Nach seinem Karriereende bei der U 21 des FC Basel, teilt Timm Klose immer wieder Fotos und Videos in den sozialen Medien. Dass eines seiner letzten Videos über 50'000 Aufrufe hatte, wusste er nicht. "Ich hatte einfach Zeit und Lust dazu. Wenn ich ein Ventil brauche, gehe ich auf Social Media und lasse etwas Lustiges raus." Influencer hält er allerdings für ein blödes Wort, es mache einfach Spass, mit der Zeit zu gehen.
Zudem könne er so viel im Umgang mit den Jungen lernen, denn in seiner Generation kamen die sozialen Medien erst auf. Damit umzugehen, musste man erst lernen. Dass es heute einfach zum Alltag gehört, merkte er zuletzt bei einem Junioren-Spieler, auf dessen Handy er eine Screen Time von über zehn Stunden am Tag entdeckte. "Das ist für mich kaum greifbar. Ich bin bei etwa drei, vier Stunden."
Allgemein kommt Klose mit dem Thema Social Media im Nachwuchs des FCB häufig in Kontakt. Man müsse bewusst hinschauen und sich an neue Entwicklungen anpassen, "ohne alles kontrollieren zu wollen". Auf dem Campus habe das Handy nichts zu suchen, der Fokus liegt da auf dem Fussball. Wichtig sei auch, dass sich alle Spieler bewusst werden, wie der Umgang mit Social Media in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden kann. Erwünscht ist zwar ein bewusster Umgang, perfekt müsse jedoch niemand sein.
Trotzdem sieht der 37-Jährige eine Gefahr für die junge Generation: "Social Media können ein Segen sein, aber auch ein Teufelskreis." Der Vergleich mit Superstars lasse oft vergessen, dass solche Karrieren Ausnahmen sind. "Die Welt zeigt uns einen Luxus, der zur Norm wird. Viele denken: Wenn ich das nicht habe, bin ich nichts. Dabei geht es darum, wie du dich als Persönlichkeit entwickelst."
Ein neues Leben - die gleiche Leidenschaft
Im Nachwuchs der Bebbi wartet auf Klose also nicht nur sportliche Arbeit, sondern eben auch jene neben dem Platz. Man habe einen hohen Standard im FCB-Nachwuchs, schliesslich spielen viele ehemalige Junioren in einer ersten Mannschaft. "Bei uns muss man sich stark entwickeln und gewinnen können." Dann vor 25'000 Leuten im St. Jakob-Park zu spielen, sei nicht selbstverständlich. "Damit musst du umgehen können."
Nach 20 Jahren im Profifussball gab es für Klose einen ziemlichen Wechsel, doch der Fussball bleibt seine grosse Leidenschaft. Spannend sei nun, herauszufinden, ob es im Fussball auch noch anderes gebe. "Ich habe mit dem FC Basel und meinen Start-ups Aufgaben, die den Fussball von einer anderen Seite zeigen." Klose lernt ständig Neues, auch Dinge, die ausserhalb der Komfortzone liegen. "Es ist unbequem, manchmal schwierig, aber genau das brauche ich, um mich weiterzuentwickeln."