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Karaman: "Nicht die Zeit, um vom Aufstieg zu reden"

kicker

Aus Schalkes Trainingslager in Neustift im Stubaital berichtet Toni Lieto

Kenan Karaman hat sich beim FC Schalke 04 zu einer Führungsfigur entwickelt, die keine klaren Aussagen scheut. Nach außen nicht und intern schon mal gar nicht. Der Kapitän berichtet offen von Unterhaltungen mit Vereinsverantwortlichen, in denen er deutlich zum Ausdruck brachte, dass Zweitliga-Abstiegskampf mit Schalke 04 nicht das ist, was er sich bei seiner Vertragsverlängerung im vergangenen Jahr vorgestellt hat.

Der 31-Jährige darf den Finger in die Wunde legen - weil er hochanerkannter Kapitän der Königsblauen ist und weil er regelmäßig mit Leistung und Einsatz vorangeht. Ohne ihn wäre Schalke 04 in der Vorsaison vermutlich in die 3. Liga abgestiegen: Karaman trug mit 17 Scorerpunkten (13 Tore, 4 Assists) entscheidend zum Klassenerhalt bei.

Klares Ziel: Bundesliga-Rückkehr

Karamans Ansprüche sind klar: Er will mit Schalke 04 zurück in die Bundesliga. Mit Kampfansagen hält er sich klugerweise aber aktuell mit Verweis auf die jüngsten beiden Zweitliga-Zittersaisons zurück. Es sei gerade "nicht die Zeit, um vom Aufstieg zu reden", meint auch der Angreifer. "Ich will, dass wir eine stabile Saison spielen, ohne Angst um die Existenz des Vereins. Natürlich habe ich aber auch persönliche Ziele - ich will oben mitspielen, nicht unten."

Seine Rolle im Trainingslager, das noch bis Sonntag in Österreich läuft, ist derweil eine ganz andere, als er sich das vorgestellt hat. Während seine Teamkollegen auf dem Übungsplatz in Neustift schwitzen, steht Karaman häufig am Spielfeldrand. Er beobachtet, motiviert - und muss selbst zusehen.

Neue Erfahrung für den gestandenen Angreifer

Für den 31-Jährigen ist das eine neue Erfahrung. "Ich weiß nicht, wann ich zuletzt eine komplette Vorbereitung verpasst habe. Vielleicht ist es sogar das erste Mal", sagt Karaman. Doch es gibt Hoffnung. Am Mittwoch konnte er erstmals seit seiner Meniskus-Operation wieder eine Laufeinheit absolvieren: "Ganz locker, 15 Minuten - aber schmerzfrei."

Die Diagnose hatte im Juni alle überrascht. "Das war ein Schock für uns", sagt der Kapitän. Im Verlauf des Auftakttrainings mit Volksfest-Charakter hatte er ein Knacken im linken Knie bemerkt, sich aber keine großen Sorgen darum gemacht, weil Beschwerden ausblieben. Erst in den folgenden Tagen dämmerte ihm und den Teamärzten, dass es etwas Gravierendes sein könnte.

Den Saisonstart Anfang August zu Hause gegen Hertha BSC wird der Offensivspieler verpassen, ein konkretes Comeback-Ziel nennt er nicht. "Ich will vernünftig die Reha hinter mich bringen und setze mich nicht unter Druck", sagt der Deutsch-Türke.

Wahl der Co-Kapitäne steht bevor

Dass der unangefochtene Führungsspieler mit ins Trainingslager gereist ist, war ein Wunsch beider Seiten - von Trainer Miron Muslic ebenso wie von ihm selbst. Karaman füllt seine Rolle im Mannschaftsgefüge auch während seiner Trainingspause gewissenhaft aus. Er horcht in alles hinein, hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg und fungiert als ständiger Ansprechpartner. Er ist eine mentale Stütze im Reha-Modus.

Bereits in den nächsten Tagen könnte sich entscheiden, wer Stellvertreter des Kapitäns wird. Gute Chancen werden Torwart Loris Karius sowie den Zugängen Timo Becker und Nicola Katic zugeschrieben.