Die Geschichte der Bellinghams ist eng mit Borussia Dortmund verknüpft. Mit 17 Jahren wagte Jude 2020 den Sprung von Birmingham City aus der zweiten englischen Liga nach Deutschland. Dort avancierte er zum globalen Star und zur festen Größe im englischen Nationalteam, ehe er zu Real Madrid wechselte. Sein Bruder Jobe machte sich derweil einen Namen bei Sunderland in der zweithöchsten englischen Liga und weckte schließlich ebenfalls das Interesse der Borussen, die ihn am 10. Juni kurz vor der FIFA Klub-Weltmeisterschaft verpflichteten.
Nun kommt es am 5. Juli im Viertelfinale im MetLife-Stadion in New York New Jersey zum Aufeinandertreffen zwischen ihren aktuellen Klubs, bei dem Jobe allerdings fehlt. Nach seiner zweiten gelben Karte im Achtelfinale gegen Monterrey ist er für die Partie gegen die Königlichen gesperrt.
Es kommt somit also nicht zum Brüderduell, aber immerhin zum Wiedersehen von Jude mit dem Klub, bei dem er vom Talent zu einem der besten Mittelfeldspieler der Welt aufgestiegen ist. Als eine der größten Zukunftshoffnungen im internationalen Fußball wurde er einst von zahlreichen großen Klubs in Europa umworben und entschied sich in Absprache mit seiner Familie schließlich, zur Saison 2020/21 in die Jugendabteilung von Borussia Dortmund zu wechseln.
Binnen drei Jahren avancierte er zu einem der weltbesten Mittelfeldspieler und wurde mit Dortmund Pokalsieger und zwei Mal Vizemeister. In 132 Partien schoss er 24 Tore für Schwarzgelb, ehe er sich das weiße Trikot der Madrilenen überstreifte.
Der Schweizer Torhüter Gregor Kobel, einer der Schlüsselspieler im Team von Trainer Niko Kovač beim Achtelfinalsieg gegen Monterrey, war einer von Judes Teamkameraden – ebenso die Verteidiger Julian Ryerson und Niklas Süle, die Mittelfeldspieler Julian Brandt, Felix Nmecha und Giovanni Reyna sowie Stürmer Karim Adeyemi. "Ich freue mich immer, ihn wiederzusehen. Wir hatten zwei großartige Jahre in Dortmund. Er ist ein toller Typ mit einer tollen Familie. Ich kenne seine Eltern und nun auch seinen Bruder. Sie sind im Kopf unheimlich stark und sehr fokussiert. Beide sind großartige Menschen mit einer unglaublichen Familie", antwortete Kobel auf eine Frage von FIFA.com.
Für Jude ist es nicht das erste Wiedersehen mit der Borussia. Schon 2024 im Finale der UEFA Champions League in London kam es zum Duell. Dank zweier Tore von Dani Carvajal und Vinícius Júnior besiegte die Mannschaft von Carlo Ancelotti damals den Champions-League-Sieger von 1997. Jude, der in der 85. Minute ausgewechselt wurde, wurde als bester Nachwuchsspieler der abgelaufenen Champions League ausgezeichnet.
Einige Monate später kam es erneut zum Kräftemessen – dieses Mal in der Ligaphase des neu konzipierten Wettbewerbs. Jude stand unter Ancelotti wiederum in der Startformation und feierte mit Real trotz 0:2-Rückstand zur Halbzeit nach Toren von Donyell Malen und Jamie Gittens letztlich einen ungefährdeten 5:2-Sieg. Mann des Spiels war Vinícius Júnior mit einem Hattrick.
Beim dritten Aufeinandertreffen heißt der Trainer Xabi Alonso, der Bayer Leverkusen im letzten Jahr zum deutschen Meistertitel geführt hat und dabei ist, den Madrilenen seine Handschrift zu verleihen. Jobe, der im Viertelfinale fehlen wird, bildet zusammen mit Karim Adeyemi und Serhou Guirassy das Angriffstrio von Trainer Kovač. Er trägt die Nummer 77 und darüber nicht etwa seinen Nach-, sondern seinen Vornamen und schwärmt von seiner neuen Heimat: "Ich war schon früher dort, habe mir Spiele angeschaut und die Begeisterung der Fans und dieser Farben gespürt. Diesen Ort werde ich nie vergessen. Nun bin ich zurück, aber nicht um zuzuschauen oder in die Fußstapfen von irgendjemandem zu treten. Es ist dieselbe Stadt und dasselbe Stadion, aber jetzt geht es darum, unsere eigene Geschichte zu schreiben."