den vergangenen zweieinhalb Monaten beschränkten sich "zu 85 bis 90 Prozent" auf die Arbeit gegen den Ball. "Das war für uns die Basis, das Fundament."
Offensive kam zwangsläufig zu kurz
Da kam zwangsläufig die Perfektionierung des Offensivspiels zu kurz. Nun ist es an der Zeit, dass sich die Schalker auch diesem Bereich stärker widmen. Muslic verspricht: "Der nächste Schritt ist, innerhalb der nun bestehenden Struktur bessere Abläufe zu schaffen."
Erschwert wurde dies in den vergangenen beiden Wochen einerseits durch die Nationalelf-Abstellungen von Katic, Moussa Sylla und Vitalie Becker, andererseits mussten mehrere Spieler verletzungsbedingt eine Trainingspause einlegen, darunter Emil Höjlund (Fersenprobleme), Peter Remmert (Sprunggelenksverletzung) und Max Grüger (gebrochener Zeh). Obendrein ist mit Königstransfer Christian Gomis kurzfristig ein Spieler hinzugekommen, der künftig im Angriff eine wichtige Rolle auf Schalke spielen soll.
Muslic will seine Mannschaft so anlernen, dass sie in der Lage ist, im vorderen Drittel deutlich mehr Gefahr auszustrahlen. Dazu gehört, verstärkt auch zweite Bälle zu gewinnen. Ebenso wichtig ist das bessere Verständnis füreinander, insbesondere mit Blick auf Laufwege und Kombinationsfluss. Auch die Variabilität ist ein Punkt, dem Muslic seine Aufmerksamkeit schenkt.
Weiterhin demütige Haltung
Wenn es den Schalkern gelingt, dass alle Rädchen noch besser ineinandergreifen, hat die Mannschaft das Zeug, sich in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen. Von mehr wagen die Gelsenkirchener, die am Samstag (13 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen Holstein Kiel den vierten Sieg im fünften Saisonspiel anpeilen, noch nicht zu träumen. Und diese demütige Haltung ist auch genau richtig so.