Fünf Grad, Nebel und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit, fünf Gegentore, kein Torschuss. Dystopische Flutlicht-Atmosphäre in der NÖ Arena beim letzten Champions-League-Heimspiel des SKN gegen Juve vor nur 1.023 Zuschauern.
Selbst die Fledermäuse, die bei Fußballspielen unter dem kreisrunden Tribünendach aus Holz aufgeschreckt herumfliegen, unterbrachen diesmal allesamt nicht ihren Winterschlaf für Touren.
Nach fünf von sechs Spieltagen der Ligaphase sind die Wölfinnen Tabellenletzter mit bloß einem Punkt (in Oslo bei Valerenga), den meisten Gegentoren (22) und den wenigsten erzielten Treffern (zwei).
Nach den Sixpacks gegen Atletico und Chelsea kündigte sich gegen die Alte Dame schon vor der Pause die dritte Heimklatsche für Österreichs Serienmeister an. Zunächst staubte Amalie Vangsgaard nach einem Eckball ab, dann verwandelte die überragende Cristiana Girelli einen Handelfmeter, den Schiedsrichterin Catarina Ferreira Campos erst nach der Aufforderung zum Videostudium gegeben hatte.
"Bitter. Das haben wir uns so nicht vorgestellt. Die ersten beiden Gegentore aus Standards, der Elfmeter aus dem Nichts. Ich habe auch das Gefühl gehabt, dass wir Phasen gehabt haben, in denen wir nicht mehr an uns geglaubt haben", so Kapitänin Jennifer Klein.
Mattner der Lichtblick
Die technisch versierte Mittelfeldspielerin Leila Peneau erwischte einen rabenschwarzen Tag und wurde nach der Pause durch Kess Elmore ersetzt. Jene hatte in der Startelf Sarah Mattner weichen müssen, die nach einer Verletzung ihr internationales Comeback feierte und der Lichtblick im Wölfinnen-Rudel war.
"Wir sind sehr froh, sie wieder zurück zu haben. Sie wird im neuen Jahr sehr wichtig sein für uns", so Trainer Laurent Fassotte auf kicker-Nachfrage. Klein attestierte unisono: "Ihr Impact war sofort da. Sie ist eine extrem wichtige Spielerin für uns. Trotzdem hat es für uns wieder nicht gereicht."
Prüfungsreicher Tag für Schlüter
"Natürlich hätten wir für unsere Fans zu Hause gerne gepunktet", hielt Torfrau Carina Schlüter fest, deren Kommilitonen aus Krems für Stimmung auf der Osttribüne sorgten. In der Früh hatten sie noch gemeinsam eine Prüfungsarbeit fürs Medizin-Studium geschrieben, die Schlüter "wohl bestanden" hat.
„Als der kleine SKN bei den Großen mitzumischen, ist eh schon was ganz Besonderes.“ (Torfrau Carina Schlüter)
"Es ist schade, dass wir nun nicht mehr die Chance auf ein weiteres Heimspiel haben werden", bedauert Schlüter, "aber als der kleine SKN bei den Großen mitzumischen, ist eh schon was ganz Besonderes." Die letzte Aufgabe in der Ligaphase steht für Klein, Schlüter und Co. am 17. Dezember (21 Uhr LIVE! bei kicker) bei AS Rom im Tabellenkeller an.
Im Frühjahr wird dann Austria Wien der Hauptgegner der Wölfinnen um einen neuerlichen Einlass in die Champions League sein. Es wird zwar wieder zwei Qualifikationstickets für Österreich geben, aber der Pfad über den "Meisterweg" in die Ligaphase ist ungleich leichter.