Fehlercode: %{errorCode}

Jürgen Säumel: Vom Meistertrainer zum Opfer der eigenen Worte

kicker

Es dauerte dann doch einige Zeit, bis der SK Sturm die Trennung von Jürgen Säumel offiziell verkündete. Klar: Eine Vereinslegende und jenen Trainer, der die Mannschaft erst vor wenigen Monaten zum Meistertitel geführt hatte, vor die Tür zu setzen, fällt gerade einem Traditionsklub wie Sturm alles andere als leicht. Dennoch gab es im Grunde seit Wochen keine echte Alternative zu dieser Entscheidung.

Schon allein die sportlichen Auftritte im Herbst hätten eigentlich für ein vorzeitiges Ende der Zusammenarbeit genügt. Sturm war in den vergangenen Monaten nur noch ein Schatten seiner selbst, ein biederes Spiel folgte dem nächsten. In der Vorsaison hatten die zuletzt so erfolgsverwöhnten Grazer nach 17 Runden neun Punkte mehr auf dem Konto - doch angesichts der kollektiven Schwäche der Konkurrenz ist für Sturm im Rennen um die Meisterschaft auch in dieser Spielzeit noch alles drin.

Säumels Gelassenheit wirkte deplatziert

Demnach sei doch alles in bester Ordnung, ließ Säumel nach dem peinlichen 1:3 gegen die WSG Tirol sinngemäß durchklingen. Ohnedies wisse er nicht, woher die hohen Ansprüche kämen. Man musste schon zweimal hinhören, ob bei diesen Aussagen nicht doch ein ironischer Unterton mitschwang. Denn angesichts des gezeigten Fußballs, der Otar Kiteishvili und Co. mit jedem Spiel sichtbarer frustrierte, wirkte diese Gelassenheit doch ziemlich deplatziert.

Den Schuldigen für die dann doch nicht kleinzuredende Misere fand Säumel wenige Tage nach dem WSG-Spiel in Sportchef Michael Parensen. Der 41-Jährige kritisierte die Kaderzusammenstellung nach dem 2:1-Derbyerfolg mit schonungslos offenen Worten und besiegelte damit wohl sein endgültiges Aus. Denn obwohl die Kritik inhaltlich durchaus berechtigt war, brach Säumel mit seiner Flucht nach vorne einen Machtkampf vom Zaun. Den er - trotz seines guten Verhältnisses zu Präsident Christian Jauk - fast nur verlieren konnte.

Parensen darf nur kurz durchatmen

Für Sturm wäre es kaum zu argumentieren gewesen, Säumel trotz des besorgniserregenden Abwärtstrends und dieses Interviews im Amt zu halten. Der Verein hätte damit ein frappierendes Signal an die Öffentlichkeit sowie an etwaige Nachfolger von Parensen, dessen Abgang in diesem Fall alternativlos gewesen wäre, gesendet. Nämlich jenes, dass Säumels vereinsschädigendes Verhalten für ihn folgenlos geblieben wäre und sogar dessen gewünschten Effekt erzielt hätte. Schließlich wird und muss auch dem nunmehrigen Ex-Coach klar gewesen sein, dass seine Aussagen personelle Konsequenzen nach sich ziehen würden.

Was nun? Der Druck auf Parensen, unter dessen Ägide Sturm merklich an Qualität einbüßte, bleibt hoch. Neben der Trainerbestellung - dem Vernehmen nach hat Ried-Coach Maximilian Senft die besten Karten - sollten angesichts der bisherigen Verfehlungen in seinen beiden Transferzeiten auch die Kaderanpassungen im Winter sitzen. Ansonsten könnte in Graz schon bald die nächste Trennung anstehen.