Janßens Feststellung bezieht sich auch auf die Standfestigkeit von Präsident Jürgen Machmeier, Geschäftsführer Volker Piegsa und den Fans während des schwierigen ersten Saisondrittels. "Das war alles andere als selbstverständlich", lobt der 59 Jahre alte Fußballlehrer.
Der Rheinländer sieht sich bestätigt: "Viele haben sich gewundert, dass ich in die Regionalliga wechselte. Aber es war zu 100 Prozent die richtige Entscheidung. Ich hätte es mir nicht besser wünschen können."
Das Trainer-Geschäft würde zum Zirkus mutieren, für das, was den Beruf ausmachen würde, bliebe den Trainern der Bundesliga und 2. Liga vielleicht noch 30 Prozent Zeit, beklagt Janßen eine seiner Meinung nach ungute Entwicklung.
Zwölf Spieltage dauerte es am Hardtwald, bis die Mannschaft begriff, was ihr Trainer wollte. "Nach dem 1:1 in Fulda hat es Klick gemacht", freut sich Janßen, "die Mannschaft ist zusammengewachsen." Vielleicht trugen dazu auch die widrigen Umstände bei. Das Verletzungspech blieb bis zuletzt treu. In Kassel fehlten acht Spieler, sechs davon mit Potenzial auf einen Stammplatz.
Gedanken über Neuzugänge
"Es wäre fahrlässig, wenn wir uns bei dem auf Kante genähten Kader nicht Gedanken machen würden", blickt Janßen voraus. Doch Winter-Transfers sind problematisch, weil der Markt nicht unbedingt hergibt, was den auf vielen Positionen überdurchschnittlich besetzten Regionalligisten weiterhilft.
Lukas Schneller hat gegen die Stuttgarter Kickers (2:1) und in Kassel Fehler gemacht, die zu Toren führten, dennoch war der Torwart in beiden Spielen der Matchwinner. Außer dem 24-jährigen Keeper ragen Abwehrchef Kwabe Schulz, Niklas Tarnat auf der Sechs und Luis Kolbe auf der rechten Außenbahn heraus.
Phil Halbauer, Jahn Herrmann und David Mamutovic sind Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Pascal Testroet ist die größte Stärke, möglicherweise aber auch die Achillesferse. Der Kapitän war an 22 der 34 Tore beteiligt. 15 Treffer erzielte er selbst, sieben bereitete er vor. Er ist Kopf und Seele der Mannschaft. Länger ausfallen darf der 35-Jährige nicht. Janßen berichtet, dass Testroet beim Abschied in den Weihnachtsurlaub zu ihm gesagt habe: "Coach, das war das schönste halbe Jahr, das ich als Spieler hatte."
Um die Früchte zu ernten, wird der Torjäger vermutlich noch eine Saison dran hängen müssen. Janßen ist Realist: "Wenn man davon ausgeht, dass der Meister einen Schnitt von mindestens zwei Punkten benötigt, müssten wir zwölf unserer restlichen 14 Spiele gewinnen. Es wäre deshalb unangemessen, eine Kampfansage zu machen." Acht Punkte trennen Sandhausen vom Tabellenführer Freiberg. "Doch wenn andere Schwächen zeigen, wollen wir bereit sein", fordert Janßen.
"Unser Projekt ist langfristig angelegt", erklärt der Trainer, "aber natürlich steht der sportliche Erfolg an erster Stelle. Wenn wir weiter so zusammenarbeiten, wird unser Ziel, aufzusteigen, nur eine Frage der Zeit sein."