Nach starken Auftritten für den Fluminense FC bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2025™ steht für Jhon Arias nun das nächste Kapitel seiner Karriere an: Der Kolumbianer wechselt nach England zu den Wolverhampton Wanderers. Für Arias ist das der nächste Schritt in einer Laufbahn, in der er sein Spiel Stück für Stück weiterentwickeln konnte und nun im Alter von 27 Jahren in die Premier League wechselt.
Seine Zeit bei Fluminense spricht Bände über diese Entwicklung. In drei seiner sechs Einsätzen bei der Klub-WM wurde Arias zum Spieler des Spiels gewählt – unter anderem gegen Borussia Dortmund und den FC Internazionale Milano, die jeweils in den beiden vorangegangenen Saisons im Finale der UEFA Champions League standen. Von allen vier brasilianischen Teams im Turnier war Arias wohl der auffälligste Akteur.
Fernando Diniz, inzwischen Trainer bei Vasco da Gama, war der Coach, der Arias am längsten bei Fluminense betreut hat. Insgesamt absolvierte der kolumbianische Pelé, wie die Fans ihn gerne nannten, 229 Spiele für Flu, erzielte 47 Tore und legte 55 weitere auf. Vergangenes Jahr erklärte Diniz in einem Interview, wie sich Arias unter seiner Führung weiterentwickelt hat:
"Als ich ankam, war er schon ein Riesentalent und er hat nach und nach angefangen, seine eigene Stärke zu erkennen", erklärte Diniz. "Er ist ein außergewöhnlicher Mensch. Sehr sensibel, gebildet, intelligent und ein herausragender Spieler, der das Team nach vorn treibt. Seine Entwicklung geht steil nach oben und er bringt alles mit, um es bis ganz nach oben zu schaffen. Er ist ein ganz besonderer Spieler. Jemand, der mit Freude und Selbstvertrauen spielt und das Leben voll auskostet."
Unter Diniz’ Regie holte Arias im November 2023 die CONMEBOL Libertadores. Auch wenn der Kolumbianer mit starken Leistungen maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen hat, war es sein argentinischer Sturmpartner Germán Cano, der am Ende zum Fußballer des Jahres von Südamerika gekürt wurde. Mit von der Partie war auch Abräumer André im defensiven Mittelfeld – ihn wird Arias bald bei den Wolves wieder an seiner Seite haben.
Während der Feier nach dem Libertadores-Finalsieg gegen die CA Boca Juniors im Maracanã gab es einen Moment, der besonders in Erinnerung bleibt. Noch auf dem Rasen fiel Jhon Arias der Vereinspsychologin Emily Goncalves in die Arme und sagte: "Du hast mich zu dem gemacht, der ich heute bin."
Goncalves hatte Arias betreut, als er kurz nach seiner Ankunft bei Fluminense vom Tod seiner Großmutter erfuhr. Die Nachricht erreichte ihn nur einen Monat nach seinem Wechsel im August 2021. Auf dem Weg zur Beerdigung in Kolumbien war Arias am Boden – so sehr, dass er sogar überlegte, nicht mehr nach Brasilien zurückzukehren.
"Er war sehr verletzlich, wirklich erschüttert", erzählte Goncalves. "Er sagte, dass er ans Aufgeben dachte. Aber genau in dem wertvollen Erbe seiner Großmutter konnten wir etwas finden, woran er sich festhalten konnte. Er hat verstanden, dass er weitermachen musste, wegen all der Kraft, der Unterstützung und der gemeinsamen Geschichte mit ihr – einer Geschichte voller Kampfgeist und Überwindung."
Nur einen Monat später wurde Arias beim FIFA Interkontinental-Pokal™ (damals noch FIFA Klub-WM genannt) mit dem Bronze Ball ausgezeichnet, auch wenn am Ende das Finale gegen Manchester City verloren ging.
Inmitten des ständigen Auf und Abs im brasilianischen Fußball war es Arias, auf den sich Fluminense verlassen konnte, um 2024 ein sportliches Desaster zu verhindern. Zwar traf er in der Recopa Sudamericana gegen LDU doppelt, doch im Laufe der Saison änderte sich sein Auftrag komplett: Statt Titeljagd ging es plötzlich um den Klassenerhalt. Arias stellte sich voll in den Dienst der Mannschaft und half entscheidend mit, den Abstieg zu verhindern. In 26 Ligaspielen kam er auf sieben Tore sowie drei Assists und zeigte vor allem im Saisonendspurt starke Leistungen.
Auch in der kolumbianischen Nationalmannschaft gehört Arias mittlerweile fest zur Startelf. Sein Weg dorthin war ebenfalls alles andere als einfach: Seine ersten Schritte machte er im Nachwuchsbereich in Mexiko, bevor er zum Profi wurde. Zurück in Kolumbien arbeitete er sich über Stationen bei Patriotas, América de Cali und schließlich Independiente Santa Fe immer weiter nach oben. Dort traf er in der Libertadores-Gruppenphase 2021 dann gleich zweimal auf Fluminense. Und genau da wurden die Verantwortlichen aus Rio auf ihn aufmerksam.
Seine erste Chance in Kolumbiens höchster Spielklasse bekam Arias bei Patriotas. Sein damaliger Trainer Diego Corredor lobte besonders Arias' Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln und neue Aspekte in sein Spiel zu integrieren. 2018 schickte Corredor ihn in die zweite Liga zu Llaneros, verbunden mit einigen klaren Hinweisen, wie er sein Spiel anpassen müsse.
"Jhon Arias war ein klassischer Spielmacher, ein Zehner, der den Ball führte – und ich sagte ihm, dass sich der Fußball verändert hat", erklärte Corredor 2023. "Wenn er seine Spielweise nicht anpasst, wenn er nicht nach vorne marschiert und auch defensiv mitarbeitet, würde es für ihn schwierig werden, denn Trainer suchten schon längst nach anderen Spielertypen. Er war damals bei Patriotas und ich habe ihn in die zweite Liga geschickt."
"Wir haben mit dem Trainer dort gesprochen, damit er als Flügelspieler eingesetzt wird. So konnte er lernen, auch defensiv zu helfen. Als ich gesehen habe, dass er das umsetzen konnte, habe ich ihn zurückgeholt. Er begann dann als Außenspieler und kurz darauf hat América de Cali ihn verpflichtet. Danach ging es weiter zu Santa Fe. Heute sehen wir einen Jhon Arias, der zwar als Flügelspieler agiert, aber auch nach innen zieht und Stammspieler in der kolumbianischen Nationalelf ist.“
Corredor, Diniz, Goncalves – und all jene, die Jhon Arias auf seinem Weg geprägt haben – werden nun ganz genau hinschauen, wie dieser Spieler im ständigen Wandel auch auf der nächsten Stufe neue Maßstäbe setzen will.