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Kletterpartie oder freier Fall? Der trügerische 8. Platz

kicker

Mit 22 Punkten auf dem Konto hat der 1. FC Nürnberg auf dem achten Tabellenplatz überwintert. Einstellig zur Saisonhalbzeit, eigentlich doch gar nicht so übel, wird da der Reflex vieler Club-Fans lauten. Einen Haken hat die Situation der Mittelfranken jedoch: Von Rang 7 trennen die Nürnberger fünf Punkte, ebenso viele wie auf den Abstiegs-Relegationsrang. Der Fall in Richtung 3. Liga ist also näher als eine Kletterpartie in Richtung Oberhaus, Rang drei ist bereits elf Punkte entfernt. Doch für beide Wege gibt es Beispiele aus der Zweitliga-Historie:

Hoffenheim als Vorbild

Zunächst lohnt sich ein Blick auf das magere Punkte-Konto des 1. FCN. 22 Zähler nach der Hinrunde sind die schwächste Ausbeute, die ein Klub auf Rang 8 gesammelt hat, seit die 2. Bundesliga 18 Mannschaften umfasst. Zuletzt kam die TSG Hoffenheim 2007/08 auf diese Punktzahl.

Die Kraichgauer wären aber ein Vorbild für den Club. Denn 2007/08 drehte die TSG als Aufsteiger in der Rückrunde auf, holte die acht Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz auf und schloss die Spielzeit sensationell als Zweiter mit 60 Punkten ab, womit sie den Durchmarsch von der 3. in die Bundesliga schafften.

Als das Wunder schon einmal gelang

Besser lief es für den Club in der Post-Hoffenheim-Saison. 2008/09 waren die Franken ebenfalls Achter nach dem Ende der Hinrunde, damals jedoch mit 25 Punkten und nur sechs Zähler von einem direkten Aufstiegsplatz entfernt. In der Rückrunde fand das Team des damaligen Trainers Michael Oenning endgültig in die Spur. Nürnberg sammelte elf Siege, schlug etwa den letztendlichen Aufsteiger SC Freiburg mit 1:0, verlor nur zwei Partien und blieb in der Rückserie sogar in zwölf Partien mit weißer Weste. Das gelang in der 18 Teams umfassenden 2. Bundesliga nur Eintracht Frankfurt 2004/05. Genau wie die Frankfurter schaffte es der Club 2008/09 mit dieser starken Leistung noch auf Platz 3. Anders als die Hessen durfte der FCN aber nicht direkt aufsteigen, da von 2008/09 an die Relegation wieder eingeführt wurde. Die Aufstiegsfeier ließ sich das Team um Javier Pinola und Marek Mintal aber nicht nehmen: Mit 3:0 und 2:0 ließ man Energie Cottbus in den Entscheidungsspielen keine Chance und durfte somit die nächste Spielzeit in der Bundesliga planen.

Es war der bis dato erst zweite Fall seit 1994/95, dass ein Hinrunden-Achter am Ende einer Spielzeit noch den Aufstieg schaffte. Bochum kam 2010/11 zwar ebenfalls in die Relegation, scheiterte dort aber an Mönchengladbach (0:1, 1:1).

Damit die Nürnberger das Kunststück von 2009 aber 17 Jahre später wiederholen können, ist eine deutliche Leistungssteigerung nötig. Um zumindest den Relegationsplatz zu erreichen, waren seit 1994/95 im Schnitt 60 Punkte nötig. Allerdings holten seither die am Ende der Hinrunde Achtplatzierten in den letzten 17 Spielen durchschnittlich nur 24 Zähler. Der 1. FC Nürnberg hätte am Saisonende 2025/26 in diesem Fall 46 Punkte. Das wären zwei weniger als noch in der Vorsaison, als man am Ende nur auf Rang 10 landete.

Rückrunden zum Vergessen

Allerdings richtet sich der Blick der landläufig eher pessimistisch veranlagten Franken tendenziell in Richtung der zweiten Tabellenhälfte. Fünf der letzten sechs Zweitliga-Spielzeiten schloss der Club auf einem zweistelligen Tabellenplatz ab. Und das Beispiel des FC 08 Homburg aus der Saison 1994/95 sollte den Nürnbergern eine Warnung sein: In der ersten Zweitliga-Spielzeit, in der "nur" noch 18 Teams kickten, starteten die Saarländer zwar nicht schlecht und schlossen die Hinrunde als Achter mit 23 Punkten ab, also mit einem Zähler mehr als Nürnberg aktuell. In der Rückrunde brach der FCH jedoch zusammen. Weil es nur zwei Siege und zwischenzeitlich zwölf sieglose Spiele in Serie gab, landete Homburg schlussendlich auf Rang 17 und stieg ab. Seitdem wurden sie nicht mehr im Liga-Unterhaus gesehen.

Etwas glimpflicher verlief es für die Offenbacher Kickers 2006/07. Deren Situation nach der Hinrunde ähnelte eher der des 1. FC Nürnberg aktuell. Offenbach hatte damals nach 17 Spielen ebenfalls 22 Punkte und dabei nur fünf Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, 2006/07 war das schon Rang 15. Weil die Hessen in der Rückrunde lediglich 14 Punkte holten, schrammten sie am Ende der Spielzeit haarscharf am Abstieg vorbei. Erst am letzten Spieltag retteten sie sich durch ein 1:1 gegen Eintracht Braunschweig auf Rang 14, weil das vor dem Spieltag punktgleiche Rot-Weiß Essen mit 0:3 gegen MSV Duisburg verlor.

Nürnbergs große Probleme mit Rang 8

Zurück zum Hier und Jetzt. Der 1. FC Nürnberg bestreitet den Rückrundenauftakt am Samstag (13 Uhr) gegen die zweitplatzierte SV Elversberg. Ein Gegner also, gegen den der Club die letzten drei Spiele ohne jegliche Punkte blieb. Zusätzlich zu dem schweren Brocken, der am Samstag im Max-Morlock-Stadion gastiert, kommen die Nürnberger Schwierigkeiten mit dem Tabellenplatz, den sie gerade bekleiden. Denn der FCN verlor satte 47,6 Prozent der Zweitliga-Partien, die er als Achtplatzierter begann, und gewann nur 28,6 Prozent dieser Spiele. Nur von Tabellenplatz 17 und 12 aus hat der Club eine höhere Niederlagen-Quote, nur von Rang 17 aus eine niedrigere Siegquote (25 Prozent).

Der Club gewann nur zwei der letzten 20 Partien, die er als Achtplatzierter bestritt, letztmals am 26. Spieltag der Vorsaison gegen den Erzrivalen aus Fürth (3:0). Mit einer Niederlage am Samstag könnte der FCN theoretisch auf Rang 13 abrutschen. Von dort aus ist der Tabellenkeller zwar nicht mehr weit, aber zumindest die Siegquote der Franken ein gutes Stück größer (39,6 %) ...