Es war nicht so, dass die Leistung von Michal Karbownik einen zwingenden Anlass für einen Personalwechsel geliefert hatte. Der Pole - giftig in der Balleroberung und mit einigen mutigen Akzenten im Vorwärtsgang - lieferte gegen Dynamo Dresden (2:0) sein stabilstes Saisonspiel ab.
Dass für ihn dennoch nach 58 Minuten Schluss war, hatte einen simplen Grund: Hertha-Trainer Stefan Leitl wollte mehr Körperlichkeit auf dem Feld - und brachte für Leichtgewicht Karbownik (64 Kilogramm bei 1,75 Meter Größe) den 1,96-Meter-Hünen Niklas Kolbe, den sein Klub mit 84 Kilogramm listet. "Nachdem Thomas (Dynamo-Coach Stamm, d. Red.) sehr viel Physis und Größe gebracht hat, konnten wir sofort wechseln und mit Niklas dagegensteuern", sagte Leitl.
Leitl bescheinigt Kolbe gute Voraussetzungen für den linken Part
Das Job-Sharing zwischen Karbownik und Kolbe hatte es bereits vier Tage vor dem Dresden-Spiel in der Zweitrunden-Pokalpartie gegen die SV Elversberg (3:0) gegeben - und Leitl will es auch in nächster Zeit im Repertoire belassen. Aus Sicht des Trainers bringt der etatmäßige Innenverteidiger Kolbe gute Voraussetzungen für den Außendienst mit: "Linker Fuß, Tempo, gute Vertikalität, Drang nach vorne."
Eine allzu gravierende Umstellung sieht Leitl für den Sommer-Neuzugang nicht: "Ich finde die Position nicht neu für ihn. Wenn du mit einer Dreierkette spielst, hast du oft die Situation, dass man mit den Halb-Verteidigern Richtung Linie geht und von dort die Spielfortsetzung macht. Das hat er auch in Ulm oft gemacht."
Karriere-Spätstarter Kolbe greift nach seinen überstandenen Rippenbrüchen, die eine siebenwöchige Zwangspause nach sich gezogen hatten, bei Hertha BSC wieder an. In der Innenverteidigung hat er derzeit den klar formverbesserten Marton Dardai vor sich. Jetzt - darauf lässt Leitls Lob schließen - eröffnet sich für den 28-Jährigen eine neue Perspektive links in der Viererkette: "Er hat seine Sache in beiden Spielen richtig gut gemacht." Klingt nach mehr.